Nicole Büttner-Thiel, Nikolay Kolev, Kathryn Myronuk und Steffi Czerny beim DLD Campus in Karlsruhe Foto: Dominik Gigler für DLD
Besseres Netz für europäische Digitalunion Erste Karlsruher DLD-Konferenz stellt Zukunftsthemen zur Diskussion
3. Juli 2018 TEXT: 0

Ausgerechnet EU-Kommissar Günther Oettinger haben wir es zu verdanken, dass die Innovationskonferenz von Hubert Burda Media nun auch in Karlsruhe stattfindet. „Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass digitaler Wandel nicht nur in Metropolen geschieht“, sagt Konferenz-Gründerin Steffi Czerny zur Eröffnung der DLD Campus im ZKM. „In Karlsruhe gibt es ein dynamisches Ökosystem aus Unternehmergeist, Plattformkompetenz und Know-how, das die drei DLD-Kernthemen vereint: Digital, Life and Design.“

Karlsruhes Beitrag zur digitalen Wertschöpfung

Zur Premiere ist dann auch der geistige Vater angereist: Karlsruhe sei viel kreativer, als man in Europa weiß, sagt Oettinger vor 250 Teilnehmern. Er freue sich, dass die Stadt zur digitalen Wertschöpfung einen entscheidenden Beitrag leiste: „Europa wird aber nie ein Silicon Valley haben, denn hier gibt es zu viele Zentren. Deshalb spielt die Vernetzung eine große Rolle!“ Und das gelte nicht nur für die 28 Mitgliedsstaaten, sondern auch für das Handy-Netz. „Diese Funklöcher an Grenzen und auf Autobahnen dürfen ja wohl nicht wahr sein! 5G ist die Zukunft mobiler Kommunikation. Wir brauchen eine europäische Digitalunion“, findet der EU-Kommissar.

Roboter übernehmen den Haushalt

Wie humanoide Roboter die Lebensqualität der Menschen verbessern, indem sie zum Arbeiten im Haushalt übernehmen, erforscht KIT-Professor Tamim Asfour. „Die Roboter sollen aus Beobachtung lernen, damit wollen wir Programmiersprache überflüssig machen“, erklärt er. Mit der weltweit größten Bewegungsdatenbank stellt man sich am KIT sogar Maschinen vor, die als Tanzlehrer oder in der Altenpflege arbeiten. Klar, dass die unangenehmen Fragen von Internet-Kritiker Andrew Keen nicht ausbleiben. Er stellt zur Debatte, was wohl passiert, wenn wir demnächst alle arbeitslos werden.

Hin zu mehr Persönlichkeit

Über die Arbeit der Zukunft sprechen auch Digital-Unternehmerin Nicole-Büttner-Thiel, Nikolay Kolev von Deloitte und Kathryn Myronuk von der Singularity University. „Die Bedeutung der Arbeit hat sich gewandelt, wir entfernen uns von der Standarisierung hin zu mehr Persönlichkeit“, erklärt Büttner-Thiel. Kolev ergänzt: „Früher wurde man nach Dienstjahren befördert. Heute bekommen viele junge, talentierte Leute ihre Chance.“ Man müsse sich allerdings vom Anspruch auf 120-prozentige Perfektion lösen.

DLD-Credo: Mit disruptiven Ereignissen umgehen

„Mehr Agilität und Wagniskultur in Wissenschaft und Gesellschaft“, fordert Marion Weissenberger-Eibl vom Fraunhofer Institut im Panel. „Nur so können wir mit disruptiven Ereignissen umgehen, die alles verändern. Für die digitale Transformation gibt es keine Standardlösung.“ Darauf hatte Gastgeberin Steffi Czerny bereits in ihrer Begrüßung hingewiesen: „Nichts verläuft linear, jede Technik kann von heute auf morgen veraltet sein. Deshalb müssen wir jeden Tag darüber nachdenken, was Wandel für uns bedeutet.“ DLD Campus beherzigte dieses Credo mit Gesprächen und Vorträgen zu Sicherheit, Kryptografie, Mobile Payment und Digital Twins.

Das Lufttaxi kommt

Dass die Mobilität der Zukunft auch für den Durchschnittsverbraucher in der Luft liegen könnte, zeigte Stefan Klocke bei seiner Präsentation des Volocopters. Diese Riesendrohne mit Sitzplatz könnte bereits in fünf Jahren zur Verkehrsinfrastruktur gehören. „Das Schöne ist, dass jeder von Ihnen sofort damit fliegen kann. Er ist das derzeit sicherste Fluggerät“, so der Startup-Vorstand. Eine weitere Überraschung: Ein Flug wird nur 30 Prozent teurer als eine Taxifahrt sein. In einigen Jahren könnten die ersten Lufttaxis über Karlsruhe aufsteigen …

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