Sabine Jantzer-Schmidt in ihrer Praxis in Karlsruhe Fotos: Nastassia Hornung
Glücklich mit mir, glücklich mit dem Partner Beziehungscoach Sabine Jantzer-Schmidt weiß, wo es in der Liebe oftmals hakt

Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich, schweben auf Wolke sieben und tun kleine Macken des Partners als liebevolle Eigenheit ab – so beginnen viele Beziehungen, wenn Gefühle und Hormone am Steuer sitzen. Dass sich der Blick durch die rosarote Brille mit den Jahren in ernsthafte Beziehungsprobleme umfärben kann, erwartet da noch keiner.

Schuld sind zum Beispiel feste Erwartungen, die selten angesprochen werden, verletzende Kommunikation oder Themen, die in die Beziehung eingeschleppt werden und in gegenseitigen Vorwürfen enden, weiß Beziehungscoach Sabine Jantzer-Schmidt.

Sabine Jantzer-Schmidt am Laptop
Seit der Corona-Pandemie spricht Sabine mit vielen Beratungsteilnehmern online

„Es wäre ziemlich gut, wenn Paare sich von Anfang an coachen lassen würden. Dann gäbe es viel weniger Probleme mit dem Erwartungsmanagement. Aber das macht natürlich niemand“, sagt Sabine, die in Daxlanden die Praxis SJS-Beratung führt. „Die meisten kommen erst zur Paarberatung, wenn sie selbst keinen Weg mehr finden, ihre Probleme zu lösen. Oft auch erst dann, wenn ein Teil sich trennen will.“

Einzel-, Paar- und Gruppenberatung

In ihrer Beratung gibt sie Paaren oder Einzelpersonen die Möglichkeit, sich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen und gezielt nach Lösungen zu suchen. Neben der Einzel- und Paarberatung hat Sabine auch eine Gruppentherapie im Angebot, die jedes Mal anders abläuft. „Mal hat jemand ein Problem, das unter den Nägeln brennt und über das er oder sie unbedingt mit uns sprechen will. Ein anderes Mal geht es vielleicht um allgemeinere Infos zu Beziehungsthemen.“

Vor Corona hat sich die systemische Beraterin mit ihren Klientinnen und Klienten in der Praxis getroffen. Durch die Pandemie wurden Treffen etwas schwieriger, waren aber machbar, wenn nicht gerade Lockdown war. „Wir haben uns mit Abstand zum ‚Walk and Talk‘ getroffen oder im kleinen Kreis mit Masken in der Praxis. Derzeit treffe ich mich mit einem festen Stamm online“, erzählt die 49-Jährige. Das klappe über die gängigen Video-Call-Systeme mit sechs bis acht Leuten ganz gut.

Problematische Muster durchbrechen

Ein weiteres Format ist die Beratung von Paar zu Paar: Sabines Mann ist ebenfalls systemischer Berater, manche Paare lassen sich deshalb von beiden zusammen coachen. „Wir haben dann Gespräche zu viert oder auch mal nur zu zweit. Wenn die Klienten es zulassen, arbeiten wir auch abwechselnd mit den beiden“, so die Beziehungsexpertin.

Der systemische Ansatz profitiere davon, denn er will problematische – oder korrekter gesagt: dysfunktionale – Muster durchbrechen. Zudem könne jeder Berater den anderen spiegeln, was bei der Wahrung der Neutralität hilft.

Online-Beratung von Sabine Jantzer-Schmidt
In kleiner Runde funktionieren ihre Beziehungscoachings auch per Video-Call

Tipps für eine harmonische Beziehung teilt die Therapeutin gern: „Gegenseitiger Respekt ist essenziell. Ich muss mir bewusst zu machen, dass der Mensch neben mir wertvoll ist und sollte keine Geringschätzung an den Tag legen.“ Wer mit sich selbst im Großen und Ganzen zufrieden ist, hat ebenfalls gute Aussichten auf eine funktionierende Beziehung. „Sonst kann es sein, dass ich Konflikte nicht in mir, sondern in meiner Partnerschaft verorte und sie dann meinem Partner zum Vorwurf mache. Dabei verkenne ich, dass die Ursache darin begründet liegt, dass ich mich selbst klein mache und mir wenig zutraue“, nennt Sabine ein Beispiel.

Streit: ja, aber zielführend!

Sie und ihr Mann nutzen auch für ihre eigene Beziehung systemische Werkzeuge. „Natürlich streiten wir auch, aber sehr zielführend. Wir haben früh darüber geredet, was der andere braucht und dann immer versucht, unsere Konflikte von den Emotionen zu trennen – auch wenn es schwerfällt.“ Doch offenbar funktioniert es, denn die beiden sind seit 29 Jahren glücklich. Nach der Geburt ihres Sohnes (18) und der Zwillingstöchter (14) hat Sabine sich beruflich umorientiert.

Früher war sie leitende kaufmännische Angestellte eines Unternehmensbereichs bei Siemens. Später zog es sie dann eher weg von den Zahlen und hin zu den Menschen: Sie absolvierte erst eine zweijährige Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, dann eine dreijährige Ausbildung zur systematischen Beraterin und systematischen Paar-Beraterin. Aktuell lässt sie sich zur Mediatorin ausbilden. „Ich erweitere immer gern mein Wissen – heute ist meine Leidenschaft für zwischenmenschliche Beziehungen zum Beruf geworden.“

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