Fotos: Nastassia Hornung
Das Bad in der Kälte brachte Sonne in ihre Seele Svetlana Dineva fand mitten im Lockdown-Frust zum Kaltbaden. Das hat ihr Leben verändert
25. Februar 2021 TEXT: 0

Es war am 24. Dezember 2020, als Svetlana Dineva ihr persönliches Weihnachtsgeschenk bekam. Wobei das nicht ganz stimmt, denn im Grunde hat sich die gebürtige Russin, die vor über 20 Jahren nach Deutschland kam, selbst beschenkt. An Heiligabend, einem trüben und nasskalten Tag mitten im zweiten Lockdown, an dem sie wie so viele Menschen überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung war, ging Svetlana Dineva baden. Nicht in der eigenen Badewanne mit heißem Wasser und duftendem Schaum, sondern im Fermasee bei Neuburgweier. 

Sie ist der Typ Mensch, der ständig friert

Warum das? „Eine Freundin von mir betreibt Kaltbaden als Hobby und hatte schon länger versucht, mich zu überzeugen, es auch mal auszuprobieren“, erinnert sich die 44-jährige Architektin und Designerin. „Anfangs schob ich diese Idee ganz weit weg von mir, weil ich ein Typ Mensch bin, der ohnehin ständig friert“, verrät Svetlana, die mit ihrer Familie in Rüppurr lebt. „In meinem Freundeskreis werde ich immer wieder geneckt, weil alle der Meinung sind, dass eine gebürtige Russin doch an eisige Kälte gewohnt sein müsste. Aber in meinem Fall nützen mir meine Wurzeln nichts: Ich habe großen Respekt vor Kälte.“ 

Svetlana Dineva vor dem Kaltbaden am Fermasee
Svetlana wollte die Lockdown-Leere mit einer neuen Erfahrung füllen – die sie dann völlig überwältigte

Der Grund, warum sich Svetlana Dineva schließlich doch ins kalte Nass des Fermasee wagte, ist schnell erklärt: „Ich war wie so viele Menschen während des zweiten Lockdowns total niedergeschlagen“, erzählt die zweifache Mutter. „Beim ersten Mal im Frühjahr war ich noch optimistisch, dass die Pandemie schnell vorbeigeht. Aber als zum zweiten Mal alles dichtgemacht wurde, hat der Pessimismus bei mir die Oberhand gewonnen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich meine innere Leere mit einer neuen Erfahrung füllen musste.“

Aus Neugier stieg sie ins eiskalte Wasser

Und natürlich sei auch ein bisschen Neugier dabei gewesen: Sie wollte einfach wissen, wie sich das anfühlt, mitten im Winter in einen See zu steigen! „Dazu muss man sagen, dass in meiner Heimat das Kaltbaden eine lange Tradition hat. Die Leute schlagen Löcher ins Eis und tauchen unter, meistens drei Mal. Es ist eine Art Brauch am russischen Dreikönigstag.“ 

Warum also sollte eine Russin nicht am europäischen Heiligabend baden gehen? „Eben, warum nicht?“, lacht Svetlana Dineva und wird dann schnell ernst, als sie sagt: „Allerdings hatte ich keine Ahnung, was dieses Erlebnis mit mir machen würde. Es hat nämlich mein Leben verändert.“ 

Svetlana Dineva beim Kaltbaden im Fermasee
Schwimmen mit Mütze: Beim Kaltbaden ist es wichtig, sich nicht zu erkälten!

Wenn sie von diesem ersten Bad im Fermasee spricht, brechen sich bei Svetlana Dineva tiefe Emotionen Bahn: „Ich tauchte in dieses Wasser, spürte die Wärme im Vergleich zur Außentemperatur und schwamm ein paar Züge – und plötzlich war meine Welt wieder bunt und sonnig“, sagt sie und schiebt hinterher: „Ich weiß, dass das ein bisschen verrückt klingt, aber genauso war es: Dieses Erlebnis hat mich allen Trübsinn und alle negativen Gedanken vergessen lassen.“

Jetzt ist Kaltbaden ihr regelmäßiges Wellness-Ritual

Überwältigt von dieser ersten Erfahrung machte es sich Svetlana Dineva zur Gewohnheit, einmal die Woche in den Fermasee abzutauchen. „Bald kam ich auf zwei bis drei Mal die Woche, inzwischen sind es fünf bis sechs Mal“, verrät sie. „Meistens zu Tageszeiten, an denen am See nur wenige Leute unterwegs sind, zum Beispiel bei Sonnenaufgang. Ich mag es nicht so gerne, wenn mich jemand beobachtet oder mich sogar anspricht, ob ich denn wahnsinnig sei, mitten im Winter ins Wasser zu gehen.“ 

Fürs Kaltbaden zum Fermasee: Svetlana Dineva
Mal wie hier am Fermasee, mal am Epplesee steigt die Architektin ins winterliche Gewässer

Manchmal zieht es Svetlana Dineva zum Eisbaden auch zum Rheinstettener Epplesee, doch meist ist es „ihr“ Fermasee, der mit seiner „einzigartigen“ Atmosphäre das Kaltbad zum besonderen Erlebnis macht. „Anfangs war ich nur einige Sekunden im Wasser, inzwischen bleibe ich ein bis zwei Minuten drin und schwimme ein bisschen oder plansche auch nur“, erzählt sie. „Ganz ehrlich: Ich kann jedem nur empfehlen, es auch zu probieren. Aber mit Vernunft, denn man sollte schon ein bisschen auf seine Gesundheit achten.“

Wichtig beim Kaltbaden: Schutz vor Unterkühlung

Damit sie sich nicht erkältet, folgt Svetlana Dineva vor ihren Bädern einer strikten Routine: „Ich wärme mich auf der Autofahrt zum See richtig kräftig auf“, erklärt sie. „Im Freien trage ich einen dicken Bademantel und Winterstiefel. Nach dem Bad trockne ich mich sehr gründlich ab, vor allem die Füße, denn wenn die nass bleiben, werden sie rasch eiskalt.“

Utensilien zum Kaltbaden: Bademantel und Thermoskanne
Zum Kaltbaden nimmt Svetlana einen dicken Bademantel und heißes Wasser mit

Im Auto hat Svetlana immer eine Thermoskanne mit heißem Wasser, das sie von innen wärmt. „In den ersten Wochen habe ich nach dem Bad im See immer eine heiße Dusche zu Hause gebraucht. Inzwischen heizt sich mein Körper im Handumdrehen von selbst wieder auf“, erklärt sie. „Er hat sich verändert, genauso wie meine Seele. Für mich ist das Kaltbaden Therapie. Seit es zu meinem Leben gehört, fühle ich mich wie neugeboren.“

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