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Corona verstärkt die Erschöpfung Neuer Workshop soll Alleinerziehenden helfen, sich wieder mehr um sich selbst zu kümmern
13. Januar 2021 TEXT: 0

„Das ‚Funktionieren-Müssen‘ ist tief in uns Menschen verankert“, weiß Thomas Horch von der Psychologischen Beratungsstelle im Landkreis Karlsruhe. „Die feste Überzeugung, immer für andere bereitstehen, helfen und unterstützen zu müssen, kann nicht von heute auf morgen aufgelöst werden. Dazu braucht es intensive Übung und einen Sensibilisierungsprozess.“ 

Überforderung im Alltag

Thomas Horch beschäftigt sich schon lange mit einer Problematik, die nicht nur, aber sehr häufig Alleinerziehende betrifft: Überforderung im Alltag. „Alleinerziehende finden sich oft in einem ständigen Kreislauf aus alltäglichen Herausforderungen und Verpflichtungen wieder, der ihnen kaum Zeit lässt, mal durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen“, so Horch. „Auf ihren Schultern lastet viel Verantwortung – nicht selten vor einem instabilen finanziellen Hintergrund.“

Thomas Horch organisiert einen virtuellen Workshop zum Thema Selbstfürsorge

Die Tatsache, dass nun auch die Corona-Pandemie die Lebenswelt von Alleinerziehenden zusätzlich verkompliziert, hat Thomas Horch dazu veranlasst, ein Projekt zu realisieren, das er schon länger im Kopf hatte: Eine Veranstaltung zu den Themen Selbstfürsorge, Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung. Hier können Alleinerziehende wertvolle Tipps und Anregungen zur Bewältigung ihres Alltags bekommen. 

Nicht mit der Situation abfinden

„Natürlich gibt es kein Patentrezept, um die Situation der Betroffenen zu verbessern“, räumt Thomas Horch ein. „Die Lebensumstände lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Aber man muss sich auch nicht einfach mit seiner Situation abfinden. Jeder kann in seiner Lebenswelt aktiv werden und seine Einstellung in manchen Belangen schrittweise ändern.“ 

Jeder kann Dinge verändern, sagt der Sozialpädagoge und Familientherapeut

Genau dabei möchte Thomas Horch Alleinerziehenden mit seiner Veranstaltung unterstützen. „In erster Linie geht es darum, ihnen zu helfen, wieder mit sich selbst in Kontakt zu treten“, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge und Familientherapeut.
„Viele verlieren im Lauf der Zeit die Fähigkeit, sich zu spüren und ihre Bedürfnisse zu erkennen. Sie sind so darauf fokussiert, zu funktionieren und sich um andere zu kümmern, dass sie völlig vergessen, sich auch um sich selbst zu kümmern.“
An dieser Stelle soll der Workshop ansetzen, angestrebt wird eine Gleichwertigkeit zwischen dem, was andere von einem wollen und dem, was man selbst braucht. 

Achtsamkeit und Kommunikation

Die erste von sechs virtuellen Veranstaltungen findet am 19. Januar 2021 statt. Die Teilnehmerzahl ist aus gutem Grund auf zehn begrenzt: „Der menschliche Kontakt ist zentrales Element der Reihe. Er gestaltet sich in einer kleinen Gruppe einfach intensiver“, sagt Thomas Horch. „Es soll ein vertrauensvoller Rahmen entstehen, der es zulässt, dass sich die Leute öffnen und austauschen.“

Theorie spielt im Workshop eine untergeordnete Rolle, vielmehr soll es Impulse für praktische Erfahrungen geben. „Achtsamkeitslehre und gewaltfreie Kommunikation werden uns beschäftigen. Jeder Teilnehmer kann für sich selbst herausfinden, wo er ansetzen kann, um die eigene Situation zu verbessern.“ 

Betroffene sind nicht allein – Überlastung betrifft heute viele Menschen!

Thomas ist überzeugt, dass sein Projekt Betroffenen helfen kann – und dass es viele Betroffene gibt. „Wenn wir von Überlastung, Burn-out, psychischer und emotionaler Erschöpfung reden, sprechen wir nicht von Einzelfällen. Es ist ein Massenphänomen, das durch die Digitalisierung und die Schnelllebigkeit unserer Zeit begünstigt wird“, betont er. „Die Corona-Pandemie verschärft die Problematik zusätzlich, weil sie Unsicherheiten und Ängste vergrößert und die Menschen auf sich selbst zurückwirft.“

Die virtuelle Reihe findet am 19. Januar, 26. Januar, 2. Februar, 9. Februar, 23. Februar und 2. März jeweils von 19 bis 21 Uhr statt. Anmeldung unter Tel. 0721/93667050 oder per Mail pb.karlsruhe@landratsamt-karlsruhe.de.

                                       

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