Hinnerk Feldwisch-Drentrup vor der Marien-Apotheke in Karlsruhe Foto: Nina Setzler
„Wer steckt dahinter, wer möchte daran verdienen?“ Karlsruher Medizinjournalist schaut der Gesundheitsbranche auf die Finger
21. August 2018 TEXT: 0

In Deutschland gibt es kaum Magazine, die kontinuierlich Pharmakonzerne und dubiose Heilsversprechen beobachten. Der Karlsruher Medizinjournalist Hinnerk Feldwisch-Drentrup will das ändern und hat mit seiner Hamburger Kollegin Nicola Kuhrt die gemeinnützige Website MedWatch gegründet. Dort wollen sie Quacksalberei und Fake-Meldungen aufdecken und ihnen Fakten und Informationen entgegenstellen.

Quarkwickel als Krebstherapie

„Uns interessiert, welche Therapien im Netz beworben werden, etwa in sozialen Medien“, sagt Hinnerk. „Auf Facebook gibt es viele Gruppen zu den verschiedensten Erkrankungen. In einer Krebsgruppe haben User versucht, einer  Patientin die Chemotherapie auszureden – und als Alternativen Tee und Quarkwickel empfohlen …“ Derart gefährliche Heilsversprechen greifen Hinnerk und seine Kollegin auf und recherchieren, wer mit unseriösen Angeboten Geld verdienen möchte.

Kontinuierliches Crowdfunding

MedWatch befragt Wissenschaftler zu wirksamen Therapien und verfolgt, ob Behörden bei gefährlichen Angeboten einschreiten und ob notfalls Gesetze geändert werden. Um unabhängig arbeiten zu können und die Folgen eines Themas langfristig zu beobachten, setzen Hinnerk und Nicola auf Crowdfunding. „Man kann uns mit 3,50 Euro, 5,50 Euro oder 19,50 Euro monatlich unterstützten. Auf einer Basis von 1500 Euro könnten wir zweimal pro Woche kleinere Artikel und viermal im Jahr eine größere Recherche veröffentlichen“, so Hinnerk.

Medizin-Community teilt Wissen

Prominente Namen wie der Pharmakologe Gerd Glaeske oder Moderator Eckart von Hirschhausen unterstützen MedWatch bereits. Die Gründer wünschen sich, dass die Medizin-Community weiter wächst und ihr Wissen teilt. Diverse Verbraucherschutz-Vereine haben schon für ihre unabhängige Berichterstattung gespendet, momentan laufen Gespräche mit Stiftungen. Auf medwatch.de sind erste Artikel über Homöopathie, Blitzheilungen oder eine Kräuterkundlerin online gegangen.

MedWatch enttarnt irreführende Werbung

Künftig wollen Hinnerk und Nicola mit weiteren Medizinjournalisten zusammenarbeiten und ein Magazin mit diversen Rubriken aufbauen. An Stoff wird es wohl kaum mangeln, kontinuierlich laufen Recherchen zu unwissenschaftlichen und vermutlich wirkungslosen Therapien. „Zum Beispiel  ist der Mythos um Methadon als Krebs-Heilmittel nach wie vor aktuell, dieses Heilsversprechen wurde von einigen Medien extrem hochgekocht. Bisher gibt es aber keine eindeutigen Beweise, dass dadurch Tumore bei Menschen zurückgehen“, weiß Hinnerk.

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