Enrico Bach in seinem Atelier in Karlsruhe Foto: Nina Setzler
„Manche Bilder werden zu Feinden“ Der Künstler Enrico Bach lässt sich in seinem Atelier über die Schulter schauen
7. August 2018 TEXT: 0

Ist er der Grafiker unter den Malern? Enrico Bach bringt großformatige Muster und Strukturen in betörendem Pastell oder schillerndem Schwarz technisch so perfekt auf die Leinwand, dass sie fast wie Computer-Produkte wirken. Aber Bachs Bilder besitzen immer auch etwas geheimnisvoll Dreidimensionales, es gibt viel zu entdecken in den geschichteten Flächen seiner zeitgenössischen Malerei – manch ein Betrachter sieht darin Papierbögen, ein anderer Jalousien oder Bretterverschläge.

Intensiver Entstehungsprozess

Einen Nachmittag lang öffnet der 38-Jährige sein Atelier im Industriegebiet Rheinhafen und zeigt Gemälde, an denen er gerade arbeitet. Das Arrangement aus Rot- und Rosa-Tönen sei schon ziemlich weit gediehen, sagt Enrico Bach, der sich lange mit seinen Bildern beschäftigt. Intensive Zwiegespräche mit dem Werk begleiten den Entstehungsprozess, die Vollendung sei dann ein Bauchgefühl, so der Maler. „Manche Bilder werden zu Feinden, mit denen ich immer wieder ringe, wenn sie zu lieblich oder zu hart geraten. Mit manchen Sachen bin ich heute noch zufrieden. Bei anderen habe ich im Nachhinein den Eindruck, sie zu früh ausgestellt zu haben.“

Enrico Bach in Peking

Viele Besucher kennen sein großes, schwarzes Bild Tetra (Black), das die Staatliche Kunsthalle vor zwei Jahren kaufte und zum Zentrum einer ganzen Gruppe schwarzer Werke verschiedener Künstlern erhob. Als Absolvent der Karlsruher Kunstakademie empfindet er es natürlich als Kompliment, so präsent zu sein. Aber auch im Ausland ist Bachs zeitgenössischer Stil gefragt, momentan wird er in Chinas Hauptstadt Peking ausgestellt. „Es ist allerdings noch nicht so, dass meine Bilder verkauft sind, bevor ich mit dem Malen beginne“, scherzt Enrico Bach und stellt infrage, ob das überhaupt wünschenswert ist – da gehe doch wohl der Drive hinter der Arbeit verloren.

Ein Stil kann sich ändern

Zu seinen geometrischen Mustern und meist kantigen Formen hat Enrico Bach gefunden, seit er vor zehn Jahren die Akademie verlassen hat. Auf einer frischen Leinwand ist noch das engmaschige Raster zu sehen, mit dem er seine streng komponierten Gebilde unterteilt und mithilfe vieler Farbtuben und Spraydosen gestaltet. Ganz selten malt Enrico Bach auch gegenständlich. Der Arm in Heavy-Metal-Pose sollte eigentlich noch geheim bleiben, landete dann aber in der Zeitung. „Ich weiß noch nicht, was daraus wird. Gut möglich, dass es sich noch total verändert“, lacht der gebürtige Leipziger – und gewährt einen schnellen Blick auf das Werk.

Karlsruhe? Total okay!

Ein umgänglicher Typ in Baggy-Shorts und weitem Shirt, der da mit Bierflasche in der Hand lässig im Atelier steht. Natürlich pflege er seinen Instagram-Account selbst. Es befremde ihn immer ein wenig, wenn Künstler seines Jahrgangs schon eigene Sekretärinnen hätten. Auch an seinem Wohnort im eher unhippen Karlsruhe mag Enrico Bach erst mal nichts ändern. „Seit ich Familie habe, finde ich Karlsruhe total okay. Wenn ich ein paar Tage in Berlin war, oder wie neulich in Peking, bin ich heilfroh, diesem Gewusel wieder zu entkommen!“

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