Michael Reich leitet die Regionalgruppe Karlsruhe der Giordano-Bruno-Stiftung Foto: Nina Setzler
Für ein aufgeklärtes Weltbild Abschluss des säkularen Festivals „Sieben Tage sind nicht genug“
10. September 2018 TEXT: 2

Die natürliche, kulturelle und technische Evolution stand im Mittelpunkt des Festivals Sieben Tage sind nicht genug. Den Abschluss bildete am Wochenende im ZKM ein Vortrag über Charles Darwin. Von März bis September hatte die Giordano-Bruno-Stiftung Vorträge, Führungen und Workshops organisiert, die ein aufgeklärtes und säkulares Weltbild vertraten. „Wir haben viel Zuspruch bekommen und hatten gar nicht immer genug Plätze. Offenbar hat unsere Kritik einen Nerv getroffen“, resümiert Michael Reich (Foto), Vorsitzender der Karlsruher Regionalgruppe.

Giordano-Bruno-Stiftung gegen U-Bahn-Kunst

Anlass zu der Reihe gab ein Beschluss des Karlsruher Gemeinderates, Majolika-Kunst von Markus Lüpertz mit Motiven der Schöpfungsgeschichte in die U-Bahnhöfe zu hängen. „Ich möchte Karlsruhe nicht kritisieren. Wie Sie hören, komme ich aus Stuttgart – dort wird noch viel größerer Unsinn gemacht“, erklärt Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas in seinem Vortrag. „Aber über diesen Kreationismus habe ich mich gewundert. Schließlich lebt mit 36,2 Prozent die relative Mehrheit der Menschen in Deutschland religionsfrei.“

Streit über Evolutionstheorie 

In scharfem Kontrast zum Kreationismus, also der Vorstellung, die Welt wurde erschaffen, stehe die Evolutionstheorie, sagt der Referent. Er betrachte sie als die beste Theorie in der Biologie, weil sie das Verständnis des Lebens für immer verändert habe. Darwins Evolutionstheorie sei jedoch kein abgeschlossenes System, über einzelne Aspekte werde immer noch heftig gestritten. Außerdem bedeute Evolution nicht zwingend eine Höherentwicklung, wie die Existenz von Grottenolm oder Bandwurm beweise.

Titelsong von „The Big Bang Theory“

Die 150 Zuhörer des voll besetzten Medientheaters amüsieren sich über den launigen Vortrag, der dem Tenor der Stiftung folgt: Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern eher der Neandertaler von morgen. Am Büchertisch liegen Postkarten mit der Aufschrift „Ich glaub’s ja nicht!! Wir auch nicht …“ aus. Der Physiker-Chor des KIT umrahmt den Abend musikalisch, unter anderem mit dem Titelsong der Kult-Serie „The Big Bang Theory“.

Staatsleistungen an Kirchen

Bereits in Planung ist die Reihe für das nächste Jahr über Staatsleistungen an Kirchen. „Der Artikel der Weimarer Verfassung, dass diese Leistungen abgelöst werden sollen, feiert hundertjähriges Jubiläum“, so Michael Reich. So lange werde er schon ignoriert, pro Jahr zahlen die Länder eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. „Das Problem sind nicht die Glaubensgemeinschaften, sondern die Verflechtung von Staat und Religion“, findet Reich. „Bei Themen wie Sterbehilfe oder Organspende sind vorgestrige Ansichten überrepräsentiert.“

2 Kommentare zu Für ein aufgeklärtes Weltbild

  1. Rüdiger Vaas

    Vielen Dank für den Bericht!
    Eine kleine Ergänzung, den ich wurde missverständlich zitiert.
    Ich sagte vollständig: „Schließlich lebt mit 36,2 Prozent die RELATIVE Mehrheit der Menschen in Deutschland religionsfrei. Jede einzelne Religionsgemeinschaft hat für sich weniger Mitglieder.“
    Die Zahlen findet man hier:
    https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-deutschland-2016

  2. Nina Setzler

    Danke für den Hinweis, Herr Vaas. Die Religionsfreien sind laut Ihrer Erhebung die größte Gruppe, aber nicht in der absoluten Mehrheit. Wir korrigieren das.

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