Fotos: Alexander Limbach/Adobe Stock, Memorium Nürnberger Prozesse, Joe Miletzki, Marcus Dischinger
„Eine Dauerausstellung kann es nicht sein“ Das Forum Recht soll seine Inhalte im Dialog mit der Bevölkerung erarbeiten

2019 gründete der Deutsche Bundestag die Stiftung Forum Recht mit künftigen Standorten in Karlsruhe und Leipzig, derzeit werden die Strukturen aufgebaut. Anlässlich des Arbeitsbeginns des Direktoriums als drittes Organ (neben dem Kuratorium und dem Beirat) stellte sich die Stiftung nun in vollständiger Besetzung der Öffentlichkeit vor.

Thema Recht für eine breite Masse

Das geplante Forum Recht hat das Potenzial, zum Anziehungspunkt für Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus zu werden. Die frisch ernannte Direktorin Henrike Claussen, die seit vier Wochen in Karlsruhe agiert, hat zwar noch keine konkrete Vorstellung davon, wie das Forum funktionieren könnte. Aber sie hat viele Ideen, wie man das komplexe Thema Recht für eine breite Masse transportieren kann.

🇩🇪 🇬🇧 (German and English version available)Wir können es noch gar nicht so richtig glauben… 😩Nach 13 Jahren…

Gepostet von Memorium Nürnberger Prozesse / Memorium Nuremberg Trials am Dienstag, 15. September 2020

 

„Es ist ein spannendes und aufregendes Projekt, was wir hier vorantreiben dürfen“, so die Historikerin auf einer Pressekonferenz am Montagmittag. Zum Direktorium zählt auch ihr Stellvertreter Stefan Barthelmess, der zuvor kaufmännischer Leiter der Kunsthalle Mannheim war. Direktorin Claussen kommt aus Nürnberg, sie leitete fünf Jahre lang das Memorium Nürnberger Prozesse.

Weit mehr als eine Ausstellung

In Karlsruhe plane man weit mehr als eine Ausstellung: „Wir müssen uns für eine bestimmte Perspektive und einen Zugang entscheiden, die Menschen abholen und aktuelle Fragestellungen berücksichtigen“, findet Claussen. „Eine Dauerausstellung, die für zehn oder 20 Jahre unverändert zu sehen ist, kann es nicht sein“. Hätte das Forum Recht heute bereits geöffnet, würde man mit den Besucherinnen und Besuchern wohl das Thema Corona rauf und runter diskutieren.

Im Park des Bundesgerichtshofs soll der Neubau für das Forum Recht entstehen

Während Strukturen und Inhalte momentan aufgebaut werden, existieren noch keine Pläne für ein Gebäude. „Was wir im Forum Recht später inhaltlich anbieten wollen, hat auch Auswirkungen auf das Gebäude“, erklärt Henrike Claussen. Der Karlsruher Gemeinderat hat sich vor wenigen Wochen für den Standort auf dem Gelände des Bundesgerichtshofs an der Ecke von Kriegs- und Karlstraße ausgesprochen. Ein Architektenwettbewerb soll dafür sorgen, dass ein ambitionierter Bau entsteht. Bis 2030 könnte das Forum dann eröffnet werden.

Ein bisschen Neid auf Leipzig?

Und dann ist da noch der Leipziger Standort des Forum Recht. Während manche Karlsruher in ihm eine Konkurrenzveranstaltung sehen, sieht Claussen darin eine Chance. „Wir können in zwei Häusern zwei Mal einen unterschiedlichen Zugang festlegen, das ist ein großer Luxus“, glaubt sie. Allerdings bekommt eine mögliche Neiddebatte durch Äußerungen eines prominenten Kuratoriumsmitglieds wieder Futter:

Nach der Tagung des Kuratoriums des Forum Recht fütterte Renate Künast (links) die Neiddebatte um den zweiten Standort

Bundestagsabgeordnete Renate Künast (Grüne) sagt vor der Presse, der Leipziger Standort sei insofern attraktiv, als dass er besser an den Zugfernverkehr angeschlossen sei. Oberbürgermeister Frank Mentrup, ebenfalls Kuratoriumsmitglied, zuckt kurz. Denn wenn sich Karlsruhe einer Sache rühmt, dann seiner guten Anbindung an das Verkehrsnetz. Der OB schüttelt also den Kopf, verzichtet aber in diesem Moment auf Widerspruch.

Trotz Corona: Formate zur Mitgestaltung

Der Gedanke liegt nah, dass die größere Stadt Leipzig mehr Anreize für einen Städtetrip bietet, bei dem eben auch das Forum Recht Teil des Programms ist. Doch spannend bleibt, welchen Fokus die beiden Häuser jeweils legen werden. Claussen und Barthelmess wollen trotz aller Corona-Beschränkungen in den kommenden Wochen und Monaten Formate entwickeln, um die Bevölkerung in den Findungsprozess einzubeziehen.

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