Fotos: Carl Forger (2), Desmond Kelly (1), Thomas Fess (1), Paul Burke (1)
Irische Community: Der St. Patrick’s Day in Karlsruhe Der irische Feiertag fällt in diesem Jahr anders aus als sonst – again! Trotzdem könnt ihr mit Musik und leckerem Essen feiern
17. März 2021 TEXT: 1

Heute ist St. Patrick’s Day, der irische Nationalfeiertag. In Karlsruhe und auch anderswo auf der Welt wird er normalerweise mit einer feierlichen Parade und grünen Accessoires gefeiert, weil Irland „die Grüne Insel“ ist und das dreiblättrige Kleeblatt Shamrock ihr nationales Symbol. 

Große Parade fällt schon wieder aus

In Jahren ohne Pandemie treffen sich am 17. März Iren, Irinnen und deren Freunde, um anlässlich des St. Patrick’s Day mit Musik, Gesang und ein paar Guinness durch Karlsruhe zu ziehen. Wegen Corona ist das nun zum zweiten Mal infolge nicht möglich. „Letztes Jahr wurde genau einen Tag vorher alles dichtgemacht. Das war für die Pub-Betreiber schlimm, weil St. Patrick’s Day der umsatzreichste Tag im Jahr ist“, sagt Desmond Kelly. 

Desmond spielt irischen Folk und steht immer wieder sonntags mit seiner Trommel in Scruffy’s Pub

Er hätte damals ab nachmittags in Linden’s Irish Pub irischen Folk spielen sollen, danach mit anderen Musikern am Umzug durch die Stadt teilnehmen und abends noch einen Auftritt im Old Chapel Pub in der Oststadt gehabt. 

Seit 2003 lebt der studierte Physiker in Karlsruhe, seine Frau stammt von hier, die beiden haben sich in Irland kennengelernt und waren zusammen auch eine zeitlang in Australien, wo sie auf Bauernhöfen oder in Weinbergen gejobbt haben. 

In den Irish Pubs trifft man Leute aus aller Welt

Dieses Work-and-Travel gibt es auch heute noch überall auf der Welt, oft sind es junge Leute, die einige Zeit zum Beispiel in Karlsruhe bleiben, schauen, wo sie Arbeit bekommen und dann gern in die Irish Pubs der Fächerstadt kommen, weil sie hier englisch sprechen können.

Auch Desmond ist dort, wenn er gelegentlich Musik macht. Oder mit Freunden Sport schaut und ein Bier trinkt. „Früher gab es neben unserer Wohnung in der Südstadt The Claddagh Ring, ein Pub, den Seán Treacy und sein Bruder Padraig betrieben haben. Dort waren wir oft.“ 

Paul „Scruffy“ Burke betreibt einen Pub und organisiert die jährliche Parade zum St. Patrick’s Day

Beim Europaplatz liegt Scruffy’s Irish Pub von Paul Burke, eine richtige Musikerkneipe, in der auch Desmond ein-, zweimal im Monat seine Folksongs spielt. Mit Gitarre oder irischer Trommel und manchmal singt er sogar auf gälisch.

Neben den Pubs mit Musik-Fokus gibt es auch Sport-Pubs wie Linden’s in der Südweststadt, wo Rugby oder Fußball läuft. „Manchmal gehe ich gezielt dahin, um wieder ein paar (Lands)leute zu treffen. Mit zwei Kiddies klappt das aber heute nicht mehr so oft“, sagt Desmond. 

St. Patrick’s Day-Hüte zum Mitnehmen

So geht es auch Paul Burke. „Zurzeit trifft sich die irische Community eher auf den Karlsruher Spielplätzen mit ihren Kindern …“, lacht er. Seit 2004 organisiert Paul, den alle „Scruffy“ nennen, die Karlsruher Parade zum St. Patrick’s Day.

Er kam 1991 als Straßenmusiker nach Deutschland. Seit 1994 nennt er Karlsruhe seine Heimat und hält Kontakt zur Irish-Community, natürlich auch durch seinen Pub. Dort wird es heute anlässlich des irischen Feiertags eine Box mit St. Patrick’s Day-Hüten zum Mitnehmen geben – „damit wir wenigstens ein bisschen Grün zu Hause haben!“ 

Grüne Hüte, Bier und Musik: So fröhlich war die Karlsruher Parade in der Vergangenheit

Beer-to-go bietet er aber nicht an, weil „der To-go-Teil nicht klappt. Die Leute bleiben dann einfach vor der Kneipe stehen“, weiß Paul. Ein wenig irische Kulinarik gibt es dafür im Gasthaus Zum kleinen Ketterer. Dort beginnt nämlich heute die Irische Woche mit Leckereien wie Stew (Lamm-Gemüse-Eintopf), Shepherd’s Pie (Kartoffel-Hackfleisch-Auflauf) und Whiskey-Kaffee-Mousse, die auch nach Hause geliefert werden.

Irish Stew, Shepherd’s Pie und Burger für zu Hause

Samuel Henderson von Henderson’s Irish Pub in der Oststadt versorgt euch mit Burgern aus irischem Fleisch zum Mitnehmen. „Das kommt richtig gut an! Die Gäste freuen sich, wenn sie uns supporten können – und der Hunger auf Burger ist ja bekanntlich endlos“, sagt Sam. 

Bock auf irische Burger? Sam Henderson bietet in seinem Pub Herzhaftes zum Mitnehmen an

Er betreibt seine Kneipe seit 2015, als er spontan das Angebot dazu bekam. „Im Nachhinein gesehen war das eine wilde Aktion – aber sie hat sich richtig angefühlt! Ich habe in einer Band gespielt, häufig sind wir auch in Deutschland aufgetreten. Damals hatte ich mein Studium abgebrochen und wusste nicht, wohin die Reise gehen soll.“

Durch die Gigs hatte er Connections in die Irish Pub-Szene und als sich die Möglichkeit ergab, einen Laden in Karlsruhe aufzumachen, stand Sam kurz darauf mit zwei großen Koffern und einem One-Way-Ticket am Flughafen! „Ich war 23 und konnte kaum Deutsch …“, erinnert er sich. Das hat sich geändert, dennoch ist ihm der Kontakt zur irischen Community wichtig. „Damit ich meine Identität und meinen Akzent nicht verliere“, lacht er. 

Mit Musik gegen die Lockdown-Melancholie

Sam Henderson versucht, trotz Corona positiv zu bleiben. „Unter normalen Umständen wäre hier im Pub eine fette Party mit Livemusik und allem, was dazu gehört. Ich schäme mich fast, aber bis gestern hatte ich vergessen, dass St. Patrick’s Day ist. Corona hat einfach alles Schöne geschluckt, sogar die Paddy’s-Vorfreude.“

Wer sich ein wenig mit Musik von der Lockdown-Melancholie ablenken will, kann in die neue Single der Irish Folkpunk-Band Jamie Clarke’s Perfect reinhören: Dahinter steckt der Musiker Jamie Clarke, ein Brite mit irischen Vorfahren. In den vergangenen 20 Jahren hat er an jedem St. Patrick’s Day irgendwo auf der Welt mindestens ein Konzert gespielt.

„Ich liebe irische Musik, irisches Bier und habe sehr viele irische Freunde. Auf der St. Patricks Day-Party in Karlsruhe war ich allerdings nur einmal – nachmittags. Abends habe in Darmstadt ein Konzert gespielt“, erinnert sich Jamie. Seine neue Single heißt „The Admiral“ (Video oben) und ist „ein rebellischer Song, der mit seiner Hookline durch die sieben Meere des Lebens segelt und alle Folk-Punker und Piraten gleichermaßen einfängt“, wie der Künstler poetisch beschreibt. Vielleicht genau das Richtige für diese Zeit!

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