Die Konzertfotografinnen Kirsten Bohlig, Elisa Reznicek und Bernadette Fink bei der Eröffnung ihrer Ausstellung. Foto: Timo Bohlig
Konzertfotografinnen im Kohi Kirsten Bohlig, Bernadette Fink und Elisa Reznicek fragen nach dem weiblichen Blick
9. Juli 2018 TEXT: 0

Wenn in Karlsruhe eine Band auf der Bühne performt, fängt garantiert eine von ihnen das Geschehen ein: Kirsten Bohlig, Bernadette Fink und Elisa Reznicek sind als Konzertfotografinnen in den Clubs und Hallen der Stadt unterwegs. Im Kulturraum Kohi läuft gerade ihre erste gemeinsame Foto-Ausstellung „Der weibliche Blick“ – am 12. Juli ist feierliche Midissage.

Konzertfotografinnen in der Unterzahl

Die Drei zeigen eine Auswahl ihrer Bilder aus den letzten Jahren. Elisa Reznicek erwischte unter anderem Tocotronic im Tollhaus, Kirsten Bohlig fing mit ihrer Linse Gitarrist Kosho beim großen Festival in der Günther-Klotz-Anlage ein und Bernadette Fink dokumentierte die Show „Boybands forever“ in der Schwarzwaldhalle. „Die Idee zu dieser Ausstellung entstand aus der Beobachtung heraus, dass es im Fotograben deutlich mehr männliche als weibliche Fotografen gibt“, erklärt Elisa Reznicek. 

Chemie zwischen Band und Publikum

„Beim Fotografieren frage ich mich, wie die Musik in Körperhaltung und Mimik sichtbar wird. Oder was der Künstler von seiner Persönlichkeit preisgibt“, beschreibt Bernadette Fink. Auf die Chemie zwischen Band und Publikum fokussiert Elisa Reznicek – „auch wenn ich mich als Pressefotografin oft in den engen Schranken der Drei-Lieder-ohne-Blitz-Regel bewegen muss“, sagt die freie Journalistin, die ihre Eindrücke von den Konzerten nicht nur in Bildern, sondern auch in Texten festhält.

Schauen Frauen anders hin?

Mit ihrer Schau möchten Bohlig, Fink und Reznicek keine Gender-Klischees bedienen, aber durchaus zum Nachdenken anregen: Gibt es einen weiblichen Blick durch die Kamera, der sich von dem der Männer unterscheidet? Ein Unterschied könnte in der Auswahl des Motivs liegen. „Ich suche nach ausdrucksstarken Bildern, würde aber nie ein Foto veröffentlichen, das der dargestellten Person nicht gerecht wird oder sogar verletzend ist“, sagt Bernadette Fink. Die hauptberufliche Stadtplanerin fotografiert für das Portal Ka-news.de, das Tollhaus sowie für andere Medien und Veranstalter der Region.

Nähe zu den Künstlern

Während einer Live-Show wartet auch Kirsten Bohlig auf den Moment, der das besondere Motiv hervorbringt. Normalerweise ohne Auftrag fotografierend, hat sie eine Serie von Schwarz-Weiß-Bildern zur Ausstellung beigesteuert, die einige Betrachter als mutig und künstlerisch bezeichnen. „Dieses aufmerksame Sehen ist ein Versenken in die Umgebung, dabei entsteht eine Nähe zu den Künstlern, die Stimmung im Publikum wird spürbar“, sagt Bohlig, die neben der Fotografie auch Web- und Grafikdesign beherrscht. Gespür für Details, Empathie, Flexibilität – sind das also schon die „Frauenperspektiven“?

Viel Positives Feedback

„Unsere Vernissage war eine der am besten besuchten im Kohi bisher, uns ist zwischendrin sogar der Sekt ausgegangen“, verrät Elisa Reznicek. In vielen Gesprächen haben die Konzertfotografinnen vor allem positives Feedback für ihre Arbeit bekommen – um das Gender-Thema ging es dabei nur am Rand. „Die Annahme, dass sich Unterschiede eher nicht durch das Geschlecht begründen lassen, scheint bestätigt“, sagt Kirsten Bohlig. Einem Besucher passte der Titel „Der weibliche Blick“ allerdings nicht, er kündigte prompt eine Ausstellung zum männlichen Blick an. „Gerne! Wir sind gespannt“, sagt Bernadette Fink. „Vor allem, weil der männliche Blick in der Fotografie oft mit einem bestimmten Blick auf Frauen gleichgesetzt wird. Ein Vorurteil?“

Foto-Ausstellung „Der weibliche Blick“: Midissage am 12. Juli , bis Ende August während der Veranstaltungen im Kohi und auf Anfrage an kunst@kohi.de 

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