Foto: Nina Setzler
„Der Körper wehrt sich gegen die Trauer“ Schauspieler Sven Djurovic über das Sandkorn-Stück „Du bist meine Mutter“
3. Juni 2018 TEXT: 0

Er hat Erfahrung darin, schnell von einer Rolle in die andere zu switchen. „Letztes Jahr in ‚Macho Man‘ waren es 12 verschiedene Charaktere auf einmal“, erinnert sich Schauspieler Sven Djurovic. Aktuell verkörpert er zwei Rollen im Ein-Personen-Stück „Du bist meine Mutter“, das gerade im Sandkorn läuft. Darin besucht ein Sohn jeden Sonntag seine an Alzheimer erkrankte Mutter und erlebt stets die gleichen Situationen, weil sie so schnell vergisst.

Geschichte geht tief

„Zu sehen, dass die Mutter immer weniger der Mensch ist, den er von früher kennt, ist wohl das schlimmste für den Sohn“, glaubt Sven Djurovic. Das hat ihn selbst während der Proben am meisten berührt. „Die Geschichte geht tief, ich musste bewusst loslassen, wenn der Text in meinem Kopf immer weiter gerattert hat. Zur Vorstellung versuche ich dann natürlich, wieder in diese Stimmung hineinzukommen – da wehrt sich der Körper manchmal gegen diese Trauer, weil es ihm ja eigentlich gut geht“, erklärt Djurovic.

Stimmungswechsel im Alter

Auch die Zuschauer reagierten zum Teil heftig auf sein Spiel, denn viele hätten im Privatleben schon ähnliche Situationen erlebt, so das häufige Feedback. Von seiner eigenen Großmutter – wenngleich sie nicht unter Alzheimer litt – kennt Sven Djurovic die Stimmungswechsel in Traurigkeit oder Wut, die er im Stück zeigt. „Sie war früher viel unterwegs und dann plötzlich ans Bett gefesselt, während ihr Kopf noch fit war. Das hat sie fertiggemacht.“

Er kann Drama und Comedy

Körperlichkeit spielt auch für Sven Djurovic eine große Rolle: Wenn er Figuren für die Bühne entwickelt, sucht er als Erstes nach Körperhaltungen, bevor Sprache und Stimme dazukommen. Im Gegensatz zur Schwere der aktuellen Rolle war der gebürtige Schweizer früher häufig im komödiantischen Fach aktiv. „Da sind Timing und Handwerk sehr wichtig, die Pointen und Pausen müssen gut gesetzt sein. Beim Drama muss man vor allem fühlen“, findet der 29-Jährige.

Nächstes Projekt wieder mit Rastetter?

Gerade ist er dabei, beide Genres zu einer Comedy mit Tiefgang zu verbinden. „Ich schreibe an einem Solostück, wieder mit verschiedenen Figuren. Dafür wünsche ich mir Erik Rastetter als Regisseur, der auch ‚Du bist meine Mutter’ und ‚Macho Man’ mit mir inszeniert hat. Er lässt mich vieles ausprobieren und schafft es anschließend, mich genau in die richtige Richtung zu lenken“, verrät Sven Djurovic. Gerne möchte Djurovic auch öfter in seiner Schweizer Heimat arbeiten, was zuletzt zeitlich nicht geklappt hat. „Mir wurde eine TV-Rolle auf Berndeutsch angeboten, das hätte ich wahnsinnig gerne gemacht!“

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