Fotos: Ikea (1), Marcus Dischinger (3)
Ikea: Ansturm der Massen bleibt aus Erster Tag des schwedischen Möbelhauses in Karlsruhe / Geräumiges Shoppen

„Ich brauche keine Tasse, ich brauche keine Tasse“, murmelt eine junge Frau mantraartig in sich hinein. Dann stellt sie das cremefarbene Gefäß, das sie eben noch begeistert bewundert hat, wieder ins Regal und folgt ihrem Begleiter, der längst weitergezogen ist. Wo sich solche Szenen regelmäßig abspielen? Genau, in einem schwedischen Einrichtungshaus, das es seit heute auch in Karlsruhe gibt! Der befürchtete Ansturm auf den neuen Ikea-Tempel an der Durlacher Allee hielt sich in den ersten Stunden allerdings noch in Grenzen.

Großzügige Innengestaltung

Vorbereitet waren die vielen Mitarbeitenden wohl auf mehr: Zahlreiche Absperrgitter sollten die Massen lenken und verhindern, dass sich unkontrollierte Schlangen bilden. Dieser Zustand trat am Vormittag der lange erwarteten Eröffnung nicht ein: Der Zutritt war ohne Wartezeit möglich.

Keine Massen am Morgen der Eröffnung: Ohne Wartezeit kamen wir in den Karlsruher Ikea hinein

Insgesamt dürfen sich 1.900 Personen gleichzeitig im Ikea-Möbelhaus aufhalten. Das zeigt sich innen deutlich großräumiger als andere Filialen, die man als Karlsruherin und Karlsruher so kennt. Die Rolltreppen sind breit, die Aufzüge riesig und auch die Laufwege in der Möbelausstellung kommen großzügig daher. „Weniger ist mehr“ war hier offensichtlich die Devise. Deshalb sieht es aus, als ob man eine Pandemie, die den Abstand zum grundlegenden Element im öffentlichen Leben macht, bei Ikea Karlsruhe schon mitgeplant hätte. Allein im SB-Bereich geht es wie gewohnt etwas enger zu.

Pandemiebedingt kein großes Event

Ein großes Event ist die Eröffnung von Ikea in Karlsruhe nicht, Corona hat den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Eingang wird lediglich eine Flasche Wasser verteilt – das ist es auch schon. „Es ist für uns auch eine ganz besondere Premiere“, so Johannes Ferber, Real-Estate Manager bei Ikea Deutschland. Angesichts der aktuellen Lage verzichte man auf Feierlichkeiten mit Countdown, Band-Durchschneiden und Live-Musik und setze stattdessen auf ein Soft-Opening.

Sieht aus wie ein U-Bahn-Plan, ist aber ein Wegweiser durch das Karlsruher Ikea-Haus

Ansonsten gibt es sehr viel freundliches Personal, das an diesem ersten Tag (und vermutlich auch in den nächsten Wochen) sehr viele Fragen beantworten muss – nach dem Weg oder zu einzelnen Produkten. Tatsächlich ist einiges anders in diesem Ikea mit dem besonderen Konzept: Es gibt viel mehr Abkürzungsmöglichkeiten als in herkömmlichen Filialen und die umfangreiche Beschilderung erinnert an einen Online-Shop, wenn es etwa neben einem Pfeil heißt: „Einkauf fortsetzen“.

15 Prozent zu Fuß, per Rad oder Bahn 

Auch das Umfeld kommt ein wenig anders daher: Der imposante Bau ist umrahmt von teils überdachten Fahrradabstellplätzen. „Wir rechnen damit, dass rund 15 Prozent der Besucher zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns kommen“, glaubt Marktmanager Tim Geitner. Man setze mit Lastenrädern und Lademöglichkeiten für E-Bikes und E-Autos auf nachhaltige Mobilität, ergänzt er. Über eine App könnten elektrische Lastenräder und Anhänger für Auto oder Rad in den ersten drei Stunden kostenlos ausgeliehen werden. Alles, was länger dauert, kostet fünf Euro pro Stunde.

Allein im SB-Bereich ging es wie gewohnt etwas enger zu

Fünf Geschosse hat der Ikea an der Durlacher Allee inklusive dreier Parkdecks. Markthalle und Möbelausstellung – auch das ist neu – befinden sich auf einer Ebene im ersten Stock, darüber sind die Parkdecks für die Autos. Auf dem ersten Deck befindet sich auch die Warenausgabe. 100 Millionen Euro hat Ikea in diesen neuen Standort investiert, insgesamt wurden 200 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Frage des Standorts lange strittig

Warten mussten die Karlsruherinnen und Karlsruher lange auf die Schweden. Ursprünglich sollte die Filiale in Rastatt entstehen, die Regionalplanung sagte aber „nej“. Am Ende musste die Frage, ob der Ikea dort gebaut werden kann, vor Gericht geklärt werden. Das war 2013. Sieben Jahre später ist er nun in der Fächerstadt eröffnet worden. Dies sei „eine deutliche Aufwertung der Einkaufsstadt Karlsruhe“, findet Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.
Nach unserem ersten Besuch steht fest: Es ist ein supermodernes Möbelhaus geworden, der Besuch bleibt aber am Ende ein bekanntes Ikea-Erlebnis. Nur dass ihr dafür jetzt nicht mehr nach Walldorf fahren müsst.

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