Livestream des Jazzclub Karlsruhe Fotos: Jazzclub (1), Paul Needham (1), Heike Schwitalla (1), Nina Setzler (1)
Wann dürfen die Clubs in Karlsruhe wieder öffnen? ... und was machen die Betreiber bis dahin? Streamen, renovieren und allerlei kreative Dinge
31. Mai 2021 TEXT: 0

Wie geht es im Karlsruher Nachtleben weiter? Die Stadtverwaltung versprach neulich Unterstützung für Clubbetreiber durch Maßnahmen aus einem „Karlsruher Werkzeugkoffer“ – sobald die Landesverordnung einen Betrieb von Clubs auch in Karlsruhe wieder zulässt. Wie diese Werkzeuge genau aussehen und wer die Kosten trägt, muss entschieden werden, wenn die Modalitäten einer möglichen Öffnung bekannt sind, sagt Roland Rebmann, Pressereferent der KME. Die Entscheidung darüber fällt auf Bundes- und Landesebene.

Clubs in Karlsruhe sollen Hilfe von der Stadt bekommen

Reichen solche vagen Ankündigungen und Versprechen, um die Club- und Kulturszene zu beruhigen? Nicht ganz, meint Christian „Plüschi“ Bundschuh, Inhaber der Alten Hackerei: „Eine Stadt muss sich mehr Gedanken machen, wie die Struktur des Nachtlebens nach der Pandemie aussehen soll. Clubkultur wird in finanziell guten Zeiten als gegeben wahrgenommen. Sobald diese Branche in ein komplettes Loch fällt, überlässt man sie mehr oder weniger sich selbst, ohne konkrete Hilfsstrukturen.“

Christian Plüschi Bundschuh von der Alten Hackerei
Christian „Plüschi“ Bundschuh von der Alten Hackerei

Bei einer Öffnung kommen auf die Clubs zusätzliche Kosten zu, denn die Besucher können notwendige Corona-Tests zwar kostenlos in der Stadt machen. Die Umsetzung der Kontrollen und des Hygienekonzeptes müssen die Clubs jedoch selbst finanzieren – nicht ganz einfach, nach über einem Jahr ohne Einnahmen. „Mit einem normalen Clubleben ohne Abstandsregeln und Mundschutz wie vor der Pandemie ist laut unserem Oberbürgermeister wohl dieses Jahr nicht mehr zu rechnen“, berichtet Plüschi von einem Gespräch der Clubbetreiber mit der Verwaltungsspitze. Bis dahin wird in seinem Club geputzt, gebaut und gewerkelt – von der Lüftungstechnik bis zur neuen Theke. 

Mit der Online-Kochshow in Erinnerung bleiben

Außerdem gibt es hier kreative Aktionen wie den Sub-Kulturbeutel oder Plüschis Live-Stream aus der Küche mit Lieblingsmusik und Anekdoten über das Karlsruher Nachtleben. Änhlich im Kohi, wo online mit Gästen aus anderen Kulturinstitutionen gekocht wird. „Wir produzieren ein breit gefächertes Streaming-Programm, vom Imagefilm über Interviews, Konzerte, einer Game- und einer Radioshow“, sagt Thilo Franz vom Kohi. Er hofft ab Mitte Juni auf einige Veranstaltungen vor Publikum im Rahmen des Toujours Kultur-Open Airs auf dem Alten Schlachthof-Gelände. 

Sub-Kulturbeutel
Der Sub-Kulturbeutel enthält wichtige Utensilien für ein erfolgreiches Nachtleben

Wann der kleine Club am Werderplatz seine Innenräume wieder öffnen darf, weiß er noch nicht. „Das wird sich mit der Gesetzeslage ergeben. Wir freuen uns natürlich darauf, wieder loszulegen, sobald es auch für unseren überschaubaren Rahmen wieder möglich ist“, so Thilo weiter. Dank vieler Spenden, Hilfspakete und der Treue der Mitglieder konnte der Verein hinter dem Kohi seine Fixkosten durchgehend decken. 

Schwarze Null durch Hilfsprogramm des Bundes

Auch was die Hilfe aus der Verwaltung betrifft ist man am Werderplatz zufrieden: „Wir können uns nicht beschweren. Die Lokalpolitik hat für Härtefälle eine Unterstützung bereitgestellt, die wir bisher nicht annehmen mussten. Auf Bundesebene konnten wir durch diverse Programme wie Neustart Kultur Gelder bekommen, mit denen die schwarze Null zu halten war.

Bänke und Pflanzen auf der Terrasse des Café NUN
Bänke und Pflanzen soweit das Auge reicht – die Terrasse des Café NUN wurde bereits im Sommer 2020 neu gestaltet

Dieses Programm hat auch dem Café NUN geholfen: „Wir haben endlich die Tontechnik erneuert! Unsere technische Ausstattung war in die Jahre gekommen. Immer wieder mussten wir uns provisorisch aushelfen. Der neue Sound ist pure Liebe, genau so muss es im NUN klingen“, heißt es euphorisch in einer Stellungnahme. Nachdem die Betreiber im vergangenen Sommer schon den Außenbereich neu gestaltet haben, lohnt sich das Warten auf die nächsten Konzerte doppelt!

Umbau, Livestreams, DJ-Kurse

Der Jazzclub Karlsruhe baut ebenfalls fleißig. Mit Beginn des Lockdowns zig er in das frühere Kino Die Kurbel, das sich seither zum Konzertraum wandelt. Über Öffnungsstrategien denkt man aber noch nicht nach: „Wir haben mit dem Jubez und dem Tempel starke Partner, die uns mit ihren Räumlichkeiten unterstützen, bis der Jazzclub eröffnen kann“, sagt Vorstand Niklas Wagner. Im Jahr 2020 hat der Jazzclub dort grob 30 Livestreams (einer im Foto ganz oben) und Aufzeichnungen gemacht, auf der Website gibt es Merchandise-Artikel. Wertvolle Einnahmen für den Verein, um das Bauvorhaben weiterzuverfolgen.

Der Gotec Club in Mühlburg hat während der Schließung Gotec-Radio auf Soundcloud eingeführt, um seine Fans mit Musik zu versorgen. Außerdem wurden DJ-Workshops veranstaltet, in denen man am Rechner zu Hause die Kunst des Auflegens lernen kann. Für Oktober sind wieder Live-Veranstaltungen geplant, dann steht das 20-jährige Jubiläum an.

Fazit: Wenigstens ein bisschen Geld verdienen, die Location aufhübschen, den Leuten in Erinnerung bleiben und hoffen, dass es irgendwie bald weitergeht – mehr kann man als Clubbesitzer im Moment eigentlich nicht machen.

0 Kommentare zu Wann dürfen die Clubs in Karlsruhe wieder öffnen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.