Foto: Nina Setzler
Theater-Workshops mit viel Abstand Seit Beginn der Corona-Krise dreht Regisseur Rob Doornbos Video-Kurse für Kinder
19. April 2020 TEXT: 0

Sein Job lebt vom direkten Draht zu den Kunden – Rob Doornbos gibt seit 14 Jahren Theater-Workshops für Schulklassen, Kindergärten, Firmen oder auch Schauspiel-Gruppen. Weil räumliche Nähe derzeit aber ausfällt, hat der Regisseur und Theaterpädagoge sein Büro zur Kulisse umgebaut und produziert neuerdings Video-Workshops für die Jüngsten.

„Ich habe ein Format entwickelt, mit dem Kinder zuhause aktiv werden können. Dass ich sie dabei nicht sehe, macht es etwas schwierig. Ich versuche, die Zeit abzuschätzen, die sie für eine Aufgabe brauchen und reagiere dann“, erklärt der 35-Jährige. Weil Videos ein anderes Setting und Timing brauchen als seine Live-Workshops, setzt er Musik und grafische Effekte ein, um Emotionen zu erzeugen.

In Robs YouTube-Clips geht es um Improvisation, Körpergefühl oder Kommunikation ohne Worte, die kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich austoben und mal wütend, mal fröhlich sein. Oder sie dürfen raten, ob eine Szene echt ist oder nur gespielt. Übungen wie „Standbilder“ kommen selbst bei vielen Erwachsenen gut an, wie das Feedback auf den Social Media-Kanälen verrät.

Rob hat sein Büro zur Kulisse umgebaut. Kollegin Anne Sophie wacht über die Aufnahmen

Die Workshop-Videos werden fleißig geteilt, mehrere tausend Aufrufe bekam der in Karlsruhe lebende Niederländer aus dem Stand. Anfangs klickten hauptsächlich Freunde und Bekannte rein, mittlerweile sind auch diverse Theater- und Stadtplattformen aufmerksam geworden und sogar Kinder aus der Schweiz schauen zu. „Die Online-Kurse möchte ich in Zukunft auf jeden Fall beibehalten“, sagt der Papa von drei Kids.

Die jetzige Situation sieht er als Chance, seine Arbeit weiter zu verbreiten, als es mit nur einer Gruppe an einem Ort möglich wäre. Theater für alle zugänglich machen, das ist Robs erklärtes Ziel. „In der Vergangenheit wurde ich öfter mal gefragt: ‚Kannst du nicht Übungen online stellen, damit wir das noch mal anschauen können?‘ Jetzt durch Corona ist plötzlich die Zeit dafür da“, so der Theatermann, dessen Markenzeichen senfgelbe Shirts sind.

In seinen Zehn-Minuten-Clips steckt großer Aufwand: mindestens zwei Stunden Aufnahmezeit plus zehn Stunden Nachbearbeitung! Schnitt und Grafik erledigt Rob auf dem iPad, darin hat er etwas Erfahrung, der Rest ist „Learning by Doing“. Bei Kamera und Licht hilft Aufnahmeleiterin Anne Sophie, denn vier Augen sehen mehr! Bald könnte aus den Video-Kursen für Kinder mehr entstehen, erste Unternehmen haben Interesse bekundet.

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