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Schuld sind nicht allein die Baustellen Stadtentwicklungsfirma untersucht Zukunftsfähigkeit der Innenstadt
8. Mai 2018 TEXT: 0

Wie gut ist der Einzelhandelsstandort Karlsruhe für die Zukunft aufgestellt? Das wollte die Stadtverwaltung von der Münchner Beratungsgesellschaft Cima wissen. „Ziel ist es, Perspektiven für die City während und nach Abschluss der Bauarbeiten zur Kombilösung zu erhalten“, sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Vorstellung der Analyse.

Viele Geschäfte haben noch keinen Web-Auftritt

Projektleiter Christian Hörmann erklärt, dass nicht nur durch die Behinderung durch Baustellen, sondern auch der Online-Handel die Einzelhändler herausfordern: „Viele haben noch keinen adäquaten Web-Auftritt. Die Plattform karlsruhe-erleben.de bietet eine gute Grundlage, sich zu zeigen.“ Zentrale Ergebnisse einer Passantenbefragung zeigten aber, dass häufig via Smartphone nach Infos zu stationären Geschäften gesucht werde. Kostenfreies WLAN ist für viele Befragten daher auch der wichtigste Service in der Innenstadt. Die meisten kommen zum Einkaufen in die Stadt, Kulturerlebnisse und das Treffen von Freunden werden aber wichtiger – 17 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Gastronomie in der City, so Christian Hörmann.

Weniger Kaufkraft aus dem Umkreis

Außer ins Internet wandern Kunden auch zunehmend in die Mittelzentren der Region ab. Orte wie Baden-Baden oder Germersheim haben an Einkaufsattraktivität gewonnen, der Fächerstadt ist dabei Kaufkraft von den Rändern ihres Einzugsgebietes verloren gegangen. Laut Cima-Studie sind daran nicht nur die Baustellen schuld: 15,5 Prozent der Umfrageteilnehmer vermissen in Karlsruhe individuelle oder hochwertige Geschäfte. „Es gibt keine Flagship-Stores bekannter Marken oder große, inhabergeführte Familiengeschäfte wie Engelhorn in Mannheim, die ein anderes Einkaufserlebnis als die großen Filialisten schaffen“, erklärt Hörmann.

Europaplatz wird als häßlich empfunden

Weiter profilieren sollte man die kleinen, hochwertigen Geschäfte in den Nebenstraßen von zentraler Kaiserstraße, Ettlinger-Tor-Center, östlicher Kaiserstraße und Postgalerie, um eine gesunde Mischung zu erhalten, empfiehlt Hörmann. Als hässlich, heruntergekommen und sogar unsicher bezeichneten Befragte oft den Europaplatz. Der Projektleiter mahnt: „In einer der zentralsten Lagen der Stadt können wir es uns nicht erlauben, an Qualität nachzulassen!“

Ideen für attraktivere City gefragt

Von Mai bis November 2018 will die Stadt nun zusammen mit Bewohnern, Kaufleuten und Gastronomen Maßnahmen für einen attraktiveren Einzelhandelsstandort sammeln. „Ideen können online über das Bürgerbeteiligungsportal eingebracht werden, am 7. Juni findet außerdem im Stephanssaal eine öffentliche Citywerkstatt statt“, so Oberbürgermeister Frank Mentrup. Die Ergebnisse dieses Partizipationsprozesses werden in genau einem Jahr präsentiert.

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