Fotos: Nina Setzler (3), Marcus Dischinger (2)
Satire blitzt nur ab und zu im Wahlkampf auf OB-Kandidatin Vanessa Schulz muss sich unter Corona-Bedingungen einen Namen machen

Am 6. Dezember wählen die Karlsruherinnen und Karlsruher einen Oberbürgermeister. Oder wird es zum ersten Mal eine Oberbürgermeisterin? Vanessa Schulz (Die Partei) hätte das gern. „Wie es aussieht, könnte es klappen“, meint sie selbstbewusst. Und setzt noch einen drauf: „Viel schlechter als die Vorgänger Mentrup und Fenrich kann man es nicht machen“.

Xavier Naidoo hat etwas dagegen

Die gebürtige Osnabrückerin will die Fächerstadt in „Karlasruhe“ umbenennen – für viele eine typische Partei-Forderung. Vanessa Schulz verbindet damit aber auch das ernsthafte Anliegen, Benachteiligung und Diskriminierung, bezogen auf Geschlechter, Verkehrsgruppen oder soziale Gruppen zu beseitigen.

Ein großes Wahlplakat mit Vanessa Schulz steht an der Ludwig-Erhard-Allee

Über ihre Idee, der Fächerstadt einen geschlechtergerechten Namen zu geben, reden nicht nur die Karlsruherinnen und Karlsruher, sondern auch der Mannheimer Sänger und Verschwörungstheoretiker Xavier Naidoo: Er hat sich darüber im Messengerdienst Telegram echauffiert. Das macht Vanessa Schulz stolz: „Lebe so, dass Xavier Naidoo etwas dagegen hat!“, gibt sie als Motto aus.

Anders als beim Partei-Vorsitzenden Martin Sonneborn, der bereits in zweiter Wahlperiode das Europäische Parlament aufmischt, sieht man dem Programm von Vanessa Schulz aber ansonsten kaum an, dass es von einer Initiative kommt, die den Politikbetrieb ad absurdum führen will:

Sozial: An der Lebensmittel-Ausgabe von „Herzprojekt Karlsruhe“ informiert sich Vanessa Schulz (l.) über die Arbeit der Vorsitzenden Sonja Schwald

Sie setzt sich für Klimaschutz in der Stadt ein, will günstigen Wohnraum schaffen, Umleitungen an Baustellen besser ausschildern und zwei neue Bürgermeister installieren – einen fürs Fahrrad und einen für die Nacht. Außerdem fordert die 40-Jährige einen umweltschonenden Bau der zweiten Rheinbrücke sowie die Aufnahme von mehr Flüchtlingen.

Auch die Rechte von Tieren haben große Bedeutung für die OB-Kandidatin. Das „T“ im Namen ihrer Partei steht für Tierschutz. „Der ist uns wirklich wichtig“, betont Schulz. Beim Besuch im Karlsruher Tierheim hört sie die Sorgen und Nöte von Tierheimleiter Raphael Schramm. Seine Einrichtung, die für Karlsruhe so wichtig ist, platze aus allen Nähten und müsse dringend baulich erweitert werden, sagt er.

Tierschutz steht im Wahlprogramm von Vanessa Schulz ganz weit oben

Geld dafür ist aber nicht da, Hunde müssten abgewiesen werden und für die Nutzung der angrenzenden Grünfläche als Auslauf bekomme er kein Okay der Stadtverwaltung. „Ich werde mich schlaumachen und den amtierenden Oberbürgermeister fragen“, entgegnet Vanessa Schulz.

Unterwegs mit dem Wahlkampf-Fahrrad

Sie ist bei einem großen deutschen Konzern im Projektmanagement tätig, würde aber „lieber bald in die Karlsruher Stadtverwaltung wechseln“. Dazu muss sie die Herausforderung meistern, sich in wenigen Wochen bei einer breiten Masse von Karlsruherinnen und Karlsruhern bekannt zu machen.
Das versucht sie durch ihr auffällig blaues Wahlkampf-Fahrrad, das mit einem Antrieb ausgestattet ist. Und natürlich doch auch mit einer Prise Witz: Die Kabbelei um den Stadtion-Neubau führe sie mit Herrn Wellenreuther gerne öffentlichkeitswirksam fort, so Vanessa Schulz – aber nicht mehr vor Gericht!

Mit ihrem blauen E-Bike fährt die OB-Kandidatin zu vielen Terminen in Karlsruhe

Ein Vorbild für ihre Kandidatur ist der isländische Komiker Jón Gnarr, der zwischen 2010 und 2014 Bürgermeister von Reykjavík für „Die beste Partei“ war. In seinem Wahlprogramm fanden sich Forderungen wie „offene statt heimliche Korruption“ und „ein drogenfreies Parlament“. Im Gegensatz zu Gnarr, der vor seiner Wahl schon im örtlichen Parlament saß, hat Schulz keine kommunalpolitische Erfahrung.

Deshalb ist der Wahlkampf unter Pandemie-Bedingungen auch nachteilig, was die Auseinandersetzungsmöglichkeiten mit den Mitbewerbern angeht. „Eine Konfrontation wäre wichtig gewesen“, sagt die Partei-Kandidatin über fehlende Auftrittsmöglichkeiten. Foren mit den KandidatInnen werden gestreamt und haben meist kein Publikum vor Ort.

Bekannt aus den sozialen Medien

Im OB-Wahlkampf ist Vanessa Schulz deshalb eine der weniger bekannten Bewerberinnen. Ganz anders sieht das in den sozialen Netzwerken aus: Dort agiert sie als Administratorin der Facebook-Gruppe „Karlsruhe“ mit rund 25.000 Mitgliedern und moderiert in „Essen gehen in und um Karlsruhe“. Ihre Online-Aktivitäten verhelfen ihr zu einem großen Netzwerk. Und geben ihr ein großes Reservoir an Themen, die die Menschen in der Stadt bewegen.

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