Fotos: Nastassia Hornung (3), Nina Setzler (2)
Die Zeichen stehen auf Wurm In diesen Karlsruher Bars und Restaurants könnt ihr Insekten essen!
21. Juni 2020 TEXT: 0

Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer – sind das die Nahrungsmittel der Zukunft? Seit 2018 fallen die kleinen Krabbler unter die EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel; auch in Karlsruhe findet man sie immer häufiger in Supermärkten und auf Speisekarten.

Heuschrecken-Flammkuchen im Phono

Die Craftbeer-Bar Phono erkannte den Trend früh und backt schon seit mehreren Jahren Flammkuchen mit Heuschrecken. „Die sind zwar nicht unsere Verkaufsschlager, werden aber immer mal wieder von Leuten bestellt, die etwas Neues ausprobieren möchten. Einige Stammgäste kommen auch gezielt deswegen zu uns“, sagt Inhaber Thomas Elischer (Foto). 20 gefriergetrocknete Heuschrecken garniert er auf einem Bett aus Lauch, Tomate, Brokkoli, Paprika und Edamer, bevor er alles zusammen in den Ofen schiebt.

Das Phono kombiniert Heuschrecken mit Lauch, Brokkoli und Tomaten auf einem Flammkuchen-Teig

Für Neulinge bedeutet der Biss in die knusprig gebackenen Krabbeltiere oft Überwindung. „Danach stellen viele fest, dass sie nussig, strohig und sogar etwas nach Honig schmecken“, weiß der Gastgeber. Ein Mitarbeiter aus Mexiko hatte eines Tages eine Tüte Heuschrecken dabei. Weil er sonst kein Fleisch isst, legte er sie auf einen vegetarischen Flammkuchen. Das bekamen ein paar Gäste mit, seither stehen die Insekten auf der Karte.

„Er ist unser Markenzeichen geworden, wir verdienen aber nichts am Heuschrecken-Flammkuchen. Der Preis von zehn Euro deckt gerade den Wareneinsatz“, sagt Thomas, der seine Ess-Insekten in den Niederlanden ordert – dort ist das Angebot größer als hier.

Mehlwürmer als Bier-Snack

Tobias Meier von der Roten Taube bietet seit Mai Insekten-Food an, die Idee entstand in der Corona-Krise. Wie auf asiatischen Nacht-Märkten können seine Gäste nun geröstete Grillen, Mehlwürmer, Buffalowürmer und Heuschrecken zum Bier knabbern. Wenn man nicht zu genau hinschaut, erinnert deren knusprige Konsistenz an Chips, finden Tester.

Grillen, Würmer und Heuschrecken knabbern Gäste in der Roten Taube zum Bier

„In schwierigen Zeiten möchten wir den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dafür steht unser Motto ‚Rote Taube goes Tote Raupe‘“, so der Gastronom. Die Insekten gibt es auch als Flammkuchen-Belag, weitere Gerichte wie Salat mit Grillen-Topping sollen folgen.

Hochwertige, klimafreundliche Proteinquelle

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sieht das als gesunde Alternative zu Fleisch: „Grundsätzlich sind Insekten eine hochwertige Nahrungsquelle mit hohen Protein- und Fettgehalten, reich an ungesättigten Fettsäuren, essenziellen Aminosäuren und Mikro-Nährstoffen wie Vitaminen und Spurenelementen“, schreibt der Verein. Bei der Aufzucht und Verarbeitung von Insekten falle zudem weniger CO2 an als etwa bei Rindfleisch. 

So sieht der Phono-Flammkuchen aus, wenn er fertig gebacken ist

Dschungelprüfung bei Marianne’s Flammkuchen

In vielen Teilen der Erde sind Insekten ein wichtiger Teil der Ernährung, betont Christian Pudlo von Marianne’s Flammkuchen: „Wir Europäer sind in der privilegierten Lage, keine Insekten essen zu müssen – auf anderen Kontinenten ist das aber gang und gäbe.“
Einmal pro Jahr winkt seinen Gästen eine „Dschungelprüfung“: Zeitgleich zum TV-Zeltcamp im australischen Busch serviert er Flammkuchen mit ganzen Heuschrecken. „Die Gäste müssen sie vor dem Essen pulen, ähnlich wie eine Garnele. Wir erklären ihnen genau, was zu tun ist – Flügel und Beine müssen entfernt werden“, sagt Christian.
Typischerweise kommen dann Gruppen von Jungs für eine Mutprobe vorbei. Es ist aber auch eine gute Gelegenheit, sich bewusst mit dieser Art des Essen auseinanderzusetzen. 

Insekten-Burger von Hans im Glück

Das Hans im Glück brät in der Postgalerie futuristische Burger aus 20 Prozent Mehlwürmern. „Man erkennt die Insekten nicht mehr, sie sind klein verarbeitet und mit Bulgur und Kichererbsen vermischt. Das bestellen oft Leute, die auch Falafel mögen“, erklärt Betriebsleiter Keder Issa. Der Bratling, den die Fast-Food-Kette exklusiv bei der Schweizer Firma Essento einkauft, besitzt ein knuspriges Mundgefühl und schmeckt nussig. Er wird zusammen mit Gemüsetatar und Kräutern zwischen ein Ciabatta-Brötchen geschichtet.

Hans im Glück bietet in ausgewählten Filialen Burger mit Insekten-Patty an – hier in der Postgalerie in Karlsruhe

Zu normalen Zeiten macht ein Flyer in der Speisekarte auf den Insekten-Burger für 9,40 Euro aufmerksam. Coronabedingt gibt es bei Hans im Glück allerdings derzeit scannbare Online-Karten, in denen dieser Hinweis noch fehlt. Also: Vor Ort gezielt danach fragen!

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