Fotos: Sabine Baur (2), ibz (1)
Zugewanderte finden hier Anschluss Ein Projekt des internationalen Begegnungszentrums unterstützt sprachlich, beruflich und sozial
10. Dezember 2020 TEXT: 0

Vor vier Jahren ist Ismail Bamba allein von der Elfenbeinküste nach Karlsruhe gekommen. Der 17-Jährige macht hier eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär und Klima, in seiner Freizeit spielt er Fußball beim SVK Beiertheim. Die Leidenschaft fürs Kicken teilt er mit seinem Tandempartner: „Wir schauen uns gemeinsam Spiele an, seit zwei Jahren treffen wir uns ungefähr einmal die Woche. Ja, da ist schon eine Freundschaft entstanden“, sagt Ismail.

Einen Job finden

Zusammengefunden haben die beiden über das Projekt Perspektive Now! plus des internationalen Begegnungszentrums ibz. Dabei bekommen Karlsruher Zugewanderte zwischen 14 und 27 Jahren einen ehrenamtlichen Tandempartner vermittelt, der schon länger hier wohnt und mit dem sie sich regelmäßig treffen. Dieser individuelle und persönliche Kontakt soll ihnen helfen, in Karlsruhe Anschluss zu finden und sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. 

„Pflegeberufe, aber auch eine Ausbildung im Handwerk sind beliebt“, berichtet ibz-Geschäftsführerin Dr. Iris Sardarabady und ergänzt: „Wenn man an den Fachkräftemangel bei uns denkt, profitieren nicht nur unsere jungen Migranten von diesem Projekt.“ Überhaupt seien die Tandems keine Einbahnstraße. Damit es funktioniert, müssten sich beide Seiten auf den jeweils anderen einlassen, offen sein für Neues.

OB zu Besuch

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup ist angetan von dem Projekt, als er es neulich im Rahmen der Aktion „Ihr direkter Draht zum OB“ besucht hat. Gemeinnützige Vereine und Initiativen können dabei das Stadtoberhaupt im Beteiligungsportal der Stadt zu sich einladen und ihre Projekte vorstellen. Damit der Besuch zustande kommt, müssen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger den Besuch unterstützen. 

OB Mentrup (r.) trifft Teilnehmer und Organisatorinnen des Projekts im ibz

Auch Aram Sadeghi Pour, mit dem sich Ismail eine Wohnung teilt, erzählt bei dieser Gelegenheit von seinem Tandempartner, mit dem er sich seit einigen Monaten trifft. Vor einem Jahr kam er aus dem Iran hierher und wollte schnell Deutsch lernen. Der Austausch mit seinem Tandempartner hat ihm – wie man deutlich hört – dabei sehr geholfen. Sein nächstes Ziel heißt: Ausbildung. Altenpfleger kann er sich gut als Beruf vorstellen.

Auch Teilnehmer aus Europa

Rund 75 jungen Migrantinnen und Migranten sind aktuell an Perspektive Now! plus beteiligt. Zusätzlich zu den Tandem-Treffen finden ein bis zwei Mal im Monat Gruppenaktivitäten statt, bei denen es ziemlich multikulti zugeht. 21 Nationen treffen dann aufeinander, von Südamerika bis Asien, aber auch Leute aus Europa sind dabei. Denn Perspektive Now! plus richtet sich nicht nur an junge Geflüchtete, sondern auch an Zugewanderte, etwa aus Italien, die sich über diesen Weg in Karlsruhe integrieren wollen. Für seine Integrationsarbeit wurde das Projekt dieses Jahr mit dem Heinz-Kappes-Preis des Rotary Club Karlsruhe-Fächerstadt ausgezeichnet.

Picknick im Schlosspark: Bei den Treffen von Perspective Now! plus kommen Leute aus 21 Nationen zusammen

„Der Ansatz unseres Projektes ist ganzheitlich und bedarfsorientiert. Wir unterstützen sprachlich, schulisch, beruflich und sozial. Mir selbst hätte ein solches Projekt vor zehn Jahren vieles erleichtert“, ist sich Projektleiterin Ana Bolaños sicher. Damals kam sie aus Ecuador nach Deutschland. Heute findet sie es wichtig, dass die jungen Zugewanderten die Stadt und ihre Möglichkeiten kennenlernen. Damit Karlsruhe zu einer Heimat werden kann, wie für Ismail und Aram.

Wer Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen und sie über einen längeren Zeitraum unterstützen möchte, kann sich als ehrenamtlicher Tandempartner bei Ana Bolaños  im IBZ melden. 

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