Foto: Nina Setzler
„Welches Pronomen hättest du denn gern?“ Im Rathaus wurde zu den Themen Geschlecht, Gender und Gesellschaft diskutiert
7. Juni 2018 TEXT: 0

Die Wander-Ausstellung „We are part of culture“ zeigt 36 Porträts einflussreicher, gleichgeschlechtlich liebender Menschen und wurde in Karlsruhe versehentlich zwei Tage zu früh abgebaut. „Aber sie wird auch noch in Mannheim und in Stuttgart gezeigt, das ist ja nicht allzu weit entfernt“, erklärt Holger Edmaier, der Geschäftsführer von „Projekt 100% Mensch“. Seine Organisation arbeitet in Informationskampagnen zu sexueller und romantischer Orientierung, dazu gehörte auch die Talk-Runde „Geschlecht, Gender, Gesellschaft“ im Rathaus.

Sie, er oder nichts von beidem?

„Welches Personalpronomen hättest du denn gern?“, fragt Edmaier seine Talkgäste. Juli Avemark vom queeren Jugendzentrum La Vie definiert sich als „sie“, lässt das Pronomen aber wenn möglich weg. Isabelle Melcher von der Beratungsstelle für transsexuelle, transgender und intersexuelle Menschen in Ulm nimmt ebenfalls „sie“, geboren wurde sie einst als Mann. Den umgekehrten Weg ist Samuel Buttgereit von Transmann Stuttgart gegangen, der sich„er und Mann“ als Bezeichnung wünscht.

Namensänderungen sind kompliziert

Samuel Buttgereits Verein bringt Menschen zusammen, die als weiblich deklariert sind, sich aber nicht so fühlen. Eine amtliche Änderung von Name und Geschlecht sei kompliziert und teuer, Betroffene würden von Gutachtern beurteilt, die sie nicht kennen, bedauert Samuel. Das sei nicht okay, findet auch Julia Lücke, die als Psychotherapeutin transidente Menschen berät: „Nur wenn sie es gut rüberbringen, kriegen sie, was sie brauchen. Damit ist der Sinn verfehlt.“ 

Probleme mit der Akzeptanz

Ein Großteil der Teenager outet sich erst bei Juli Avemark im La Vie, weil sie dort das Gefühl haben, dass jemand sie auffängt, falls ihre Familie sich abwendet. Nach könnten vielen Menschen nicht akzeptieren, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, da ist sich die Runde einig. „Angst spielt sicher eine Rolle, zwei Geschlechter machen die Welt einfach“, sagt Isabelle Melcher, während Psychologin Lücke in dem ablehnenden Verhalten vieler Zeitgenossen statt Überforderung eher Faulheit sieht. „Sie hätten doch Zeit, sich mit wichtigen Themen wie Geschlechter-Identität zu beschäftigen!“

Individualität als Schatz für alle

Oberbürgermeister Frank Mentrup, der die Diskussion verfolgt, hatte eingangs gesagt: „Den Reichtum, den individuelle Menschen mit sich bringen, solle man als Schatz für alle begreifen. Die gerichtliche Entscheidung zur Ehe für alle und zur dritten Person im Personenstandsrecht sind Meilensteine.“ Das sehen auch die Diskutanten so – und sind sich gleichzeitig einig, dass der Kampf für die Vielfalt der Geschlechter noch lange nicht zu Ende sei.

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