Frau testet Ping! Die Museumsapp vor Exponat im Badischen Landesmuseum Fotos: Badisches Landesmuseum / Uli Deck
Tinder für Exponate – die Museumsapp Ping! Im originellen Dating-Tool des Badischen Landesmuseums könnt ihr mit Objekten chatten
18. Juni 2021 TEXT: 0

„Sie und Camille Kännchen finden sich gegenseitig interessant! Sie können jetzt miteinander chatten“, lautet die Ansage auf dem Bildschirm. Und ehe man sichs versieht, plaudert man mit der Teekanne von Markgräfin Caroline Luise von Baden.

Originelle Art der Wissensvermittlung

Ab dem 18. Juni bietet das Badische Landesmuseum seinen Besuchern einen ganz neuen und individuellen Zugang zu seiner Sammlung: Die Museums-App Ping! funktioniert nach dem Tinder-Prinzip: swipe left , swipe right – wenn Ihnen ein Objekt gefällt, wischen Sie auf Ihrem Smartphone nach rechts. Doch nicht alle Objekte mögen zurück!

Ping! Die Museumsapp Chat
Ping! Die Museumsapp Chat

Wenn es jedoch eine Übereinstimmung gibt, ist der erste Schritt getan und das Objekt und der Besucher können sich im Chat unterhalten. Die Antworten werden zur Auswahl gegeben, was die ganze Sache lebendig und originell macht. Die geschäftige Teekanne sucht ihren Besitzer, der schon lange nicht mehr mit ihm gefrühstückt hat. „Oh je! Ich helfe dir suchen!“, kann man im Chat zu ihr sagen oder: „Caroline Luise? Sie ist hier im Schloss. Ich habe gerade mit ihr gesprochen.“

App deckt Epochen von der Antike bis zur Gegenwart ab

Denn natürlich ist die ehemalige Bewohnerin des Karlsruher Schlosses auch in der neuen Dating-App vertreten und erzählt aus ihrem bewegten Leben als Mutter und Mäzenin. Die Museums-App ping! ist Wissensvermittlung und personalisiertes Museumserlebnis zugleich. Die Objekte sind über alle geöffneten Sammlungen des Karlsruher Schlosses verteilt – von den alten Kulturen bis zur Gegenwart.

Ping! Die Museumsapp Liegende Etruskerin
Ping! Die Museumsapp Liegende Etruskerin

Jede Besucherin und jeder Besucher kann hier ihr oder sein ganz persönliches Lieblingsexponat finden. Und das hat durchaus seinen ganz eigenen Charakter: „Heirate mich!“, begrüßt uns der Bollenhut aus Baden. Während eine antike Vase zum Trinkgelage einlädt, erzählen mittelalterliche Ritter aus ihrem Turnieralltag. Und dem byzantinischen Teller aus der Antike ist von Anfang an völlig klar, dass er ausgewählt wurde – schließlich sei er der „Hauptpreis“! Ganz nebenbei plaudern die Objekte von ihrer Herkunft, ihrer einstigen Funktion und ordnen sich in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang ein.

Persönliche Beziehung mit Objekten

Dank der Möglichkeit, eine ganz persönliche Sammlung auf dem Smartphone anzulegen, lassen sich die Objekte später wiederfinden. Durch den persönlichen Austausch mit ihnen entsteht eine völlig neue Art des Dialogs mit den Museumsexponaten und eine emotionale, persönliche Beziehung. So bleiben die besprochenen Themen gut in Erinnerung!

Screenshot ping! The museum app
Match mit Teekanne. Die Ping!-App bietet ein ganz neuartiges Museumserlebnis – auch zuhause!

Derzeit befinden sich rund 80 Dialoge in der Museumsapp, keiner ist wie der andere. Je nach ausgewählter Antwort entwickelt sich der Chat in unterschiedliche Richtungen. Die Texte haben Mitarbeiter*innen und Bürger*innen in Schreib-Workshops geskriptet, die Dialoge aus der Bürgerschaft sind als VIP-Objekte besonders gekennzeichnet.

Bürgerinnen und Museumsmitarbeiter haben Dialoge verfasst

„Das Schreiben der Chats war ein partizipativer und kreativer Prozess. Die Mitwirkenden kamen aus verschiedenen Altersklassen und hatten unterschiedliche Backgrounds. Deshalb gibt es vielfältige Tonalitäten, witzige Entwicklungen und Plot-Twists in den Gesprächen“, freut sich Christiane Lindner, die gemeinsam mit Dr. Johannes Bernhardt und Silke Hockmann die App im Badischen Landesmuseum umgesetzt hat.

Screenshot ping! The museum app chat with teapot
Die Dialoge wurden zum Teil von Bürgerinnen und Bürgern getextet

Entwickelt wurde „Ping! Die Museumsapp“ im Verbundprojekt museum4punkt0, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in enger Zusammenarbeit mit dem gamelab.berlin. Die Stärke der Museumsapp „Ping!“ liegt in ihrer Vielstimmigkeit: Alle Objekte sprechen aus ihrer subjektiven Perspektive, weshalb Themen oder Epochen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden und die Besucher*innen so mitunter auch kontroversen Haltungen begegnen. Übrigens: Man kann die Exponate auch gemütlich von zuhause aus daten und muss dazu nicht zwingend im Museum sein.

Badisches Landesmuseum ist Vorreiter

Das Badische Landesmuseum ist das erste Haus in Deutschland, das die App nutzt und sich damit weiter in die digitale Zukunft bewegt. „Die Anforderungen unserer Besucher ändern sich ständig. Der Wunsch nach einem individuellen, personalisierten und spielerischen Zugang zu den Sammlungen wurde immer wieder an uns herangetragen“, so Prof. Dr. Eckart Koehne , Direktor des Badischen Landesmuseums. „Und nichts macht uns glücklicher, als wenn jemand ein Objekt findet, mit dem er von nun an seine eigene Geschichte verbinden kann.“

Ping! kann kostenlos in den App-Stores von Apple und Android heruntergeladen werden. Weitere Informationen dazu unter landesmuseum.de/ping

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