Foto: Nina Setzler
Loop meets Lesung Inga Brock und Markus Kehle mit musikalisch untermalten Kurzgeschichten im Kohi
8. Mai 2018 TEXT: 0

Ein abwechslungsreiches Format wählen Inga Brock und Matthias Kehle im Kulturraum Kohi: Abwechselnd tragen sie Kurzgeschichten vor – sie aus ihrem Debüt „Unklare Verhältnisse“, er aus seinem mittlerweile 22. Band „Die letzte Nacht“ – anschließend folgt je ein Stück von Sängerin Sarah Lipfert, die auf einer Loop-Machine Tonspuren aufnimmt, diese übereinanderlegt und so die Texte der Autoren in Musik transformiert. 

Tipps vom Kenner

„Wir kennen uns schon ewig, aber nicht so richtig. Als mein Buch fertig war, habe ich Matthias nach Tipps für Lesungen gefragt“, erzählt Inga Brock, die auch als Song-Texterin (zum Beispiel für Sandie Wollasch) arbeitet und einst in Karlsruhe zur Redakteurin ausgebildet wurde. Schriftsteller Kehle half gern und war begeistert von ihren Storys, beim gemeinsamen Auftritt harmonieren die beiden gut, gerade weil sie so unterschiedlich schreiben:

Komik und Abgründe

Ein Händchen für skurrile und geheimnisvolle Charaktere haben sie beide, aber während Kehle mit einem Vater, der in den unmöglichsten Situationen wie ein Hahn kräht, für absurde Komik und zahlreiche Nachfragen nach dem Wahrheitsgehalt seiner Geschichten sorgt, zeichnet Inga Brock in bündigen Sätzen Charaktere, hinter denen stets ein Abgrund zu lauern scheint: Sohn Cornelius etwa, der seine Mutter nicht nur für die Mitteilung hasst, er sei „mittlerweile völlig autark“ – sondern auch für alles andere, das sie sagt, tut oder trägt.

Kontrastreiche Kurzgeschichten

Auch bei der vor Sprachgefühl schillernden Beschreibung der schönen Vera, die mit einem von zahlreichen Lebensabschnittsgefährten in eine hysterische Reisegruppe aus Schildkröten-Beobachtern gerät, bleibt dem Hörer das Schmunzeln eher im Hals stecken. Als Kontrast kommt Kehle mit dem ulkigen Wesen einer Nachbarin namens Elisabeth Theresia Martuljek, einer Art verhinderten Adligen („sie residierte mit herrischer Anmut und wenig Grazie“), über die in der Bewohnerschaft wilde Gerüchte kursieren.

Piefiges Rüppurr der Nachkriegszeit

Oder mit seiner „Tante im Bett“, die sich ausschweifend an schräge Liebesgeschichten im piefigen Rüppurr der Nachkriegszeit erinnert. Am Ende des Abends steht dann noch eine spontane Premiere: Beim Format „Loop meets Lesung“ verschmelzen Sarah Lipferts Sounds mit Matthias Kehles gelesenen Versen des Gedichts „Rastplatz, Anfang März“: „Wir kommen von weit her/der Sommer gilt noch/vom vergangenen Jahr.“

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