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Keine Lust mehr auf Lockdown? Zahlen in Karlsruhe sprechen dafür Immer öfter muss die Polizei illegale Hotel-Partys, Treffen in Wohnungen oder Ansammlungen im Freien auflösen

Auch wenn die Infektionszahlen fast überall in Deutschland langsam sinken, ist ein Ende der Pandemie noch nicht in Sicht. Der bundesweite Lockdown wurde bis zum 7. März verlängert, im Landkreis Karlsruhe gilt weiterhin die nächtliche Ausgangssperre, da die 7-Tage-Inzidenz noch deutlich über dem Landeswert liegt.

Menschen werden coronamüde

Aber immer öfter liest man während des Lockdown in Karlsruhe von privaten Geburtstagsfeiern, Betriebsfesten, illegalen „Corona-Partys“ in Hotels oder Kneipen, Fußballturnieren oder einfach Treffen mehrerer Familien zu Hause. Während die Menschen im ersten Lockdown noch sehr diszipliniert waren, drängt sich jetzt der Eindruck auf, dass sie coronamüde werden. 

Coronaparty
Die meisten Verstöße gegen die Corona-Auflagen finden in privaten Wohnungen statt

Die Karlsruher Polizei beantwortet diese Frage eindeutig mit „ja“. Seit Beginn des Jahres verzeichnet Raphael Fiedler vom Polizeipräsidium Karlsruhe einen Anstieg der Verstöße gegen die Corona-Verordnung im Allgemeinen, aber auch der sogenannten Corona-Partys. „In der Regel handelt es sich um kleinere Feiern mit bis zu zehn Personen. Größere Veranstaltungen stellen die Ausnahme dar, kommen aber wiederholt vor“, so der Leiter der Offentlichkeitsarbeit.

Fußballspiel mit vielen Zuschauern

In Stutensee mussten Beamte ein Event mit insgesamt 49 Personen beenden, die aus überregionalen Haushalten kamen. Dort wurden 41  Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet. Die größte unerlaubte Menschenansammlung in Karlsruhe Stadt löste die Polizei am 7. Februar auf. „Zwischen 40 und 50 Personen wurden auf einem Bolzplatz in der Südstadt beim Fußballspielen und Zuschauen angetroffen“, berichtet Raphael Fiedler.

Zwei Tage später traf sich erneut eine Gruppe von 20 Personen auf einem Bolzplatz in der Südtstadt, die sich nicht an die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln hielten. Ein Ereignis im vergangenen Dezember, das bundesweit für Aufsehen sorgte, ist auch den Karlsruher Polizeibeamten gut in Erinnerung geblieben: Eine organisierte Swingerparty mit mehr 40 Leuten in einem Hotel in Hagsfeld.

Lockdown in Karlsruhe: Hotel-Mitarbeiterin erzählt

Von derart großen Feiern kann Monika B. nicht berichten. Sie arbeitet in einem Hotel in der Karlsruher Region und macht ihre eigenen Erfahrungen mit den geltenden Corona-Richtlinien: Da kaum Gäste da sind, ist die Umsetzung der Hygiene-Vorgaben nicht das Problem, sagt sie „Wenn Gäste da sind, dann in der Regel Arbeiter, die in und um Karlsruhe auf Montage sind. Nach einem Arbeitstag auf der Baustelle sind die meist so k.o., dass abends nicht mehr viel geht.“

Hotel in Karlsruhe
Ein ums andere Mal musste die Polizei illegale Treffen in Karlsruher Hotels auflösen

Manchmal sitzt eine kleine Gruppe auf ein Bier zusammen oder raucht draußen gemeinsam eine Zigarette, so die Hotel-Mitarbeiterin. Die Polizei musste sie noch nie rufen, bisher konnte alles in Gesprächen vor Ort schnell geklärt und die Gruppen aufgelöst werden. „Es gibt Gäste, die wissen, dass sie das nicht dürfen, versuchen es aber einfach. Wenn  wir mit ihnen reden, zeigen sie sich meist schnell einsichtig.“

Am häufigsten sind private Feiern

Hotels sind nach Meinung der Karlsruher Polizei auch gar nicht das größte Problem, denn in den meisten Fällen handele es sich bei den illegalen Treffen um private Feiern. Etwa Geburtstage, Partyverabredungen unter Jugendlichen und Feste im Arbeits- und Nachbarschaftsumfeld. Auch wenn bisher alle Altersgruppen auf den „Corona-Partys“ anzutreffen waren, so sind Menschen ab 50 Jahren in der Regel seltener vertreten, sagt Raphael Fiedler.

Polizei in Karlsruhe
Die Polizei Karlsruhe kontrolliert tag und nacht, ob die Corona-Richtlinien eingehalten werden

Bekannte Treffpunkte behalten die Polizeikräfte deshalb besonders im Auge, an den Wochenenden kommen vermehrt Hinweise aus der Bevölkerung, denen sie nachgehen müssen. Zudem überwachen sie tagtäglich die Einhaltung der Regelungen zum Infektionsschutz in allen Reviergebieten des Stadt- und Landkreises – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Überwiegend finden die Kontrollen durch Streifenwagenbesatzungen und Fußstreifen statt.

Verstöße gegen Hygiene- und Abstandsregeln

„In den überwiegenden Fällen sind es Verstöße gegen die Tragepflicht von Mund-Nase-Bedeckungen. Darauf folgen Verstöße gegen die allgemeinen Abstandsregeln im öffentlichen Raum und Verstöße gegen die nächtliche Ausgangsbeschränkung. Dahinter erst sind Verstöße aufgrund von Ansammlungen, privaten Zusammenkünften und Veranstaltungen im nicht-öffentlichen Raum festzustellen“, fasst Raphael Fiedler zusammen. 

Damit liegt Karlsruhe im Landestrend: „Seit dem Teil-Lockdown vom 2. November bis einschließlich 7. Februar wurden von der Polizei Baden-Württemberg insgesamt 165.679 Verstöße gegen die infektionsschutzrechtlichen Regelungen festgestellt, davon 104.656 Verstöße gegen die Maskenpflicht und 27.102 Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen. 18.799 Verstöße betrafen die Bestimmungen bei Ansammlungen und privaten oder sonstigen Veranstaltungen“, sagt Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl.

Abschließend kann man sagen: Die Zahl der Verstöße nimmt derzeit leicht zu. Aber die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hält sich weiterhin an die Regeln.

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