Serdar Dogan vor der Orgelfabrik in Durlach Foto: Manuel Balzer
„Die Leute haben Lust auf Kino!“ Regisseur Serdar Dogan organisiert einmal pro Jahr die Durlacher Filmwoche
9. Oktober 2018 TEXT: 0

„Dass wir in der Orgelfabrik Kinofilme zeigen, entstand aus dem Wunsch heraus, in Durlach ein Kino zu haben – die Location ist der Oberwahnsinn“, sagt Serdar Dogan. In dem historischen Baudenkmal flimmert ab heute wieder die Durlacher Filmwoche. Den Anfang macht Aus dem Nichts von Fatih Akin, weitere Highlights sind der Vampir-Film Only lovers left alive und die Gesellschaftssatire The Square. „Das Durlacher Publikum mag Arthaus-Streifen. Das finde ich klasse, obwohl ich auch Blockbuster wie Herr der Ringe liebe. Die kommen hier aber nicht so gut an“, weiß der 40-Jährige aus Erfahrung.

Clips mit Botschaft

Hauptberuflich produziert Serdar mit seiner Firma Sidekick-Pictures Werbe-Clips, Musikvideos oder Unternehmensfilme. „Mein Job ist es, Leute zu überzeugen, was Film kann und was nicht. Wenn ein CEO so oft wie möglich sich selbst und seine Quartalszahlen unterbringen will, interessiert das niemanden“, verrät Serdar. „Wir sammeln in einer Firma Ideen für Verrücktes, Buntes, Konträres. Um eine echte Botschaft rauszukitzeln, muss man schon ein wenig ‚Out of the box‘ denken!“

Spielfilm über Weltreise

Spielfilme sind die große Leidenschaft des gebürtigen Mühlackerers, sein erster war Kopfkino, den er hauptsächlich in Durlach gedreht hat. Der achte Kontinent ist sein zweiter Langfilm, er handelt von einer Weltreise. „Dafür sind wir in 36 Tagen tatsächlich um die Welt gereist und haben in Rom, Rio, Sydney und Hong Kong gedreht. Das war ein extremes Abenteuer.“ Klassisch mit Filmförderung und TV-Koproduktion konnte das Projekt nicht finanziert werden, also mussten Crowdfunding und Privatkredit her. „Am Ende hatten wir 75 000 Euro für Dreh und Produktion. Das war irre, ich habe viel erlebt und gelernt. Es hat sich gelohnt, der Film hat mir viele Türen geöffnet“, sagt Serdar. So hat er dadurch Ben Becker kennengelernt und mit ihm einen Film gemacht.

Low-Budget-Dreh im Schloss

Auch zum Stadtamt Durlach besteht seit vier Jahren guter Kontakt, als für den Independent-Film mit Cosma Shiva Hagen kurzfristig ein neuer Raum für Greenbox-Aufnahmen gesucht wurde. „Alles war ausgebucht, in der Not habe ich die Verwaltung angerufen“, erinnert sich der Filmemacher, der mit seiner Familie in der Markgrafenstadt lebt. Prompt bot man ihm die Karlsburg als Drehort an, sodass der Low-Budget-Streifen zum Teil in royaler Kulisse entstand. „Das war ein lustiger Kontrast – damals wurde dann auch die Idee für die Durlacher Filmwoche geboren.“

Durlacher Filmwoche bietet Einführung

Deren Premiere 2014 kam im Stadtteil gut an, bei den meisten Filmen ist der Saal seither voll. „Die Leute haben Lust auf Kino! Manchmal stehen sogar Menschen vor der Tür und bekommen keine Karte mehr. Leider erlauben die Brandschutz-Vorschriften maximal 99 Sitzplätze in der Orgelfabrik“, sagt der Organisator, der vor jedem Film eine kurze Einführung gibt. „Die Macher haben sich schließlich etwas dabei gedacht, es sind Kunstwerke mit Aussage. Die geht in normalen Kinos allerdings oft unter.“

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