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Akzeptanz ist der erste Schritt zur Heilung Seit Jahren steigt die Zahl der psychisch Erkrankten an – auch in Karlsruhe.

Heute ist Welttag der seelischen Gesundheit. Er wurde ins Leben gerufen, um auf die Belange psychisch erkrankter Menschen aufmerksam zu machen. Deren Zahl steigt seit Jahren an, die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Menschen. Häufig sind es Belastungen am Arbeitsplatz, Burn-out, existenzielle Sorgen oder Umweltfaktoren, die bei der Erkrankung eine Rolle spielen oder sie auslösen. Beim diesjährigen Tag der seelischen Gesundheit liegt der Fokus auf Depressionen, die Stadt bietet eine Reihe von Workshops und Vorträgen zum Thema an.

18.000 Menschen in Karlsruhe betroffen

Von Depressionen betroffen sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung, bei fünf Prozent sind die Probleme dringend behandlungsbedürftig. In Karlsruhe leiden rund 18.000 Menschen an einer psychischen Erkrankung, aber nur etwa 3.000 seien in Behandlung, heißt es aus der Klinik für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin des Städtischen Klinikums.

Fabian Krüger hat ein Gesundheitsunternehmen für mehr Freude und weniger Stress gegründet

Durch die Pandemie kommen noch weitere Faktoren hinzu, die eine Depression begünstigen, etwa Kontaktbeschränkungen, monatelanges Homeschooling, wegfallende Kinderbetreuung, Homeoffice oder Kurzarbeit. Lösungen bietet Fabian Krüger an, er ist der Gründer von Relaxaholic, einem digitalen Gesundheitsportal, das aus einem interdisziplinären Team aus den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention, Psychologie und Coaching besteht. Mit Workshops, Beratung und speziellen Achtsamkeitsboxen soll Arbeitnehmern und Unternehmen der Umgang mit Stress und psychischem Leistungs- und Leidensdruck erleichtert werden.

Bewusstsein für mentale Gesundheit

Besonders stark davon betroffen ist die Gruppe der 25 bis 50-Jährigen. Warum die Zahl der psychisch Erkrankten seit Jahren zunimmt, erklärt Fabian so: „Die Forschung ist heute viel weiter und Krankheiten werden schneller erkannt. Heute haben viele ein starkes Bewusstsein für psychische und mentale Gesundheit und sind auch offener dafür, Ratschläge anzunehmen.“ Früher seien Themen wie Stress und Depressionen Tabuthemen gewesen, über die nicht gerne geredet wurde und die man sich nicht gerne eingestand.

In der Relaxaholic-Box findet ihr Achtsamkeitsübungen für die seelische Gesundheit

Aber: Ein Lösungsweg, um den Umgang mit einer psychischen Erkrankung zu erleichtern, ist die Akzeptanz! „Der erste Schritt zur Heilung ist, die Situation zu akzeptieren und sich bewusst zu machen, dass die Krankheit heilbar ist und auch wieder weggeht“, erklärt der 33-Jährige. Häufig seien es Mitarbeiter aus Verwaltung und Büro, die erkranken. „Mit der Digitalisierung ist es schwer geworden, als Bürohengst nach Feierabend mit den beruflichen Themen abzuschließen.“ Anders als bei handwerklichen Berufen sieht man am Ende des Tages nur selten ein fertiges Resultat, stattdessen kommen weitere Aufgaben in Form von E-Mails, die nie zu enden scheinen.

Frauen stehen vor Mammut-Aufgabe

Besonders häufig sind Frauen überlastet oder von Burn-out betroffen, vor allem wenn sie Mütter werden. Neben Kindererziehung und Haushalt wollen die meisten heute wieder in ihren Beruf zurückkehren und stehen damit oft vor einer Mammut-Aufgabe. „Selbst, wenn sie in Teilzeit arbeiten, haben sie meist noch den ganzen Tag mit Haushalt und Kindererziehung zu tun, was genau genommen eineinhalb Arbeitstage ergibt. Hier existiert eine große Ungerechtigkeit, die Arbeit der Frauen neben ihrem Beruf wird zu wenig wertgeschätzt“, findet Fabian.

Mit Freunden in Kontakt bleiben und sich bei Überlastung Hilfe suchen, raten Experten

Generell seien es auch eher Frauen, die sich mit Problemen an Relaxaholic wenden. „Frauen sind offener, gehen meist auch schneller zum Arzt und lassen sich leichter helfen. Männer versuchen oft, nach außen Stärke zu zeigen. Sie leiden aber oft genauso unter Stress und Überarbeitung“, so der Unternehmer, der auch die mentalen Folgen der Pandemie spürt. „Viele Nutzer haben sich bei uns gemeldet und geschrieben, dass sie Angst vor sozialer Isolation haben. Die Ungewissheit, wie lang sich Einschränkungen hinziehen, schürt Ängste. Besonders für Singles ist das eine schwere Zeit.“

Bleibt mit anderen in Kontakt!

Fabian rät Betroffenen, regelmäßig mit Freunden virtuell oder telefonisch in Kontakt zu bleiben, damit gar nicht erst ein Gefühl von Einsamkeit aufkommt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt: Den Tag strukturieren, gut für sich selbst sorgen und Kontakte auch auf Abstand pflegen. Bei akuter Belastung solltet ihr euch Unterstützung suchen. Telefonisch geht das unter der bundesweiten, kostenlosen Hotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (0800/2322783), in Karlsruhe beim Arbeitskreis Leben (0721/8200667).

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