Rechtsanwältin Meike Rastätter Foto: Kanzlei Rastätter
Trotz Corona kein Mehrbedarf an Testamenten Wie eine Rechtsanwältin in Karlsruhe ihre Mandanten durch die Krise begleitet
26. April 2020 TEXT: 1

Seit Wochen erlebt Rechtsanwältin Meike Rastätter einen regelrechten Ansturm. Ihre familiengeführte Steuerkanzlei in Karlsruhe berät mittelständische Unternehmen, viele davon trifft die Corona-Krise schwer. „Für Gastronomen ist die Situation beispielsweise drastisch. Sie haben große Umsatzeinbußen und Beratungsbedarf, etwa bei der Antragstellung für die finanziellen Soforthilfen“, so Meike Rastätter.

Die ersten Wochen waren chaotisch

Um die weggebrochenen Einnahmen zu kompensieren, musste sie für ihre Mandanten Kurzarbeit beantragen oder Verträge gestalten, in denen sich Arbeitgeber und Angestellte auf niedrigere Bezahlung oder Beantragung des Jahresurlaubs einigen. „Die ersten Wochen waren chaotisch, denn alle Gesetze sind neu und mit heißer Nadel gestrickt. Einige unserer Mandanten bekamen die beantragten Hilfsgelder sogar doppelt ausgezahlt.“

Behalten dürfen sie diese aber nicht, ohne in eine strafrechtliche Zone zu schlittern, weiß Meike Rastätter. „Teil unserer Beratung ist auch, klar zu sagen: Zuschüsse werden jetzt vielleicht angewiesen, in einigen Monaten kann es aber heißen, dass eine existenzbedrohende Lage damals nicht vorlag.“

Auch die Rechtsanwältin aus Karlsruhe, die zusammen mit Vater und Brüdern eine Kanzlei führt, musste sich auf das Corona-Virus einstellen. „Zum Glück haben wir schon vor Jahren die elektronische Akte eingeführt. Keiner bekommt mehr Papier auf den Tisch, alles wird eingescannt und via VPN-Tunnel bearbeitet. Unsere 16-köpfige Belegschaft arbeitet jetzt zu Hause – bis auf jene mit Kindern, die können sich dort nicht konzentrieren.“

Per Video ins Nebenzimmer

Gespräche mit den Mandanten laufen hauptsächlich telefonisch. Wer lieber Face-to-Face spricht aber keinen Videochat installieren will, darf sich im Besprechungszimmer der Kanzlei vor einen Bildschirm setzen. Per Kamera schaltet sich dann ein Anwalt aus dem Nebenzimmer zu.

Interessant an der momentanen Situation findet die Rechtsanwältin aus Karlsruhe, die sich auf Erbrecht spezialisiert hat, dass kein Mehrbedarf an Testamenten oder Vorsorgevollmachten herrscht. „Da erlebe ich sogar einen Rückgang. Die Leute spüren eine existenziell bedrohliche Lage, jedoch offenbar nicht in dem Sinn, als dass Corona auch sie selbst schwer treffen könnte.“

Existenzängste und Übersprungshandlungen

Angst besteht ihrer Ansicht nach eher vor dem Unmittelbaren, dass etwa am nächsten Tag nicht mehr genug Geld vorhanden ist. „Wir erleben Situationen, in denen Mandanten krasse Existenznöte haben und nicht weiterwissen. Natürlich versuchen wir, so gut es geht für sie da zu sein. Trotzdem kommt es hier und da zu Übersprungshandlungen und jemand möchte zum Beispiel seinen Arzt verklagen, weil er keinen Corona-Test bekommt.“

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