Diana und Jörg Hammer in der Oberländer Weinstube Foto: Oberländer Weinstube
Frischer Wind im Traditionslokal 100 Jahre gibt es die Oberländer Weinstube schon. Am Look hat sich wenig verändert, am Spirit umso mehr
18. Oktober 2018 TEXT: 0

Bilder von bärtigen Männern mit würdevollem Blick hängen an der Wand – der Badische Landtag von 1907. „Abgeordnete kommen immer noch gerne hierher“, verrät Diana Hammer. Auch für Geschäftsleute und den einen oder anderen Verfassungsrichter ist die Oberländer Weinstube ein beliebter Treffpunkt. Allerdings geht es in dem einstigen Sterne-Restaurant heute deutlich lockerer zu als früher.

In der Oberländer Weinstube kennengelernt

„Wir kochen für ein breites Publikum, man muss nicht mehr im Anzug kommen und leise sein. Steifheit ist total out in der Gastronomie, alles ist viel kommunikativer“, sagen die Hammers. Vor 20 Jahren haben sie sich als Angestellte in der Oberländer Weinstube kennenlernten – sie als auszubildende Restaurantfachfrau, er als stellvertretender Küchenchef. Vor fünf Jahren haben sie das Traditionslokal von ihrem damaligen Chef übernommen.

Von Spätzle zum Stern

Dessen Familie, die Rinderspachers, hatte das Haus 1918 erworben und dort ein Restaurant eröffnet. Der erste Küchenchef kam vom schwedischen Königshof, in den 70ern folgte eine bodenständige Phase mit Pfefferlendchen und Spätzle. Gründer-Enkel Peter Rinderspacher hatte irgendwann Ambitionen für mehr und holte einen Küchenchef, der recht schnell einen Stern für das Restaurant erkochte. „Den hat die Oberländer Weinstube fast 20 Jahre behalten“, sagt Diana Hammer.

Haute Cuisine? Nein danke.

Die 38-Jährige und ihr 49-jähriger Mann entschieden sich als neue Betreiber gegen das Sterne-Niveau. „Wir haben zwei Kinder – ich möchte nicht mehr 16 Stunden in der Küche stehen“, sagt Jörg Hammer. Hochwertige, moderne und kreative Küche könne man trotzdem anbieten, und genug zu tun gibt es ohnehin: Ab 9.30 Uhr muss schon der Mittagsbetrieb vorbereitet werden, zudem hat das Paar gleich um die Ecke des Restaurants die Pasta-Location La Prima eröffnet.

Sprossenfenster und Kachelofen

Inhaltlich liegt die Oberländer Weinstube also nah am Zeitgeist. Die Einrichtung in der Akademiestraße 7 sieht jedoch noch aus wie vor hundert Jahren: bemalte Lampen, gemusterte Sitzbänke, Sprossenfenster, Deckengemälde, grüner Kachelofen. Manche Leute fänden das Ambiente verstaubt, verrät die Gastgeberin. „Aber die meisten finden es schön. Wir kriegen sehr viel Zuspruch dafür, dass wir hier die Tradition weiterzuführen!“

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