Foto: Bernd Hentschel
Sexy-schauriges Kammerspiel Das Neue Hoftheater Grötzingen inszeniert Bram Stokers Vampirsaga „Dracula“
4. März 2018 TEXT: 0

Geheimnisvoll schwebend und unheimlich klingt das Waterphone, wenn Solveig Schreiber mit dem Geigenbogen über die dünnen Kupferstäbe streicht. „Ich wollte unbedingt eine Wasserharfe für das Stück, weil diese Live-Musik stimmungsmäßig perfekt passt“, sagt Regisseur Fabian Dick.
Zum ersten Mal arbeitet er mit einem gemischten Ensemble aus Jugendlichen und Erwachsenen
, als Bühne dient der Niddaraum samt Dachgiebel-Empore. Das Bühnenbild aus Balustrade, unsichtbarer Treppe und Vintage-Rollstuhl lässt den Schauspielern Raum für traumwandlerische Tanzeinlagen, ein längs gestellter Esstisch wird im Lauf des Stücks vom Speiseplatz, zum Krankenbett und zum Sarg umgewandelt.
Von Anfang an liegt eine leise Spannung in der Luft, mal erzeugt von den aufreizenden Liebeskämpfen zweier Vampir-Damen (Anna-Maria Metzler, Isabel Vorgrimler), mal hervorgerufen durch die nach und nach enthüllte Schauergeschichte, die Doktor van Helsing (Sven Herrmann von der Kleinen Bühne Ettlingen, der den Part des überraschend verstorbenen Theatergründers Jochen Krämer übernimmt) auf die Spur der Vampire führt.
Als zartes Wesen im weißen Nachthemd geistert Isabelle Heimler in der Rolle der gebissenen Lucy durch das Kammerspiel, auch Anne Garreau überzeugt als Mina mit einer Metamorphose von der puritanischen Verlobten zur enthemmten Blutsaugerin. Als weitere starke Darstellerin präsentiert sich Katrin Mohrhardt der Doppelrolle als Psychatrie-Ärztin Seward und deren irre Patientin Renfield.
Den Auftritt des Grafen Dracula (Thomas Winkler) spart man sich strategisch bis nach der Pause auf, nachdem mit allerhand Lichtspiel (Technik: Felix Persitzky), besagten Waterphone-Klängen und geschickter Interpretation der Tagebucheinträge ein Spannungsbogen in Richtung Transsilvanien aufgebaut ist. Trotz des üppigen Einsatzes Blutpatronen gelingt eine überzeugend schaurige Inszenierung, dank der dramatischen Ausführungen Harkers (Thomas Lorbeer) glaubt man bisweilen den Hauch des am Spukschloss herunterkletternden Fürsten der Finsternis förmlich im Gesicht zu spüren.

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