Fotos: Jennifer Warzecha
Flexibel sein ist derzeit Trumpf  Einzelhändlerinnen und Dienstleister über ihr verändertes Geschäft in der Corona-Zeit

Maria Delgado de Arheidt (Foto) fliegt jedes Jahr in ihre Heimat Peru und liefert Schnitte und Ideen an Frauen, die dann Kissen, Taschen und anderes für ihren Shop Avinka nähen. Seit Beginn der Corona-Krise strickt sie vieles selbst, weil sie nicht nach Peru fliegen und ihre Ware abholen konnte. „Ich bin keine gelernte Schneiderin, aber ich kann kreativ sein und finde Lösungen. Flexibilität ist gut in dieser Zeit, in der man nicht genau weiß, was als Nächstes kommt“, sagt Maria, die selbst gemachte, bunte Masken aus Stoff auf Spendenbasis an ihre Kundinnen und Kunden verteilt.

Kleine Geschäfte beliebt

Auf deren Rückhalt kann sie bauen – trotz Hygienekonzept und Abstandsregeln. „Viele haben in größeren Geschäften eher Angst wegen der vielen Menschen. Sie mögen kleinere Läden wie meinen und sind sehr treu“, erklärt die Peruanerin, die seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt. In ihrem Laden in einem historischen Gemäuer in Durlach gibt es neben Textilien auch Schmuck und Accessoires. Im Sommer lief das Geschäft gut, dennoch ist Maria nicht ganz frei von Sorge, wie es insgesamt weitergeht, gibt sie zu.

Simone Hock bietet derzeit keine Feinkost-Tastings an, aber ihre Schlemmer-Pakete gehen gut

Auch bei Feinkost-Händlerin Simone Hock überwiegt die positive Stimmung, wenngleich ein Teil ihres Angebots derzeit auf Eis liegt: die Genuss-Tastings. Viele Kunden seien nun misstrauisch gegenüber fremden Personen und fürchteten, sich bei einer solchen Verköstigung anzustecken. „Deshalb hatte ich zwar Einbußen, weil die Tastings zum Konzept gehören und die Leute oftmals danach etwas gekauft haben, was ihnen gut geschmeckt hat“, sagt die Genuss-Expertin. Doch das Geschäft mit Gewürzen, Käse, Wurst und Wein laufe dennoch gut, seit die Menschen vermehrt zu Hause bleiben.

Picknick-Pakete im Trend

Auch das Format des Picknicks ist dank der Pandemie im Aufwind: Die Kundschaft nimmt gerne ein frisch zusammengestelltes Paket mit verschiedenen Käse- und Wurstsorten, Knabbereien und guten Tropfen mit. „Und im Laden halten sie sich vorbildlich an Abstandsregeln und Maskenpflicht. Wer keine Maske trägt, zieht sich spätestens eine auf, wenn sie mich im Laden damit sehen.“

Im Foto-Studio ist es derzeit leer. Dafür digitalisiert Daniel Kuntze jetzt Bilder und Filme

Daniel Kuntze, Inhaber von FotoFabrik und Diascan Karlsruhe, fragt sich seit den Lockerungen der Ausgangssperre, wo seine alten Kunden bleiben. In normalen Jahren verdient er einen Großteil seiner Einnahmen mit Hochzeits- und Porträt-Fotografie. Dieses Jahr wurden all diese Termine abgesagt. Daniel gibt offen zu, dass er ohne die staatliche Soforthilfe als Unternehmer nicht hätte überleben können. „Momentan muss ich mit 25 Prozent meines Umsatzes auskommen und stemme das Ladengeschäft mit einer Mitarbeiterin, die sich in Kurzarbeit befindet.“

Allerdings hätten in der Corona-Zeit auch viele Menschen altes Bild-Material in irgendwelchen Kartons wiederentdeckt, das sie digitalisieren lassen wollen, so der Fotograf. Deshalb konnte er sein Geschäft trotz aller Einbrüche weiterentwickeln und bietet jetzt neben Film-Scans von Negativfilmen und Bilder-Scans von losen Bildern auch die Digitalisierung von Super-8- und 8-mm-Filmen sowie allen Videoformaten an.

Kundschaft lässt sich keine Zeit

Franchise-Unternehmerin Isabel Andony von Tee Gschwendner hat seit Beginn der Pandemie ebenfalls einige Veränderungen erlebt: Die Kundschaft lässt sich noch nicht wieder so viel Zeit beim Einkaufen wie früher. „Oft ist es ruhig im Geschäft, oder eine Kundin besorgt schnell etwas und ihr Mann wartet derweil draußen. Wir verkaufen zurzeit eher Gewöhnliches wie Schwarz- oder Grüntee, aber keine Zusatzartikel. Unsere Tee-Seminare und Schnupperdosen fallen wegen der Corona-Beschränkungen komplett weg“, erzählt Isabel.

Wie wird das Weihnachtsgeschäft?

Wie sie auf dieser Basis das Weihnachtsgeschäft planen soll, weiß sie noch nicht. „Ich muss schauen, wie sich alles entwickelt. Vielleicht können wir eine Schnellkasse aufbauen, denn in den Tagen vor dem Fest würden die Kunden mit der Abstandsregel sonst wohl vom Europaplatz bis zum Entenfang stehen.“ Den Lieferservice ab 20 Euro möchte die Tee-Unternehmerin in jedem Fall beibehalten. Außerdem kann man ihre Produkte online bestellen und in der Filiale ohne Wartezeit abholen.

Direkter Kontakt mit Maske und bargeldloser Bezahlung: Buchhändlerin Ulrike Langer

Diesen Service bietet auch die Buchhandlung Hoser + Mende an, seit Beginn der Pandemie wird er noch häufiger genutzt. „Viele kaufen dann vor Ort auch noch extra etwas dazu“, berichtet Teamleiterin Ulrike Langer, die heute allerdings deutlich weniger Bargeld und einen Anstieg von kontaktlosen Zahlungen sieht. Der direkte Kontakt im Laden sei in ihrer Branche nach wie vor sehr wichtig.

Bedarf an Büchern gestiegen

„Diejenigen, die sonst seltener oder weniger kaufen, kaufen jetzt häufiger bei uns und wir haben auch neue Kunden dazugewonnen“, betont Ulrike. Der Bedarf an Büchern sei seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gestiegen – und zwar nicht nur zur Kinderbeschäftigung. Es gebe sogar einige unter den Kundinnen und Kunden, die Corona positiv bewerten, weil sie dadurch wieder Zeit für sich und das Lesen gefunden hätten.

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