Fotos: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (2), Städtische Galerie Karlsruhe (1), Badisches Landesmuseum/ARTIS-Uli Deck (1)
Museen in Karlsruhe öffnen wieder Mit Voranmeldung und festen Zeitfenstern Werke von Rokoko bis Hotzenplotz genießen
12. März 2021 TEXT: 0

Stück für Stück kehrt die Kultur in unser Leben zurück, die Museen in Karlsruhe öffnen wieder. Für den Besuch in einer Ausstellung gelten die gleichen Regeln wie im Einzelhandel: Vorher anmelden, zum festgelegten Termin kommen und viel Abstand zu anderen halten.

Nachdem dieser Bund-Länder-Beschluss am Montag in Kraft trat, öffnete gleich tags darauf die Staatliche Kunsthalle als erstes der Karlsruher Museen wieder fürs Publikum. Dort hängt seit Mitte November völlig ungesehen von der Außenwelt die deutschlandweit erste Einzelausstellung zum französischen Rokoko-Künstler François Boucher. (Großes Bild: Schäfer und Schäferin von François Boucher)

Ansturm auf Online-Shop der Kunsthalle

Die Karlsruher Kunst-Fans haben offenbar nur darauf gewartet, seine Werke endlich live sehen zu können. Anfang der Woche stürzte wegen des großen Zugriffs sogar kurzzeitig der Online-Shop der Kunsthalle ab.

„Wir haben bereits um 6.40 Uhr die ersten Anrufe bekommen, der Ansturm war groß und er reißt auch jetzt nicht wirklich ab“, sagt Daniela Sistermanns, die neue Pressesprecherin der Kunsthalle. So kommt es, dass nun schon eine Woche im Voraus alle Zeitfenster für Besuche der François Boucher-Schau restlos ausgebucht sind.

François Bouchers Darstellung der Madame de Pompadour bildet in der Kunsthalle den Abschluss

Durch die Abstandsregeln können momentan nur 15 Personen gleichzeitig in der Ausstellung sein, das sind 80 Kunstliebhaber pro Tag. Museumsdirektorin Prof. Dr. Pia Müller-Tamm erwägt deshalb, die täglichen Öffnungszeiten zu verlängern.

Umso glücklicher ist man in der Staatlichen Kunsthalle daher auch, dass die neue Schau wahrscheinlich bis zum 30. Mai verlängert werden kann. Einige Leihgeber, zu denen auch das Amsterdamer Rijksmuseum und die Alte Pinakothek in München gehören, müssen noch zustimmen. Aber die Museumschefin erklärt, dass sich die Häuser in der Pandemie untereinander sehr solidarisch zeigen, weil gerade alle dasselbe durchmachen.

Kritische Installationen und Performances

Ihren Hunger auf Kunst können die Karlsruherinnen und Karlsruher seit Mitte der Woche auch in den Hallen des Badischen Kunstvereins stillen, wo die Ausstellung der Schweizer Künstlerin Romy Rüegger bis zum 11. April verlängert wurde. Sie zeigt Installationen und Performances, die auf Displays weiterentwickelt werden. Dabei behandelt sie Themen wie koloniale Produktions- und Handelsverhältnisse oder die Stigmatisierung fahrender Völker.

Die Städtische Galerie zeigt neue Ausstellungen von Professoren und Absolventen der Karlsruher Akademie

Ab Samstag öffnet das Stadtmuseum seine Ausstellung über Karlsruhe in den 1920er-Jahren, natürlich nach Voranmeldung und mit Schutzauflagen. Ebenso die Städtische Galerie: Neben der Dauerausstellung gibt es dort neue Exponate zu sehen, darunter Modelle von Daniel Roth, Malerei und Klangkunst von Ralf Gudat und Werke von Wilhelm Loth.

Diese drei Künstler sind eng mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe verbunden. Das gilt auch für Stefanie Patruno, die neue Leiterin der Städtischen Galerie. Sie ist erleichtert, bald wieder Gäste zu begrüßen. „Wir haben zwar in den zurückliegenden Monaten viele Kunstinteressierte online erreicht. Aber die Erfahrung vor und mit dem originalen Kunstwerk kann dadurch auf Dauer nicht ersetzt werden“, findet sie.

Naturkundemuseum zeigt Sonderschau über Kaffee

Für Dienstag, den 16. März, haben auch Naturkundemuseum und Badisches Landesmuseum ihren Neustart angekündigt. Dann geht es um Kaffee, sei es in der Sonderschau über die beliebte Bohne im Naturkundemuseum oder aus Großmutters Kaffeemühle in der Familienausstellung „Räuber Hotzenplotz“ im Landesmuseum. Dafür verlosen wir zwei Plätze für Freitag, den 19. März von 14.50 bis 16.05 Uhr. Ihr könnt je eine Begleitperson oder zwei Kinder mitbringen!

Die Mitmachausstellung zum Kultbuch von Orfried Preußler im Badischen Landesmuseum

Als Letztes der Karlsruher Museen öffnet am kommenden Mittwoch dann das ZKM nach dem Lockdown wieder. Dort sind Installationen von Chiharu Shiota und Alexander Schubert zu sehen, außerdem die Ausstellungen Critical Zones und Writing the History of the Future. 

Wie lange bleiben die Museen in Karlsruhe geöffnet?

Wie lange die Museen in Karlsruhe ihre Kunst diesmal „in echt“ präsentieren, ist leider noch unsicher, denn der Inzidenzwert steigt. Für Karlsruhe liegt er momentan bei 89,1 – und strebt damit gefährlich schnell der Zahl 100 entgegen, ab der nicht nur die Museen wieder schließen müssen. 

 

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Darum ist es gut, dass mittlerweile alle Museen in Karlsruhe über spannende digitale Angebote verfügen: So organisiert etwa die Kunsthalle diverse Online-Führungen zur Boucher-Ausstellung. Dabei werden spannende Hintergründe zu den Werken erläutert, Nahaufnahmen gezeigt und auch Fragen des Publikums beantwortet.

Das Naturkundemuseum geht derweil auf Instagram live und interviewt zum Beispiel Kaffee-Experten – diese Events sind auch im Nachgang abrufbar. Und das Badische Landesmuseum bereichert seine Digital-Aktivität mit der Podcast-Reihe „Is ja ‘n Ding!“. Dort können nicht nur Kinder in vergangene Zeiten eintauchen und Objekte aus dem Museum kennenlernen.

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