Fotos: Christine Gustai / Pixelgrün
Die Goldenen Zwanziger in all ihren Farben Ab Juni gibt es Gratis-Führungen durch die Ausstellung „Charleston und Gleichschritt"
27. Mai 2020 TEXT: 0

Grün, rot, blau, gelb und lila sind die fünf Themen-Räume zu Politik, Gesellschaft, Arbeit, Bauen und Kultur. Die Ausstellung Charleston und Gleichschritt – Karlsruhe in der Weimarer Republik im Prinz-Max-Palais zeigt den Besucherinnen und Besuchern zentrale Ereignisse zwischen 1918 und 1933 anhand historischer ­Fo­to­gra­fien, Kleidungsstücke und Objekte.

„Die Jahre der Weimarer Republik gehörten auch in Karlsruhe zu den span­nends­ten und spannungs­reichs­ten Zeiträumen der Stadt­ge­schichte“, erklärt Dr. Ferdinand Leikam, Leiter der Historischen Museen der Stadt Karlsruhe, der am 4. Juni durch die Sonderschau führen wird. So brachte etwa der neu ein­ge­führte Acht-Stunden-Tag vielen Menschen mehr Frei­zeit – wovon damals vor allem die Fußball­ver­eine profitierten.

Auch die Zahl der Schallplatten- und Staubsauger-Besitzer stieg an, da immer mehr Haushalte über einen Stroman­schluss verfügten. Mit dem Rundfunk kam 1923 ein völlig neues Medium auf, zudem gewannen Musikstile wie Jazz und Tänze wie Charleston rasch sehr viele Fans. Die Ausstellung im Stadtmuseum illustriert diese historischen Entwicklungen mit imposanten Originalen wie schimmernden Vinylscheiben oder luftigen Tanz-Kleidchen.

Die Jahre zwischen 1918 und 1933 waren von Aufbrüchen und Krisen geprägt

„In der Frauenmode spiegelten sich gesellschaftliche Verän­de­run­gen: Immer mehr Frauen übten einen Beruf aus, Kleider und Haarschnitte wurden kürzer. Allerdings blieb im häuslichen Bereich und im Erwerbsleben die traditionelle Rollenverteilung weitgehend bestehen“, sagt Ferdinand Leikam, der die Ausstellung „Charleston und Gleichschritt“ kuratiert hat.

Die Aufbrüche in der Weimarer Republik stießen auch auf Missbilligung, weil sie mit tradi­tio­nel­len Wertvor­stel­lun­gen kollidierten. Zudem brachten die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Wirtschafts­kri­se Ende der 1920er-Jahre ­Er­werbs­lo­sig­keit, Inflation und Wohnungs­knappheit. „Viele Menschen wandten sich als Folge der sozialen Not von der demokra­ti­schen ­Staats­ord­nung ab und radikalen Parteien zu, was schließlich zum Aufstieg der Nationalsozialisten und zum Unter­gang ­der Weimarer Republik führte“, so Historiker Leikam.

Schon vor 100 Jahren angespannt: der Karlsruher Wohnungsmarkt

Einige der damaligen Erfolge wirken aber auch noch heute positiv im Stadtbild nach, etwa die Errichtung der Dam­mer­stock-Sied­lung im Stil des „Neuen Bauens“, mit der die Stadt Karlsruhe innovative Ideen vom gesunden Wohnen umsetzen und Wohnraum für die mittleren und unteren Einkommensschichten schaffen wollte.

Der Eintritt in die Ausstellung ist frei (Di u. Fr 10-18 Uhr, Do 10-19 Uhr, Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr), das Begleitprogramm startet am 4. Juni um 18 Uhr mit einer halbstün­di­gen Füh­run­g in klein­er Gruppe (Gesichtsmaske nicht vergessen!). An­mel­dung drei Tage vorher unter stadt­mu­se­um@­kul­tur.karlsruhe.de oder 0721/133-4231.

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