Fotos: Sandy Campos (2), Nina Setzler (4)
Lockdown-Post aus Karlsruhe Ein Fotograf und eine Sängerin schaffen in der Corona-Krise Besonderes zum Verschicken

Als sie im Frühjahr wegen der Pandemie ihre Musikschule schließen musste, hat Sandy Campos gleich versucht, die Einbußen aufzufangen und Online-Lessons angeboten. „Aber das ist nicht dasselbe. Viele Neukunden bleiben trotz des attraktiven Online-Programms aus, da sie diese Art von Unterricht noch nicht kennen und Präsenzunterricht gewohnt sind“, sagt Sandy.

Support-Sonderbriefmarken

Momentan ist der Live-Unterricht sowie Auftritte und Veranstaltungen untersagt. Und da Sandy oft gefragt wurde, wie man ihr und der Musikschule helfen könne, ist sie kreativ geworden und hat sich etwas Besonderes ausgedacht: „Wenn man sich nicht persönlich sehen kann, ist es doch eigentlich naheliegend, sich Briefe oder Postkarten zu schreiben. Da bin ich auf die Idee gekommen, Sonderbriefmarken zu drucken!“

Sandy Campos hat Sonderbriefmarken kreiert, die auf die Karlsruher Musikszene aufmerksam machen

Es sei gar nicht so kompliziert wie befürchtet, seine eigene Briefmarken-Kollektion herauszugeben, verrät die Deutsch-Amerikanerin, die ihre Kindheit in den USA verbrachte. „Ich dachte, das müsste man schriftlich beantragen, dem ist aber nicht so. Das Knifflige an der Sache ist, die Motiv-Ideen für die Marken grafisch auf kleines Format zu bringen. Die Post macht dann den Rest.“

Motive von Karlsruher Künstlern

Also stellte Sandy in Eigenregie zehn Motive fertig, die sie selbst, ihre Bands, das Logo ihrer Musikschule, den Gitarrist Sören Jordan oder ein Gemälde von Manuela Schilling zeigen. „Diese Aktion soll nicht nur die Künstlerbühne unterstützen, sondern auch auf Karlsruher Künstlerinnen und Musiker aufmerksam machen“, erklärt die Sängerin.

Darauf sind neben ihr selbst auch Karlsruher Bands, Logos und Kunstwerke zu sehen

„Eine Marke ist in der Herstellung kostspieliger als das eigentliche Porto, es kommt auch auf die Auflage an. Deshalb müssen wir sie etwas teurer anbieten. Wer möchte, kann übrigens als Sponsor mit seinem Logo auf den Briefmarkenblöcken werben!“ Nachdem die erste Edition ihrer Karlsruher Support-Stamps gerade frisch im Online-Shop der Künstlerbühne eingetrudelt ist, plant die Macherin schon eine zweite Auflage mit Karlsruher Musikern: Pink Cream 69, Paul „Scruffy“ Burke, Sandie Wollasch und weitere.

Schmückt die Weihnachtspost

Der Kauf von Sandys Briefmarken-Sonderedition unterstützt die Künstlerbühne Karlsruhe und macht auf die abgebildeten Künstler und Künstlerinnen aufmerksam. Und natürlich schmückt sie auch eure Weihnachts- und Geschäftspost – oder eine Postkarte von Gustavo Alàbiso:
Der Karlsruher Fotograf hat den Frühjahrs-Lockdown im März, April und Mai in eindrucksvollen Bildern festgehalten: Einen verwaister Biergarten, ein volles Autokino oder ein Flatterband um den Kinderspielplatz.
Die Bilderserie heißt „Ihr fehlt mir!“ und zeigt das Bedrückende an sozialer Distanz, die in jüngerer Zeit so noch niemand erlebt hat. „Es ging um die Stille, die plötzlich da war, eine Art ewiger Sonntag“, sagt Gustavo.

Fotograf Gustavo Alàbiso hat den ersten Lockdown im Frühjahr dokumentiert

Er wollte diese ungewöhnliche und auch bedrohliche Ruhe in Bildern darstellen. Über die Ergebnisse können wohl viele Betrachter sagen: Ja, so habe ich das auch erlebt. Da ist etwa der leere Saal des Badischen Staatstheaters am 9. April, als eigentlich eine Oper auf dem Spielplan stand. Gustavo Alàbiso bat die Verantwortlichen, ihn trotzdem dort hinein zu lassen.

Leeres Theater, Hochzeit mit Mundschutz

Für das Fotoprojekt hat er Kontakte aktiviert und Institutionen angesprochen – nicht überall durfte er fotografieren. Gustavo ist zur gesperrten Grenze zwischen Deutschland und Frankreich gefahren, wo die Orte Scheibenhardt (D) und Scheibenhard (F) zusammengewachsen sind. Er hat ein Seniorenheim besucht, an dessen Zaun sich am 29. April eine Frau festhält, die offenbar mit einer dahinter stehenden Person spricht. Und er ist in den Botanischen Garten gegangen und hat eine Mini-Hochzeitsgesellschaft mit Mundschutz getroffen.

Volles Autokino, leerer Theatersaal … Die Lockdown-Motive sind auf Postkarten und als Katalog erhältlich

Seine Idee, die Lockdown-Bilder auszustellen, musste Gustavo wegen der neuerlichen Beschränkungen aufgegeben. Stattdessen hat er zusammen mit Citydruck Karlsruhe ein 17-teiliges Postkarten-Set und eine Broschüre mit 54 Seiten zusammengestellt. „So bekommt jetzt jeder, der mag, eine Mini-Ausstellung to go für zu Hause“, freut sich der gebürtige Italiener.

Dokumente der Zeitgeschichte

Seine Fotografien in Karlsruhe waren nur möglich, weil die Corona-Krise hier nicht so schlimm wie in Bergamo zuschlug. „Die Situation war während des ersten Lockdowns zu keinem Zeitpunkt so dramatisch wie dort. Deshalb dokumentieren die Fotos Zeitgeschichte und haben fast etwas Poetisches.“ Dennoch sei die Pandemie für viele Leute in Karlsruhe eine herausfordernde Zeit, sagt Gustavo.

Den Himmel ohne Kondensstreifen hat Gustavo über seinem Haus in der Gartenstadt fotografiert

Auch sein eigenes Geschäftsmodell wurde dadurch auf den Kopf gestellt, denn nach zwanzig Jahren als Presse-Fotograf war er im Bereich Kultur und Veranstaltungen tätig. „Jede Krise ist nicht nur Katastrophe, sondern provoziert auch eine Reaktion, zwingt zum Umdenken, lässt Neues entstehen“, so sieht es Gustavo. Derzeit arbeitet er an seinem nächsten Lockdown-Projekt und sucht Menschen, die in diesem Jahr anders Weihnachten feiern als sonst.

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