Foto: Robert Fuge
„Langsam werde ich ungeduldig!“ Podiumsdiskussion thematisierte die Situation von Frauen in der Filmbranche
18. April 2018 TEXT: 0

Zu Beginn der Independent Days diskutieren Brancheninsider in der Schauburg das Phänomen, dass in audiovisuellen Medien immer noch Männer die Welt erklären. „Frauen erscheinen vor allem in sexualisierter Form, nicht als Expertinnen. Da frage ich mich: Möchten wir Frauen das nicht wahrhaben?“, sagt Kinemathek-Geschäftsführerin Christine Reeh-Peters. SWR-Filmredakteurin Katharina Dufner findet, man müsse alte Rollenverteilungen aufbrechen und neue Arbeitsaufteilungen erreichen. „Es befinden sich einfach viele Männer in verantwortungsvollen Positionen. Im Fernsehen wird die Welt nicht so dargestellt, wie sie ist, sondern wie man sie sich vielleicht wünscht.“

Mehr weibliche Zuschauer

Grundlage der Diskussion bildet eine Studie der Stiftung „MaLisa“ von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter, die die Geschlechter-Darstellung in Film und Fernsehen untersuchen ließ. Ergebnis: Frauen sind deutlich unterrepräsentiert, und je älter sie sind, desto seltener sind sie zu sehen. „Dabei gibt es mehr weibliche Zuschauer“, weiß Carl Bergengruen, Geschäftsführer der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Doch nur 30 Prozent aller Einreichungen, die sich dort um eine Förderung bewerben, kämen von Frauen.

Männer in Schlüsselpositionen

Tatjana Turanskyj, Mitbegründerin des für Gleichstellung kämpfenden Gremiums ‚ProQuote Regie/Film‘ berichtet von etlichen preisgekrönten Drehbüchern weiblicher Autorinnen, die anschließend niemand produziert. „Die Redaktionen in Verantwortung müssen schauen, ob sie Gender-Konzepte oder Schulungen brauchen. Ich denke, da wird viel passieren!“ Ines Müller-Hansen, Professorin für Kultur-Media-Technologie an der Hochschule Karlsruhe, überrascht die Erkenntnis wenig, dass Männer in den meisten kreativen Schlüsselpositionen der deutschen Filmbranche arbeiten: „Ich gucke seit 45 Jahren fern, es hat sich nichts geändert. Langsam werde ich ungeduldig – ich dachte früher, wenn ich groß bin, ist das alles vorbei. Frauen können es genauso, ihre Stoffe sind alle da. Sie dürfen nur nicht. Es ist ein Machtproblem.“

Quote für die Filmwirtschaft?

Daher solle eine Quote die Macht der Männer in der Filmwirtschaft durchbrechen, fordert die gelernte Kamerafrau und zitiert BGH-Präsidentin Bettina Limperg, die Selbiges für alle Unternehmen fordert. Carl Bergengruen sagt, die Filmförderung geschehe im selben Geschlechter-Verhältnis, wie die Einreichungen. Man hätte ein Bewusstsein für das Ungleichgewicht entwickelt, wolle aber bisher keine starre Quote einführen. Tatjana Turanskyj  pocht dennoch darauf: „Letztendlich ist die Quote auch nur ein Gesetz. Und in Deutschland hat sich noch nie etwas geändert, außer durch ein Gesetz!“

0 Kommentare zu „Langsam werde ich ungeduldig!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.