Das Triater des KIT hat Brechts Dreigroschenoper einstudiert Foto: Manuel Balzer
„Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht“ Studierende des KIT brillieren mit Brechts sozialkritischer „Dreigroschenoper"
16. Juli 2018 TEXT: 0

Die studentische Theatergruppe Triater stellt pro Jahr eine große Produktion mit Schauspiel, Musik und Gesang auf die Beine. Ihr aktuelles Programm, die Dreigroschenoper, ist in dieser Woche mit zwei letzten Aufführungen zu sehen. Passend zum 90-jährigen Jubiläum der Uraufführung werden das Theaterstück von Bertold Brecht und die weltbekannte Musik von Kurt Weill mit wunderbaren Darstellern interpretiert. Man merkt, dass Sophia Müller (Polly Peachum) oder Wilhelm Pfaff (Jonathan Peachum) laut dem künstlerischen Leiter Zacharias Heck schon reichlich Gesangserfahrung haben.

Wunderbare Stimmen

Punktgenau und herrlich zickig singt Müller das „Eifersuchtsduett“ mit Konkurrentin Lucy (Jessica Lebherz). Pfaff trägt das Stückals gewiefter Bettlerkönig über weite Strecken,  zum Beispiel im Duett mit Frau und Tochter: „Natürlich hab ich leider recht/die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht“. Wunderbar bei (Reibeisen-)Stimme ist die alkoholbegeisterte Mutter Peachum (Samira Dahl). Mit giftgrünem Lidschatten und verkniffenem Mund versucht sie, ihre Tochter zum Verehrer hin- und dann wieder wegzulotsen, als sie erfährt, dass es Macheath (Jannis Wulle) ist.

Kurzweiliger Dreistünder

Der dominiert auf darstellerischer Ebene das Geschehen, was sich einerseits aus der Rolle ergibt, andererseits aus seiner frischen Bühnen-Präsenz. Bärig-sympathisch Herbert Ullrich als Polizeichef Tiger Brown, Laurina Xanthopolus gibt nicht nur bei der Tango-Einlage eine geheimnisvolle Hure Jenny. Abgesehen vom unklimatisierten Festsaal fällt die dreistündige „Dreigroschenoper“ (inklusive Pause) sehr kurzweilig aus, was nicht zuletzt der Live-Band (Musikalische Leitung: Moritz Machatschek) zu verdanken ist. 

Zwischendurch ein Rollenwechsel

Die jungen Musiker wechseln die Rollen, treten zwischen den bewusst schiefen Stücken von Weill als Bettler oder Huren auf. Jeder darf offenbar tun, worauf er Lust hat, vorausgesetzt, er macht es gut. Das komplett selbst gemalte und gebaute Bühnenbild wird nonchalant und mit vereinten Kräften des gut 25-köpfigen Teams während der musikalischen Parts auf- und abgebaut.

0 Kommentare zu „Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.