Fotos: Elisa Walker
Karlsruhe ist startklar für den Winter Streusalz aufgefüllt, Schneeschieber gewartet, städtische Mitarbeiter gebrieft – der erste Schnee kann kommen
12. November 2020 TEXT: 0

Schneeflocken und Glatteis sind noch nicht in Sicht, doch eines ist klar: Der nächste Winter kommt bestimmt! Dafür hat sich die Stadt Karlsruhe gewappnet und ihre Streumittelvorräte aufgefüllt, die Winterdienstpläne überarbeitet und das Wissen der Beschäftigten aufgefrischt. Auch die gesamte Technik – vom Hand-Schneeschieber über Streufahrzeuge bis zum Salzsilo – wurde gewartet.

670 Kilometer Straßennetz

Das Straßennetz, um das der Winterdienst sich kümmern muss, hat eine Gesamtlänge von 670 Kilometern. Auch 230 Kilometer Radweg werden versorgt. Um die Befahrbarkeit bei Schnee und Eis zu gewährleisten, ist der Räum- und Streudienst von 3 Uhr nachts bis 22 Uhr abends in mehreren Schichten unterwegs. Außerhalb dieser Zeiten sind Beschäftigte in Rufbereitschaft. Zuerst werden Bundes- und Landesstraßen, Hauptverbindungsstraßen, Buslinien sowie Gefahrenstellen bearbeitet, danach folgen verkehrswichtige Nebenstraßen.

Bis zu 3,50 Meter breit sind die Schneepflüge der Stadt (mit Andreas Bender (l.) und Olaf Backhaus). Im Hintergrund: Soletanks mit einem Volumen von 40.000 Liter.

„Wir haben in Karlsruhe eine Besonderheit: In Grünwettersbach kann es schneien, während in der Stadtmitte Frühlingsgefühle aufkommen“, erklärt Olaf Backhaus, Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft (AfA). Deshalb steht man im ständigen Kontakt mit dem Wetterdienst. Zudem betreibt die Stadt eigene Glättemelde-Anlagen an der B36 bei Eggenstein, in Grünwettersbach und auf dem Ostring. „Via Smartphone werden die Einsatzkräfte mit aktuellsten Informationen versorgt und können direkt reagieren“, sagt Andreas Bender, der die Abteilung Straßenreinigung und Winterdienst leitet.

500 Mitarbeitende im Einsatz

Bei längerem Schneefall werden im gesamten Stadtgebiet zwischen 60 und 200 Tonnen Streusalz verbraucht. Bis zu 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Dienststellen, kommunalen Gesellschaften und externen Winterdienst-Firmen stehen für die Verteilung mit rund 200 großen und kleinen Winterdienstfahrzeugen und -geräten bereit.

Unvergessen der Winter vor zehn Jahren, als in ganz Europa eisiges Wetter herrschte und Karlsruhe 4.250 Tonnen Streusalz aufbrauchte. Der benötigte Nachschub blieb aus. Der städtische Betrieb hat sich deshalb durch großzügigere Bevorratung gerüstet und lagert 1.500 Tonnen Streusalz in der eigenen Halle. Weitere 2.000 Tonnen hält ein regionaler Lieferant bereit. Reicht das alles nicht, bietet eine Einkaufskooperation des Landes Zugriff auf weitere 3.000 Tonnen.

Endlose Salzberge: 1.500 Tonnen türmen sich in der zentralen Lagerhalle beim Amt für Abfallwirtschaft.

Die Kosten für den Winterdienst können zwischen 500.000 Euro und fünf Millionen Euro liegen, je nach Härte des Winters. 33 Großstreufahrzeuge sind mit Thermomaten-Technik ausgestattet: Ein Infrarotsensor misst die Oberflächentemperatur der Straße und dosiert auf dieser Grundlage das Streumittel, das auf die Straße geworfen wird. So kann präventiv gestreut werden, was bis zu 30 Prozent Feuchtsalz und Kosten einspart. Auch das Grün am Straßenrand wird so geschont.

Sehr effizient: die Kombi-Solesprüher. Das sind Fahrzeuge, die je nach Wetterlage reine Sole (Wasser-Salz-Gemisch mit höchstens 20 Prozent Salz) oder ab Minus acht Grad Feuchtsalz auf die Fahrbahn streuen. Die Stadt schafft nach und nach mehr davon an. Auch das Personal wird umweltbewusst gebrieft, nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Fußgängerüberwege oder Bushaltestellen werden von Handtrupps bearbeitet.

Im Sommer Kehrwagen, im Winter Solesprüher: Der Besen fegt Schnee weg, hinten wird Wasser und Salz auf die Straße gespritzt.

„Ohne die Hilfe der Bürgerinnen und Bürger kommen wir aber nicht aus“, erklärt AfA-Leiter Olaf Backhaus. Anwohner müssten ihre Räumpflicht auf den Geh-, Fuß- und Treppenwegen neben ihrem Haus ernst nehmen. Dazu sollten sie werktags bis 7.30 Uhr und sonn- und feiertags bis 9 Uhr mit Sand, Splitt oder Asche gestreut haben. Salz ist aus Umweltschutzgründen nicht erlaubt, außerdem reizt die empfindlichen Pfoten von Hunden.

Anders fahren im Winter

Und weil damit man danach nicht zu spät zur Arbeit kommt, gibt der AfA-Leiter einen weiteren Tipp: „Ein rechtzeitiger Wintercheck macht Bremsen und Bereifung straßentauglich, außerdem sollte man mehr Zeit einplanen, um angemessen langsam zu fahren zu können, damit alle sicher durch den Winter kommen.“

0 Kommentare zu Karlsruhe ist startklar für den Winter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.