Fotos: Marcus Dischinger
Muss die Kunst bald wieder weg? Beim Kulturfrühstück sprachen Karlsruher Kulturschaffende über Corona-Beschränkungen

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Lage für Kulturschaffende ist heute schon schwierig. Beim Blick auf steigende Infektionszahlen stellt sich die Frage: Ist das Kunst oder muss das bald wieder weg? Beim Kulturfrühstück, einem Format des städtischen Kulturamtes, kann jede und jeder aus dem Kulturbetrieb beschreiben, wie es um die Branche bestellt ist.

Im Café Grundrechte diskutierten u.a. Dr. Susanne Asche, Claus Temps, Markus Wiersch und Citymanager Frank Theurer (v.l.)

Bücherschau-Macherin Reinhilde Rösch (großes Foto oben) sagte bei dem Event vergangenen Freitag im Café Grundrechte: „Wir mussten die Verlage regelrecht dazu bringen, zu kommen.“ Nach wie vor soll der jährliche Klassiker am Rondellplatz stattfinden, das Hygienekonzept sieht vor, dass nur 150 Menschen gleichzeitig hinein dürfen. „Wir planen erst einmal weiter, als ob nichts wäre. Bei der Besucherzahl würden wir auch noch auf 100 Personen heruntergehen“, so die Veranstalterin mit Blick auf mögliche Vorgaben der Behörden. Man müsse aber damit rechnen, dass die Bücherschau kurzfristig abgesagt wird. Dann bliebe ein hoher finanzieller Verlust, beispielsweise seien mit den Autorinnen und Autoren Ausfallhonorare vereinbart.

Sängerinnen und Sänger weit verteilt

Je näher die Adventszeit und Weihnachten rücken, desto mehr geraten normalerweise Musik und Gesang in den Fokus der Kulturveranstalter: Orchester, Chöre, Kapellen und Bands haben in den Wochen vor dem Fest Hochkonjunktur. Und zwar in Hallen, Kirchen und Sälen. So richtig planbar ist das Ganze also derzeit nicht, manche tun es trotzdem.

Zum Beispiel der Kantor an der Christuskirche, Peter Gortner. Am 22. November will er in der Kirche am Mühlburger Tor das unvollendete Mozart-Requiem in d-Moll zur Aufführung bringen – mit Chor und Orchester an unterschiedlichen Orten! Letzterer soll aus dem Helmholtz-Gymnasium digital und per Leinwand in die Kirche zugeschaltet werden. Allerdings hat der Kantor aufgrund der steigenden Zahlen Bedenken, ob das Event überhaupt stattfinden kann.

Dennoch sei die Motivation im Chor hoch, sagt er. Es tue der Gruppe gut zu proben – auch wenn derzeit alle Sängerinnen und Sänger in der ganzen Kirche und auf den Emporen verteilt stünden.

Gloria Schmid vom Organisationsteam des weihnachtlichen Designmarkts „Lametta“ steckt mitten in den Vorbereitungen

So wie Gortner geht es derzeit vielen im Kulturbetrieb: Sie überlegen sich Konzepte und planen Events – um möglicherweise am nächsten Tag alles wieder über den Haufen werfen zu müssen. Auch Gloria Schmid vom Organisationsteam des Kunst- und Designmarkts Lametta, einer sehr beliebten Veranstaltung im Advent. „Wir planen und machen derzeit noch und haben allein daran schon Spaß und Freude“, sagt sie. Das Hygienekonzept ist gerade nochmals angepasst worden. Sollte das Wochenende im Tollhaus nicht stattfinden können, dann sei das eben so.

Weihnachtsmärchen fällt aus

Im Staatstheater Karlsruhe wurden zahlreiche Aufführungen des Weihnachtsmärchens gestrichen. Dieses Format sorgt sonst wochenlang für ausverkaufte Vorstellungen und lockt Schulklassen aus Karlsruhe und der Region ins Theater. In diesem Jahr sind allerdings sämtliche externen Schulveranstaltungen verboten. „Wir haben das Stück für die kommende Saison gleich wieder auf den Spielplan gesetzt“, berichtet Chefdramaturgin Sonja Walter. „Zum einen, um die Nachfrage decken zu können und zum anderen, um den Schulklassen im kommenden Jahr Gelegenheit zu geben, das Stück doch noch zu sehen.“

„Das Fest“-Projektleiter Markus Wiersch von gibt einen Ausblick auf 2021

Klar ist allen Kulturtreibenden an diesem Vormittag im Café Grundrechte: Die Kulturveranstaltungen der kommenden Wochen oder Monate in vorauseilendem Gehorsam abzusagen, kann nicht die Lösung sein. Aber die Angst davor, dass wie im März ein kompletter Kulturstopp verhängt wird, ist dennoch groß. „So weit darf es nicht mehr kommen“, sagt Kulturamtsleiterin Susanne Asche. „Das darf einfach nicht mehr passieren.“

„Das Fest“ in mehreren kleinen Konzerten?

„Wir bleiben zuversichtlich“, betont Markus Wiersch von der Karlsruher Marketing- und Event, die eine Vielzahl von Veranstaltungen in Karlsruhe verantwortet. Er und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit einem Zeit-Horizont von zehn Jahren und planen mehrere Zukünfte, erzählt er.

Dafür brauche es Flexibilität und man müsse trotz der Langzeitplanung auf Sicht fahren. Beim KME-Aushängeschild Das Fest bekomme man künftig keine 40.000 Leute mehr bespielt, das sei illusorisch. Stattdessen seien mehrere kleine Events denkbar, zum Beispiel fünf bis sechs Bühnen in der Stadt. „Dann bringen wir Kunst und Kultur eben zu den Menschen“, sagt der Projektleiter.

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