Fotos: Foto: Dominic Hohlbaum/Triebfeder, Stadt Karlsruhe
Kann Künstliche Intelligenz unseren Wald retten? Ein Assistenzsystem hilft Forstleuten in Karlsruhe beim Kampf gegen die Folgen des Klimawandels
15. März 2021 TEXT: 0

Trockenheit, Hitze, Schädlinge: Der Klimawandel setzt dem Wald in Karlsruhe zu. In ganz Baden-Württemberg spielt sich aktuell das größte Waldsterben seit den 1980er-Jahren ab – 43 Prozent der Waldflächen sind geschädigt. 

Daten über Klima, Böden und Märkte

Eine Entwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie könnte nun dabei helfen, den Wald durch gezielte Maßnahmen widerstandsfähiger zu machen: Das Programm EDE 4.0 bringt Daten aus Klimaforschung, Geografie und Forstmanagement zusammen. Durch Künstliche Intelligenz zeigt es den Forstleuten, wo und wann sie Bäume fällen oder pflanzen könnten.

Umgestürzte Eiche im Karlsruher Stadtwald
Durch Stürme, Schädlinge oder heiße Sommer sind 43 Prozent der Waldflächen in schlechtem Zustand

Etliche Bäume haben die letzten heißen Sommer im Karlsruher Wald nur dank Bewässerung überlebt. Trotzdem hat die Dürre sie angegriffen, Borkenkäfer oder schädliche Pilze sind die Folgen. Weitere Probleme: Eschentriebsterben, Rußrindenkrankheit und heftige Stürme, die Bäume ganz oder teilweise umwerfen. 

Fichten kommen mit dem Klimawandel nicht gut klar

„Mischwälder mit Hainbuchen, Ahorn oder Wildkirsche kommen mit den neuen Bedingungen besser zurecht als etwa Fichtenwälder“, sagt Dr. Joachim Fallmann vom Süddeutschen Klimabüro am KIT, das am EDE 4.0-Projekt beteiligt ist. Diese Baumarten sind allerdings weniger ertragreich.

Ohnehin hat das Karlsruher Forstamt wegen der Waldschäden zuletzt eine geringere Menge an Holz geerntet als in der Vergangenheit. In diesem Winter wurden nur im Rahmen dringlicher Pflegearbeiten Bäume gefällt. Oder aber weniger betroffenen Arten wie Pappel oder Douglasie. Pappelholz ist für die Herstellung von Obstkisten oder für Innenlagen von Ski und Snowboards nachgefragt. Die witterungsbeständigen Douglasien kann man gut im Außenbereich verwenden.

Von der Entwicklung des intelligenten Assistenzsystems, in das auch das Wissen der Karlsruher Forstleute einfließt, verspricht sich Forstamtsleiter Ulrich Kienzler Unterstützung für das Waldmanagement angesichts des Klimawandels. „KI könnte uns helfen, die Vielfalt der Natur in der digitalen Welt abzubilden und Daten zu sammeln, die wir für unsere Entscheidungen brauchen: Vom Boden über den Waldbestand bis hin zum Klima“, sagt er. 

Muster und Zusammenhänge im Wald von Karlsruhe erkennen

Ausgangspunkt für EDE 4.0 ist das „EDI hive IoT Framework“ der EDI GmbH (KIT-Ausgründung), das auch im Maschinenbau und in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt wird. Es soll nun darauf trainiert werden, Muster und Zusammenhänge im Karlsruher Wald zu erkennen, um relevante Ergebnisse für eine nachhaltige Bewirtschaftung zu liefern. Am Ende der Entwicklung wird eine mobile App stehen, die intuitiv zu bedienen ist.

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