Sebastian Winkler und Sarah von Keudell bei der zehnten Karlsruher Lesenacht Foto: Matthias Walz
Mit acht ganz anderen Autoren durch die Karlsruher Lesenacht
1. Oktober 2018 TEXT: 0

Von Horror über Elternratgeber bis hin zu konkreter Poesie reicht die Spannbreite. So unterschiedlich wie die Autoren selbst seien auch ihre literarischen Kostproben, sagt Matthias Walz von der Literarischen Gesellschaft. Eines haben die vier Damen und vier Herren allerdings gemeinsam: ihren Bezug zu Karlsruhe. Petra Reategui ist hier aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren in Köln. „Nach der Schule wollte ich nur raus hier“, verrät sie. Da ihre historisch-biografischen Romane über Friedrich Weinbrenner und Hofmaler Feodor Ivannoff hier spielen, findet sie jedoch in die Heimat zurück. 

Lyrik mit Rap

Lyrik mit Rap-Einflüssen trägt Steffen Reichelt vor, seine Strophen grenzen ans Beatboxing. Er findet aber auch: „Rilke ist eine coole Sau gewesen“ – und interpretiert dessen „Schweigen“ neu. Bewunderung findet Reichelt für Lyrikerin Nora Gomringer, die am 24. November nach Kraichtal kommt. Das kündigt Autor Sebastian Winkler an, der nicht nur selbst dichtet, sondern auch Kurator und Programmleiter der Ursula-Blickle-Stiftung ist. Viel Schmunzeln erntet er mit seinen Wortverdrehungen, die ohne Satzzeichen und in visueller Form gedruckt sind.

Ohne Fachkenntnis zum IT-Job

Toni Elfe ist das Pseudonym einer ukrainischen Managerin, die „Von der Krim nach Deutschland mit 5 Euro“ kam, so der Titel ihres Buchs. Die Zuhörer dürfen wählen zwischen Kindheitserinnerungen aus Osteuropa und dem Kunststück, ohne Fachkenntnis einen IT-Job zu ergattern. „Durch Schweigen, verständnisvolles Nicken und Spiegeltechnik bekam ich das Jobangebot und sah mich schon als Erfinderin der Schweigetechnik“, erklärt Toni Elfe, als die Wahl auf das Business-Thema fällt.

Komplexe Elternprobleme auf der Karlsruher Lesenacht

Um Familien-Management geht es bei Marlene Ottendörfer, die mit Twitter-Episoden über das Chaos mit Kindern einen großen Verlag auf sich aufmerksam machte. „Man bekommt ja so viel zurück“ heißt ihr Buch. „Ja, was bekommt man denn zurück? Tränensäcke, Popel und vollgekritzelte Wände“, seufzt sie. Viel Verständnis ernte sie von anderen Eltern, so die Autorin. Doch angesichts komplexer Problemstellungen von Schlaf-Timing bis Ernährungsterror fragt man sich schon, wie Elternschaft überhaupt jemals gelingen konnte.

Schutzort vor Überrationalität

Klassische Dichtung hat Medizinstudent Wadim Vodovozov im Angebot. Als Schüler mit dem Scheffelpreis ausgezeichnet, gewann er später einen Gedichtwettbewerb bei Bild der Frau. „Ich schreibe, wenn ich Dinge ganz bewusst wahrnehme, zum Beispiel in der Natur. Oder wenn etwas passiert, auf das ich nicht vorbereitet war“, verrät der 27-Jährige. Lyrik sei ein „Schutzort vor der Überrationalität“ für ihn, wobei er auch philosophische Gedanken und natürlich die Liebe thematisiert.

Grusel zum Schluss

Mit ihrer Schauernovelle „Der blaue Tanz“ fügt Simona Turini dem Abend eine weitere Facette hinzu. Das düstere Psychogramm enthüllt nach und nach die Hintergründe des gebeutelten Protagonisten, der zwischen sexuellen Identitäten schwankt und am Ende ein Blutbad anrichtet. Gruselig auch die Zukunftsvision, in die mit sanfter Stimme Buchhändler-Azubi Mathis Geywitz entführt: Künstliche Intelligenzen, die eigentlich geschult werden sollen, bedrohen plötzlich den Menschen.

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