Katrin Schulz an einer der künftigen U-Strab-Stationen am Marktplatz Foto: Nina Setzler
Wie sicher wird die Karlsruher U-Bahn? Notrufknöpfe sind nicht geplant, dafür aber farbige Lichtkunst
18. Juli 2018 TEXT: 0

„Wir wissen noch nicht, wie sich das Lebensgefühl in Karlsruhe durch die neue U-Bahn verändern wird. Aber in vielen von uns löst der Gedanke Angst aus, abends allein in die U-Bahn zu müssen“, sagt Katrin Schulz, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Karlsruhe. Die Kasig als Bauherr kündigte an, einem Unsicherheitsgefühl durch große, hell gestaltete Haltestellen und Videoüberwachung vorbeugen zu wollen. Aber die AsF-Vorsitzende ist nicht überzeugt. „Ich weiß nicht, ob Höhe und Helligkeit Angstgefühle verhindern können. Man kann nicht sicher sein, dass derjenige hinter der Kamera eine Situation richtig einschätzt.“

Ungutes Gefühl in der U-Bahn?

Eine Belebung der Untergrund-Stationen durch Geschäfte oder Kioske ist nicht vorgesehen, die Installation von Notrufknöpfen wurde im Gemeinderat zwar diskutiert, aus Kostengründen jedoch abgelehnt, ergaben die Recherchen der AsF. „Das Argument, heute besitze jeder ein Handy, um Hilfe zu rufen, finden wir nicht schlüssig. Oft weiß man nicht genau, ob eine Situation gefährlich ist. Man fühlt sich einfach unwohl und würde sich gerne neben ein Notruf-Knopf stellen“, sagt Katrin Schulz.

Mehr Transparenz seitens der Kasig

Ob man das Handy in einer bedrohlichen Lage schnell genug parat hätte? „Gerade ältere Leute könnten dann zu aufgeregt sein – das Thema Sicherheit betrifft ja nicht nur Frauen. Deshalb sollte man unbedingt weiter überlegen, Notknöpfe in die Haltestellen zu integrieren“, so die SPD-Frau. Die AsF wünscht sich von der Kasig mehr Transparenz. Zum Beispiel ein Forum, in dem der Planungsstand der U-Bahn erläutert wird und Fragen zum Sicherheitskonzept gestellt werden können. Dabei entstehen vielleicht Ideen, die man vor Vollendung des Baus kostengünstig umsetzen könne.

Hochaufgelöste Überwachungsbilder

Kasig-Pressesprecher Achim Winkel findet die Idee gut. „Bisher haben wir vor allem den Baufortschritt gezeigt. Je näher die Kombilösung an ihre Vollendung rückt, desto mehr könnten wir auch die Zukunft in den Blick nehmen, um eventuelle Sorgen zu nehmen“, sagt er. In Punkto Sicherheit verweist er auf die Haltestellen-Architektur ohne tote Winkel aber mit Videokameras, die jede Station lückenlos in hoch aufgelösten Bildern überwachen sollen. „In den Auf- und Abgängen sowie auf den Zwischenebenen ist das zwar noch nicht beschlossen, wohl aber sicherheitstechnisch das einfachste“, sagt Achim Winkel. Momentan werde noch überlegt, die U-Bahn-Stationen nachts für einige Stunden komplett zu schließen, wenn keine Bahnen fahren.

Viel Licht und helle Wände

Notrufknöpfe seien allerdings derzeit vom Tisch, bestätigt der Kasig-Sprecher: „An den unterirdischen Haltestellen kann mobil telefoniert werden – genau wie an den oberirdischen. Oben gibt es keinen Notrufknopf, warum dann unten?“ Das Sicherheitsgefühl in den U-Bahnhöfen solle vor allem durch gute Ausleuchtung und eine beinahe weiße Wandverkleidung entstehen. Sogar Lichtkunst ist geplant: „Für alle sieben Stationen entwirft ein Münchner Atelier Farbstrahler, die drei verschiedene Schatten werfen, wenn man hindurchläuft“, berichtet Achim Winkel. Ob eine solche Installation wohl billiger ist, als ein Notrufknopf?

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