Fotos: Stiftung Forum Recht/ Fabry (3), Stiftung Forum Recht (1)
Forum Recht soll in diesem Jahr wachsen Direktorin Henrike Claussen sucht neue Mitarbeitende für das Gründungsteam

Seit vergangenem Jahr baut Henrike Claussen als Direktorin der „Stiftung Forum Recht“ das Forum Recht auf, das in einem Neubau in Karlsruhe und einem weiteren Standort in Leipzig das Thema Recht in neuer Form präsentieren soll. Warum? Um Recht als politische, gesellschaftliche und kulturelle Kraft in Deutschland und Europa zu stärken.

Rechtsthemen öffentlich diskutieren

Rechtsstaatlichkeit ist aktuell in höherem Maß bedroht, sagt Henrike Claussen. „Schauen sie nach Polen oder Ungarn.“ Aber auch im eigenen Land findet sie Anknüpfungspunkte, etwa bei den aktuellen Corona-Maßnahmen. „Die Haltungen zu solchen Themen wollen wir in der breiten Öffentlichkeit diskutieren – und zwar keinesfalls mit erhobenem Zeigefinger!“

Henrike Claussen leitet im Forum Recht ein Team aus bisher sieben Mitarbeitenden

Um zu verhindern, dass das Forum Recht eine Angelegenheit für Jura-Experten wird, will sie das Projekt multiperspektivisch angehen und Brücken zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen bauen. Dennoch braucht es auch die Experten, von denen es in Karlsruhe einige gibt. „Ich sehe hier unglaublich viel Unterstützung für dieses Projekt“.

Menschen sollen ihre Haltung hinterfragen

Was die Vermittlungsformen angeht, ist im Forum Recht ein Museumsbereich geplant. Auch persönliche Geschichten von Menschen sollen eine wichtige Rolle spielen. Die konzeptionelle Grundfrage lautet, was Besucher aus dem Forum Recht mit nach Hause nehmen. „Ich sehe unsere Arbeit aber nicht darin, Antworten zu geben. Die Menschen sollen hier aktiviert werden und ihre Haltung hinterfragen können – es soll ‚klick machen'“, erklärt Henrike Claussen.

Als Historikerin mit Schwerpunkten in der Rechtsgeschichte und der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts sieht sie sich für die Leitung des Aufbau-Teams gut gewappnet. „Mein Hintergrund hilft, mit Distanz auf Dinge zu schauen und etablierte Bilder infrage zu stellen.“ Seit 2007 hat sie im Memorium Nürnberger Prozesse gearbeitet, zuletzt als dessen Leiterin.

Recht in all seinen Facetten

An dem Ort, an dem Nazigrößen und Kriegsverbrecher wie Hermann Göring, Rudolf Heß oder Wilhelm Keitel vor Gericht standen, bestand die Herausforderung darin, Rechtsvermittlung und deren kulturelle Bedeutung immer im Zusammenhang mit dem Thema des Nationalsozialismus zu transportieren. Deshalb freut sich Henrike Claussen, in ihrem aktuellen Job das Thema Recht in allen Facetten und mit einer gewissen Leichtigkeit angehen zu können.

Im Park des Bundesgerichtshofs (rote Markierung) soll das Gebäude für das Forum Recht entstehen

Bis die ersten Besucher und Besucherinnen ins Forum Recht kommen können, ist es noch ein weiter Weg, das weiß auch die Direktorin. Gleichzeitig ist es für sie ein Traumjob, mit einem weißen Blatt Papier in den Aufbau starten zu können. Sich inhaltlich und konzeptionell zu überlegen, wie sich die Themen Recht, Rechtsstaat, Demokratie oder Meinungsfreiheit ansprechend präsentieren lassen. „Wir fangen bei Null an“, sagt Henrike Claussen.

20-köpfiges Team bis Ende des Jahres

Am Beginn steht der Organisationsaufbau: Das Team soll von anfangs zwei bis Ende des Jahres auf über 20 Personen wachsen. Den ersten Umzug vom Alten Schlachthof-Gelände in ein größeres Domizil in der Karlstraße 22, ganz in die Nähe des künftigen Standorts auf dem Gelände des Bundesgerichtshofs, liegt bereits hinter dem Forum Recht.

Dr. Stephan N. Barthelmess wird sich als stellvertretender Direktor um den Bau des Forum Recht kümmern

Bis jetzt gehören sieben Personen zum Team, etwa Henrike Claussens Stellvertreter Dr. Stephan N. Barthelmess: Der langjährige Kulturmanager ist studierter Cellist, Philosoph und Kunstgeschichtler und war zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer der Kunsthalle Mannheim. In seiner Promotion erforschte er die architektonischen Aufgaben von Museen. Da passt es, dass er sich beim Forum Recht um alle Fragen des Baus und seinen späteren Betrieb kümmern wird.

Vernetzung mit Institutionen und Partnern

Außerdem ist Franziska Grethe als Referentin des Direktoriums mit an Bord. Die Juristin war zuvor als Arbeitsrechtlerin tätig und unterstützte des Forum Recht bereits 2018 im Vorstadium als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Derzeit rekrutieren Henrike Claussen und ihr Team weiteres Personal und wollen vernetzen sich mit Institutionen und möglichen Kooperationspartnern. Das ist notwendig, um überhaupt voranzukommen – baulich wie konzeptionell.

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