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Kaiserstraße Innenstadt-West Karlsruhe

Stadtteilporträt

Innenstadt-West: wo die Fächerstadt pulsiert

Der westliche Teil von Karlsruhes Innenstadt erstreckt sich vom Marktplatz bis zum Mühlburger Tor. Hier liegt das Geschäfts- und Dienstleistungszentrum mit 25.000 Arbeitsplätzen. Die Einkaufsmeile Kaiserstraße lockt Menschen aus der ganzen Region an, genau wie die Postgalerie am Europaplatz und das Einkaufscenter Ettlinger Tor. Auch kulturell ist hier viel zu erleben, etwa das Karlsruher Schloss, das derzeit renoviert wird. Der barocke Bau ist Zentrum und Ursprung der Stadt, die auf dem Reißbrett geplant und ab 1715 gebaut wurde. Vom Schlossturm gehen 32 Strahlen aus, neun davon bildeten die ursprüngliche Stadt. Dazu gehören unter anderem die Lamm-, die Adler- und die Waldhornstraße.

Luftbild Schloss Innenstadt-West Karlsruhe

Im Schloss ist seit 1921 das Badische Landesmuseum untergebracht. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört wurde, baute man nur die Fassade originalgetreu wieder auf. Im Innern entstanden große Ausstellungsflächen. Das kulturhistorische Museum zeigt Objekte aus über 50.000 Jahren Geschichte in Dauer- und Sonderausstellungen. Wer die 165 Stufen des Schlossturmes erklimmt, wird mit einem Rundblick auf Karlsruhe belohnt. Von hier erkennt man die Fächerform der Straßen besonders gut! Bei klarer Sicht reicht die Aussicht sogar bis zu den Vogesen. An den Westflügel des Schlosses schließt sich der Botanische Garten an, die Anlage ist täglich für Besucher geöffnet. Umrahmt wird sie von den Badischen Weinstuben, den Gebäuden der Kunsthalle sowie den Schauhäusern, in denen gegen Eintritt eine Vielzahl exotischer Pflanzen zu entdecken sind. Durch das Torhaus gelangt man vom Botanischen Garten in den Schlosspark. Hier stößt man auf den Bahnhof der Schlossgartenbahn. Gebaut wurde die Park-Eisenbahn anlässlich der Bundesgartenschau 1967 und sollte danach wieder abgebaut werden.

Schlossgartenbahn Innenstadt-West Karlsruhe

Doch die Karlsruher hatten die Bahn so lieb gewonnen, dass sie erhalten blieb. Heute kann man auf einer 2,5 Kilometer langen Runde den Park erkunden. Die Bahn ist traditionell von Karfreitag bis Allerheiligen in Betrieb. Sonntags fährt die Dampflok Greif vorneweg, freitags die Porsche-Lok und an den restlichen Wochentagen die rote Diesel-Lok. Macht man sich weiter auf Richtung Norden durch den Schlosspark, entdeckt man am Anfang des Hardtwaldes die Staatliche Majolika Keramikmanufaktur. Diese wurde 1901 von Großherzog Friedrich I. gegründet. Bei der Majolika-Technik handelt es sich um ein Glasurverfahren, bei dem eine zinnhaltige Opak-Glasur auf die Keramiken aufgebracht wird. Hier kann aber nicht nur Keramik erworben werden. Es gibt auch ein großes Angebot an Seminaren und Workshops, in denen man selber das Drehen an der Töpferscheibe lernen kann. Im Gebäude befindet sich außerdem ein kleines kostenfreies Museum, das einen Überblick über die Geschichte der Manufaktur bietet. In der Cantina Majolika kann man neben Lunch und privaten Feiern auch After-Work-Drinks im Fabrik-Ambiente genießen.

Majolika Manufaktur Innenstadt-West Karlsruhe

Trotz des Trubels wohnt man in der Innenstadt-West sehr entspannt, findet Romy Marquart. Die 32-Jährige lebt mit ihrem Mann in der Stephanienstraße. „Unsere Wohnung hat einen großen Garten – und das mitten in der Stadt! Hier sitzen wir oft mit den Nachbarn zusammen und trinken Kaffee oder grillen.“ Allerdings ist die Restaurantdichte in der westlichen Innenstadt so hoch, dass man darüber das Selbstkochen fast vergessen könnte. Hier hat man die Qual der Wahl. Neben den bewährten Klassikern wie Pizza, Thai-Curry oder Sushi lassen sich auch spezielle Köstlichkeiten entdecken. Zum Beispiel koreanisches Bibimbap im Restaurant Soban oder einen portugiesischen Salada de Polvo bei Tasca do José.

Tasca do José Innenstadt-West Karlsruhe

Für den Nachmittagsspaziergang lohnt sich ein Stopp im Café Yollie auf ein leckeres Pop Ice, made in Karlsruhe. Oder ein Stück Kuchen im 60er-Jahre-Ambiente von Lotti’s Traum. „Im Sommer holen wir uns gern Falafel bei La Rose oder einen Deliburger und setzen uns damit in den Botanischen Garten,“ erzählt Romy. In den letzten Jahren hat sich in der Innenstadt vor allem der Hirschhof entwickelt. Dort mixt das Guts and Glory fancy Drinks und im DOM bekommt man krasse Steaks und richtig gute Weine. Absolutes Highlight für Romy ist aber der Markt auf dem Stephanplatz. Der ist mit jedem Jahr schöner und größer geworden und steht heute dem Markt am Gutenbergplatz in nichts nach, findet sie.

Topsy Turvy Innenstadt-West Karlsruhe

Die südliche Waldstraße lockt mit Cafés, Lokalen und inhabergeführten Läden – von Wohndesign über Kleidung bis Schmuck. Im Sommer veranstalten die Händler und Gastronominnen hier das Fest der Südlichen Waldstraße mit Food-Ständen, Open-Air-Bars, Late Night-Shopping und Live-Musik. Auch sonst kommt in der Gegend um den Europaplatz keine Langeweile auf, am Wochenende sind Clubs und Bars gut besucht. „In der Hirschstraße herrscht immer Halligalli, schon als meine Eltern früher dort gewohnt haben, gegenüber vom Topsy Turvy“, erzählt Romy. Der Club ist seit 1969 eine Karlsruher Institution. „Mich findet man eher im Salon Ruppel, wo früher Haare geschnitten und heute Cocktails geschüttelt werden.“

Stiftung Forum Recht Innenstadt-West Karlsruhe

Viel los ist auch um das Verfassungsgericht oder den Bundesgerichtshof, die Karlsruhe zur „Stadt des Rechts“ machen. „Vor allem, wenn große und wichtige Verhandlungen sind, sieht man hier viel Polizei und Presse. Das kriege ich schon oft mit, da ich direkt zwischen diesen beiden Gerichten wohne“, berichtet Romy. Neben Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof befindet sich mit der Bundesanwaltschaft eine dritte wichtige Rechtsinstitution der Bundesrepublik in Karlsruhes westlicher Innenstadt. Wer mal erleben möchte, wie unsere Justiz arbeitet, kann sich online über die Sitzungstage der Senate informieren – die Verhandlungen des Bundesgerichtshofs sind grundsätzlich öffentlich. Seit 2019 gibt es zudem die Stiftung Forum Recht, die das abstrakte Thema Recht für die Menschen erfahrbar machen will. Dafür entstehen neben dem Bundesgerichtshof derzeit Ausstellungs- und Veranstaltungsorte, an denen aktuelle Fragestellungen aufgegriffen und öffentlich diskutiert werden. Raum für wichtige Themen bietet auch die Kinemathek Karlsruhe, die eines der kleiner Kinos hier ist.

Kinemathek Innenstadt-West Karlsruhe

Das öffentlich geförderte Programmkino zeigt anspruchsvolle Filme gern im Original mit Untertiteln. Auch das Quartierskino-Projekt oder das Dokumentarfilmfestival dokka finden hier statt. Im Erdgeschoss gibt es eine kleine Bar, die zum Diskutieren über Filme einlädt. Die Räume teilt sich das kommunale Kino mit dem Karlsruher Jazzclub, von der Kaiserstraße gelangt man durch die Kaiserpassage dorthin. Die glasüberdachte Ladenstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Architekt Gustav Ziegler gebaut und war damals sehr beliebt – eine Vorläuferin moderner Einkaufszentren. Im Passagehof dahinter kann man in mehreren Restaurants, Cafés oder Bars entspannen und Freunde treffen. Romy ist gespannt, wie sich die Innenstadt-West in den kommenden Jahren noch entwickeln wird. Nachdem die neue U-Bahn in Betrieb gegangen ist und keine Trams mehr durch die Kaiserstraße fahren, ist es dort ruhiger geworden, findet sie. „Ich wünsche mir, dass es hier in Zukunft Platz für Streetfood gibt. Coffeebikes, Hot-Dog-Stände oder auch Eisverkauf. Und auch ein bisschen mehr Grün!“

Nachtleben Ludwigsplatz Innenstadt-West Karlsruhe
Postgalerie Europaplatz Innenstadt-West Karlsruhe
Herrenstraße Innenstadt-West Karlsruhe
Brunnen Stephanplatz Innenstadt-West Karlsruhe
Badisches Landesmuseum Innenstadt-West Karlsruhe
Ettlinger Tor Innenstadt-West Karlsruhe
Kebabi Innenstadt-West Karlsruhe
Döner Kebabi Innenstadt-West Karlsruhe
Schloss Innenstadt-West Karlsruhe
Gewächshäuser Botanischer Garten Innenstadt-West Karlsruhe
Guts and Glory Innenstadt-West Karlsruhe