Sabine Krautwurst und eine Goldrute in Karlsruhe-Neureut Foto: Nina Setzler
„Konstant dranbleiben ist wichtig“ Sabine Krautwurst organisiert Ausflüge zu wuchernden Pflanzen
14. August 2018 TEXT: 0

Der Japanische Staudenknöterich hat sattgrüne, leicht geschwungene Blätter und sieht eigentlich ganz hübsch aus, genau wie das rosafarbene Springkraut oder die Goldrute. Wenn Sabine Krautwurst zu einer ihrer Mitmach-Exkursionen aufbricht, geht es all diesen Pflanzen jedoch an den Kragen, denn als invasive Neophyten wachsen sie exzessiv. „Damit verdrängen sie andere Arten und bringen das natürliche Gleichgewicht durcheinander“, erklärt die PH-Studentin.

Masterarbeit über invasive Neophyten

Sie schreibt im Fach Biodiversität und Umweltbildung ihre Masterarbeit über invasive Neophyten in Karlsruhe, also gebietsfremde, eingewanderte Pflanzen. „Die sorgen für Umweltprobleme, wenn sie sich so stark ausbreiten, dass andere Pflanzen darunter nicht mehr existieren können“, sagt Sabine. Mit ihren Exkursionen besucht sie verschiedene Lebensräume in Karlsruhe, etwa an der Alb, am Alten Flugplatz oder im Wald von Neureut, stellt typische Pflanzen vor und entfernt zusammen mit der Gruppe unerwünschte Neophyten.

Viele kennen die Pflanzen nicht

„Toll wäre es, wenn sich daraus eine Paten-Gruppe entwickelt, die einen Bereich regelmäßig pflegt. So könnte man sehen, wie effizient das Ganze ist – konstant dranbleiben ist bei Neophyten nämlich wichtig“, weiß die 28-Jährige. Für ihre Masterarbeit befragt sie Leute, wie sie die botanischen Eindringlinge wahrnehmen und ob sie mit der Entfernung einverstanden sind. „Viele kennen die Pflanzen nicht, es gibt aber zwei Haltungen: Die einen finden, man soll die Natur in Ruhe lassen. Für die anderen ist Eingreifen zum Schutz des natürlichen Gleichgewichts okay.“

Für ökologische Vielfalt

Sabine findet, dass die Diskussion um eingewanderte Pflanzen manchmal seltsame Auswüchse annimmt: Da fallen dann bisweilen Wörter wie „Pflanzen-Nazi“, und in Sachsen-Anhalt hat sogar schon die AfD versucht, auf das Thema aufzuspringen. „Von der Koordinationsstelle für invasive Neophyten kam natürlich eine klare Absage. Es geht bei der Entfernung ja nicht gegen das Fremde, sondern für den Erhalt ökologischer Vielfalt“, stellt Sabine klar.

Mehr müssten mithelfen

Man solle gebietsfremde Pflanzen nicht generell verteufeln, sondern in ihrem jeweiligen Lebensraum betrachten, sagt die junge Wissenschaftlerin. „Wenn jeder darüber informiert wäre und beim Joggen oder Gassi-Gehen mit dem Hund ein paar Neophyten zurückschneiden würde, wäre viel gewonnen“, glaubt sie. In der Masterarbeit untersucht untersucht sie deshalb auch, inwieweit Laien auf eigene Faust invasive Pflanzen entfernen würden. 

Aktiver Naturschutz

Die nächste Mitmach-Exkursion führt am 18. August zum Holzbierebuckel im Landschaftsschutzgebiet Burgau. „Da kommen auch Leute vom letzten Mal wieder mit. Viele haben keinen eigenen Garten und möchten aktiv zum Naturschutz beitragen, außerdem sitzen wir danach immer noch nett zusammen. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, solche Aktionen auch noch nach meinem Studium weiterzuführen.“

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