Wegweiser Städtisches Klinikum Karlsruhe Fotos: Karlsruhepuls
Verzögerte Impfung belastet Klinik-Personal Zahl der COVID-Patienten in Karlsruhe stabil, Dauerbelastung dennoch spürbar
7. Januar 2021 TEXT: 0

398 Corona-Infizierte meldet das Gesundheitsamt heute Morgen für das Karlsruher Stadtgebiet. 49 werden aktuell im Städtischen Klinikum behandelt, davon 30 Personen auf der COVID-Allgemeinstation und 16 auf der COVID-Intensivstation, wovon neun Menschen künstlich beatmet werden müssen. Zudem liegen drei kleine Patienten auf der COVID-Pädiatrie-Allgemeinstation.

Weniger Fälle in Karlsruhe

„Wir haben nach wie vor sehr hohe Corona-Fallzahlen, die 7-Tage-Inzidenz liegt in Karlsruhe bei 81,4 und geht damit ein bisschen zurück. Jetzt wurden von Regierungsseite neue Schutzmaßnahmen eingeleitet und wir hoffen, dass wir damit einen weiteren Rückgang erreichen können“, sagt Prof. Dr. Martin Bentz, der am Klinikum die Medizinische Klinik III leitet, zu der auch die COVID-Station gehört.

Prof. Dr. Martin Bentz vom Städtischen Klinikum Karlsruhe
Hat schon eine erste Corona-Impfung erhalten: Klinikdirektor Prof. Martin Bentz

Auf der Normalstation stagnierten die Zahlen und seien im Vergleich zur Weihnachtszeit sogar leicht rückläufig. Die Intensivstation musste jedoch aufgerüstet werden. „Wir verstehen noch nicht ganz, warum. In den umliegenden Kliniken ist es genauso. Tatsächlich ist der Großteil unserer Intensivpatienten über 80 Jahre alt. Es könnte sein, dass in den Pflegeheimen über die Feiertage nicht alle Abläufe so gut funktionieren wie sonst“, schätzt Prof. Bentz. Froh sei man dennoch, dass die Eröffnung einer vierten COVID-Station im Städtischen Klinikum nicht erforderlich war.

Klinikpersonal unter Dauerbelastung

Die Intensiv-Belegungszahlen seien seit einer Woche bundesweit stabil, was aber noch keine Trendwende bedeute, stellt Pflegedirektor und Prokurist Josef Hug fest. „Unter den Mitarbeitenden macht sich die Dauerbelastung bemerkbar. Bei uns gab es zwar weder Urlaubssperre noch eine Sperre von freien Tagen – das wäre aus meiner Sicht auch völlig kontraproduktiv. Aber wir denken über einen Personalaustausch im COVID-Bereich nach.“ 19 Mitarbeitende des Städtischen Klinikums sind positiv auf SARS-CoV-2 getestet und dürfen derzeit nicht arbeiten.

Campus Städtisches Klinikum Karlsruhe
Im Städtischen Klinikum Karlsruhe werden derzeit 49 Corona-Patienten behandelt

Trotz des bundesweiten Impfstarts sind noch nicht alle Angestellten auf den COVID-Stationen geimpft, weil nicht genug Impfstoff verfügbar ist, sagt Geschäftsführer Prof. Dr. Michael Geißler. „Wir gehen aber davon aus, dass das im Lauf des Januars passieren wird. Wichtig ist, zu signalisieren, dass es jetzt losgeht. Denn es gibt Hinweise, dass diese Verzögerung die klinischen Mitarbeiter zusätzlich psychisch belastet.“

Bisherige Impfungen gut verlaufen

Bei jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seiner Klinik, die bereits im Zentralen Impfzentrum der Messe Karlsruhe geimpft wurden, sei alles glatt gelaufen, versichert Klinikdirektor Martin Bentz. Auch er selbst habe die erste Corona-Impfung erhalten und konnte lediglich eine Nacht nicht auf dem Arm mit der Einstichstelle liegen, was aber kein Problem sei.
Das Thema werde beim Klinikpersonal hoch emotional diskutiert. Manche wollten möglichst schnell drankommen, andere erst mal schauen, wie es die Kollegen vertragen, weiß Prof. Bentz. Allerdings: „Wenn wir im nächsten Herbst keinen weiteren Lockdown erleben wollen, ist es jetzt wichtig, eine hohe Impfquote zu erzielen – das Zauberwort lautet Herdenimmunität.“

Bei Ärztinnen und Ärzten liege die Impfbereitschaft etwas höher als beim Pflegepersonal, beobachtet Klinikumsgeschäftsführer Prof. Geißler: „Die Impfungen werden zu 99 Prozent gut vertragen, bisher hatte nur ein einziger Mitarbeiter danach Schüttelfrost. Ich hätte ehrlich gesagt mit mehr Nebenwirkungen gerechnet.“
Die Strategie der Stunde lautet in seinen Augen deshalb „Impfen, was das Zeug hält“ – sobald genug Impfstoff vorhanden ist. Bis in den Frühsommer hinein sei man dann weiterhin auf Masken, Abstand und Kontaktbeschränkungen angewiesen.
„Im Mai, Juni und Juli werden die Maßnahmen dann greifen, wenn sich mindestens zwei Drittel der Deutschen impfen lassen. Dann kriegen wir das Problem bis zum Sommer gelöst und das Thema Pandemie ist erst mal erledigt. Ansonsten erwartet uns eine weitere Welle im Herbst.“

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