Weiherfeld-Dammerstock – von Anfang an modern

Im Doppel-Stadtteil an der Alb gibt es Bau-Geschichte zu entdecken

Restaurant Erasmus Dammerstock Karlsruhe
Die Bauhaus-Siedlung Dammerstock ist bei Architektur-Fans heiß begehrt
Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Beide Teile von Weiherfeld-Dammerstock entstanden ab den 1920er-Jahren, doch sie unterscheiden sich stark. Während Weiherfeld als Blockrand-Bebauung mit Walmdächern, Loggien und grünen Flächen im Innenhof gebaut wurde, erhielt Dammerstock auf der anderen Seite der Alb als „neuzeitliche Mustersiedlung“ außergewöhnlich kubische Formen. Star-Architekt Walter Gropius gestaltete das Quartier im Rahmen eines Wettbewerbes in Zeilenbauweise. Den Nationalsozialisten, die wenige Jahre später an die Macht kamen, gefiel dieses moderne Bauen gar nicht. Um den Blick darauf zu verstellen, fügten sie ringsum Häuser „im Heimatstil“ hinzu. Den Mix der Architektur-Stile im Viertel ergänzte ab den 1960er-Jahren dann auch noch das 18-stöckige EWG-Hochhaus am Rüppurrer Schloss.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Ursprung des Viertels: Preiswertes Wohnen für Vertriebene

Die ersten Häuser im Stadtteil: der Elsässer-Block von 1922

1922 wurde als erste Wohnanlage des Viertels der sogenannte Elsässerblock in Weiherfeld gebaut. Der Name kam von den über 100.000 Menschen aus Elsass-Lothringen, die nach dem Ersten Weltkrieg wegen ihrer deutschen Wurzeln von dort vertrieben wurden. Das Gebiet hatte seit 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehört und war 1918 wieder französisch geworden. Die nach Baden Vertriebenen wohnten zunächst in Karlsruher Notunterkünften, bevor sie in das neue Viertel Weiherfeld ziehen konnten. Um günstigen Wohnraum für die vielen Menschen zu schaffen, verzichteten die Bauherren auf Bäder. Manche Häuser besaßen lediglich Badezellen im Untergeschoss. Die Strukur der Blockrand-Bebauung wurde in Weiherfeld auch nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten. So besteht das Viertel – später gab es dann auch überall Badezimmer – noch heute vor allem aus locker gestellten Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern.

Fotograf Micha Roth wohnt seit seiner Jugend in Weiherfeld

Die hübschen Häuser und das viele Grün machen Weiherfeld-Dammerstock zu einem der begehrtesten Wohngebiete in Karlsruhe. Auch Micha Roth fühlt sich hier wohl. „Viele meiner Freunde denken, es ist ein Stadtteil für Omas und Opas, weil es hier so ruhig ist. Aber das stimmt nicht, man kann wirklich viel machen“, versichert der Fotograf. Zum Beispiel die Neckarstraße zur Zeit der Kirschblüte fotografieren. „Dort habe ich ein Drohnen-Foto davon aufgenommen, das hat mit Abstand die meisten Likes auf Insta bekommen.“ Auch im Sommer findet der 28-Jährige sein Viertel unwiderstehlich. Dann zieht es ihn zum Joggen in den Oberwald – oder auch mit Kumpels, Klappstühlen und einem Kasten Bier in die Alb! Und er hat noch mehr kulinarische Geheimtipps auf Lager: „Das Bio-Restaurant Erasmus verkauft in seinem Feinkostladen tolle Sachen. Dort finde ich immer Geschenke, aber ich kaufe auch für mich selbst ein.“

Ruhiger Stadtteil – aber kein bisschen langweilig!

Markt an der Friedenskirche Weiherfeld Dammerstock
Der kleine Markt an der Friedenskirche

Wenn er Spaghetti Carbonara kochen will, besorgt er sich echten Guanciale-Schinken in der gut sortierten Wurst- und Käsetheke des Erasmus. „Es gibt dort auch saisonale Angebote, im Winter zum Beispiel frische Orangen aus Italien.“ Für Obst und Gemüse empfiehlt Micha Roth auch den kleinen Wochenmarkt an der Friedenskirche. Hier gibt es zudem Kaffee und Kuchen sowie faire Produkte aus dem Weltladen. Ansonsten locken in Weiherfeld-Dammerstock mehrere Bäckereien, eine Metzgerei und ein Eiscafé, das auch herzhafte Speisen zubereitet. Ganz in der Nähe besichtigen immer wieder Reisegruppen und Studierende die bekannte Dammerstock-Siedlung.  

Albufer Weiherfeld-Dammerstock
Sommer-Programm: Drinks am Albufer

Architekt Gropius verfolgte das Ziel, alle Wohnungen optimal zu belichten: Die Häuserreihen sind von Nord nach Süd ausgerichtet, sodass morgens Sonne in die Schlafzimmer und nachmittags in die Wohnräume scheint. Durch kleine Räume sollten die Wohnflächen auch großen Familien viel Privatsphäre bieten. Die Dammerstock-Wohnungen waren mit Bädern, Zentralheizungen und Einbauküchen ausgestattet. Neue Materialien und Konstruktionsweisen erlaubten eine günstige Fertigung, die freie Lage der Häuser sollte sie optimal durchlüften. So wurde die Dammerstocksiedlung weltweit zum Vorbild für modernen Städtebau, die Zeilenbauweise ersetzte von da an den Blockrand.

Spitzdach neben Flachdach im Dammerstock

Die Einweihung des Quartiers wurde 1929 von der Ausstellung „Die Gebrauchswohnung“ begleitet. Alle Werbematerialien gestaltete der Künstler Kurt Schwitters, der Eintritt kostete 50 Pfennig – das ist noch heute auf dem Info-Pavillon vor der Anlage zu lesen. An alte Zeiten erinnert auch das letzte kleine Fachgeschäft im Stadtteil: Lulu im Weiherfeld, das die Familie Harbrecht schon in vierter Generation betreibt. Hier gibt’s Wäsche, Kleidung und Bademode. „Wir bedienen unsere Kundschaft klassisch nach dem Motto: verkauft wird nur, was wirklich passt“, so Alexander Harbrecht. Und weil es im Lulu so gut wie jede erdenkliche Größe gibt, passt eigentlich immer etwas. 

Hier gibt's noch mehr von Weiherfeld-Dammerstock!

Das EVA-Shuttle, ein autonomer Minibus, unterwegs in Weiherfeld-Dammerstock
Spart den Flug nach Japan: Kirschblüten-Pracht im Eschwinkel
Sport aus dem Harry Potter Universum: das Quidditch-Team des PSV Karlsruhe
Die Dammerstock-Siedlung von Star-Architekt Walter Gropius gilt als Denkmal des Neuen Bauens
Modernes Wohnen an historischer Adresse: Am Rüppurrer Schloss 3a
Alexander Harbrecht vor dem Familiengeschäft Lulu
Weiherfeld-Dammerstock ist eines der ruhigeren Karlsruher Stadtteile. Hier die beschauliche Heidelberger Straße
Voriger
Nächster

„Wir führen hier eine sehr große Bandbreite. Wenn die großen Läden in der Innenstadt nicht weiter wissen, schicken sie die Leute zu uns“, verrät der Experte. Seine Kundinnen schätzen die familiäre Atmosphäre, denn hier gibt es zum neuen Dessous-Set noch eine Tasse Kaffee und ein netten Plausch. Unterhaltsam und fröhlich geht es auch beim Oberwald Parkrun zu, einem wöchentlichen Fünf-Kilometer-Lauf. Jeder und jede ist herzlich willkommen, mitzumachen – egal, ob gehend, joggend, helfend oder zuschauend! Außerdem liegen am Oberwald eine Calisthenics-Anlage und diverse Sportvereine wie etwa der PSK mit seinem Hallenbad. Neben Fußball, Tennis und Leichtathletik könnt ihr in diesem Verein auch exotische Sportarten wie Quidditch trainieren, bekannt aus den Harry Potter-Büchern. Wer sich gern in die Lüfte schwingt, kann bei Trainerin Leonie Schmidt Aerial Arts und Fitness an Vertikaltuch, Trapez oder Luftringen erlernen. Und alle Neu-Eltern halten sich mit den Baby- und Kinderwagen-Kursen von Fitdankbaby in Form. 

„In Weiherfeld-Dammerstock ist wirklich einiges geboten“, bestätigt Fotograf Micha Roth. Er zog im Teenie-Alter mit seinen Eltern hierher und lebt nach einer kurzen Unterbrechung – für die Ausbildung gings in die Pfalz – nun wieder mit seiner Freundin im Stadtteil. Zu seinen Kunden hat der Fotograf meist keine langen Wege, denn Weiherfeld-Dammerstock liegt nur wenige hundert Meter südlich des Karlsruher Hauptbahnhofs und ist bestens an den Rest von Karlsruhe und die Umgebung angebunden. Bis vor kurzem trugen auch drei autonome Minibusse dazu bei: Die EVA-Shuttles des Forschungszentrum Informatik (FZI) erprobten in den Straßen von Weiherfeld-Dammerstock alternativen ÖPNV auf der letzten Meile. Neben dem potenziellen Bedarf, den man hier vermutete, machte vor allem das flächendeckende Tempo 30 das Wohngebiet als Teststrecke interessant. Die autonomen Mini-Busse kamen gut an, über 90 Prozent der Bewohner würden sie wieder nutzen. Also hat dieser Stadtteil gar keinen Nachteil? „Das einzige, was mir hier wirklich fehlt, ist ein richtiger Supermarkt“, gibt Micha zu.

Text:

Johanna Fischer, Nina Setzler

Fotos:

Linda Calmbach, Nina Setzler, Romy Picht

Shops in Weiherfeld-Dammerstock

Lulu im Weiherfeld in Karlsruhe

Lulu im Weiherfeld

Traditionsreiches Textilgeschäft mit Wäsche für die ganze Familie: Baby-Bodys, BHs, Boxershorts, Polohemden, Schlafanzüge, etc.

Enzstraße 5-7, 76199 Karlsruhe, Weiherfeld-Dammerstock

0721/881404
lulu-weiherfeld.de
Erasmus-Laden-Dammerstock-Karlsruhe

Erasmus-Feinkostladen

Italienische Bio-Feinkost: Naturwein, Olivenöl und Käsespezialitäten. Selbst Eingewecktes und Geschenke.

Nürnberger Str. 1, 76199 Karlsruhe, Weiherfeld-Dammerstock

0721/40242391
erasmus-karlsruhe.de
Gemüsestand-Dammerstock-StFranziskus-Karlsruhe

Gemüsestand Hegehof

Saisonaler Gemüsestand des Hegehofs aus Ladenburg. Dazu Fruchtaufstriche, Säfte und Brände.

Rechts der Alb 28, 76199 Karlsruhe, Weiherfeld-Dammerstock

0176/13559154
hegehof.de
Rita's-Lottoladen-Weiherfeld-Karlsruhe

Rita’s Lotto-Laden

Kleiner Kiosk mit DHL, Lotto und Wäscheannahme. Dazu Schreibwaren und Zeitschriften. Kleine Snacks und frischer Kaffee.

Neckarstraße 23, 76199 Karlsruhe, Weiherfeld-Dammerstock

0721/881766

Shoppen in Karlsruhe