Steampunk-Picknick im Schlosspark Karlsruhe Foto: Nina Setzler
Mit Zahnrädern durch den Zeitriss Im Schlosspark traf sich die Steampunk-Szene zum Picknick
25. Juni 2018 TEXT: 0

Zum fünften Nordbadischen Steampunk-Picknick trafen sich am Sonntagnachmittag etwa 150 Fans der schrillen Retro-Bewegung. Im Schlosspark singt Daniel Malheur über Großstädte der 20er-Jahre. Der Künstler aus Berlin nennt seine nostalgische Musik „Monocle-Pop“. Auf Decken und Stühlen um ihn herum sitzen Menschen , die wie aus der Zeit gefallen scheinen, ihre Reifröcke, Melonen-Hüte und Schnürstiefel erinnern an die viktorianische Epoche. Metallische Accessoires wie Cyberlocks, Handrücken-Schmuck oder die obligatorischen Goggles oder Schweißer-Brillen machen sie zu fantasievollen Hinguckern. 

Brillen mit Zahnrädern

„Die meisten Steampunks machen ihre Outfits selbst. Wichtig für den verspielten Jahrhundertwende-Look ist, dass man kein Plastik sieht“, erklärt der Mit-Organisator des fünften Karlsruher Steampunk-Treffens, Michael Etzel. Er arbeitet bei der Berufsfeuerwehr, was praktisch für sein Hobby ist. In den Werkstätten findet er nämlich jede Menge Schrott, den er zu Neuem verarbeiten kann. So macht es auch Optiker Robert aus Boppard: „Ich produziere seit fünf Jahren Steampunk-Eyewear. Dafür verziere ich Alltagsbrillen zum Beispiel mit Zahnrädern aus kaputten Uhren.“

Steampunk-Fans reisen gern

Die Steampunk-Bewegung versteht sich als Gegenentwurf zur Moderne. Mit ihrem Industrial-Chic feiert sie jene Zeit, als Dampfmaschinen und Uhrwerke noch der letzte Schrei der Technik waren. „Es ist eine relativ kleine und sehr reisefreudige Szene, wir kennen uns untereinander. Heute sind Leute aus ganz Deutschland, der Schweiz und sogar aus Australien hier“, erklärt Michael Etzel. Wie die meisten anderen Steampunks führt auch er einen Phantasienamen: Michael de Tempore. Als Überraschung für die Gäste gibt es nach dem Picknick noch eine Zug-Fahrt mit der Dampflok Greif – inklusive Zeitriss!

Bewaffnet auf Zeitreise

„Die Mittelalter-Darsteller warten hinter dem letzten Tor auf uns. Ich werde mir für den Überfall ein Endzeit-Kostüm im Mad Max-Stil anziehen“, verrät der 46-Jährige kurz vor der Abfahrt. Im Sonderzug sitzen dann auch „Ingenieur Dürr“, der den Vogelschädel an seinem Zylinder und die Reagenzgläser an seinem Koffer selbst hergestellt hat. Seine Frau, „Madame Reinecke“, erzählt von Steampunk-Treffen an der Ostsee. Dorthin reisen sie, genau wie nach Karlsruhe, mit dem Wohnmobil. Manch ein Steampunk im Zug ist sogar bewaffnet! „So eine Zeitreise ist schließlich nicht ohne“, erklärt „Amurel van Wittgenstein“. „Man weiß nie, was einen dort erwartet.“

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